Amphetamin

Zusammenhänge von Schlafstörungen mit ADHS: Implikationen für die Behandlung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist häufig mit gestörtem oder beeinträchtigtem Schlaf verbunden. Die Beziehungen zwischen ADHS, Schlafproblemen, psychiatrischen Komorbiditäten und Medikamenten sind komplex und multidirektional. Die Ergebnisse veröffentlichter Studien, die den Schlaf von Menschen mit ADHS mit dem typisch entwickelter Kontrollpersonen vergleichen, stimmen am stärksten hinsichtlich folgender Zusammenhänge mit ADHS überein: Hypopnoe/Apnoe und periodische Extremitätenbewegungen im Schlaf oder nächtliche motorische Aktivität in polysomnografischen Studien; verlängerte Einschlaflatenz und kürzere Schlafdauer in aktigrafischen Studien; sowie Widerstand gegen das Zubettgehen, Schwierigkeiten beim morgendlichen Erwachen, Einschlafprobleme, schlafbezogene Atmungsstörungen, nächtliches Erwachen und Tagesschläfrigkeit in subjektiven Studien. ADHS tritt zudem häufig gemeinsam mit Schlafstörungen auf (obstruktive Schlafapnoe, periodische Extremitätenbewegungsstörung, Restless-Legs-Syndrom und zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen). Psychostimulanzien sind mit beeinträchtigtem oder gestörtem Schlaf verbunden, können manche Patienten mit ADHS jedoch „paradoxerweise“ beruhigen und durch Symptomlinderung den Schlaf erleichtern. Langwirksame Formulierungen können eine unzureichende Wirkdauer haben, was am Abend zu einem Symptom-Rebound führt. Aktuelle Leitlinien empfehlen, Schlafstörungen im Rahmen der ADHS-Diagnostik und vor Beginn einer Pharmakotherapie zu erfassen; gesunde Schlafgewohnheiten gelten als erste Maßnahme bei Schlafproblemen. Diese Übersichtsarbeit gibt einen umfassenden Überblick über die Beziehungen zwischen ADHS und Schlaf und stellt ein konzeptionelles Modell der Interaktionsweisen vor: ADHS kann als intrinsisches Merkmal der Störung Schlafprobleme verursachen; Schlafprobleme können ADHS verursachen oder imitieren; ADHS und Schlafprobleme können sich wechselseitig beeinflussen, möglicherweise unter Beteiligung von Komorbiditäten; und ADHS und Schlafprobleme können eine gemeinsame zugrunde liegende neurologische Ätiologie aufweisen.

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Ungedeckte psychotherapeutische Bedarfe bei Stimulanzienkonsumenten

Hintergrund. Trotz der geänderten Psychotherapierichtlinie finden in Deutschland nur verhältnismäßig wenige Patienten mit Substanzstörungen den Weg in eine ambulante psychotherapeutische Behandlung. Ziel der Arbeit. In der vorliegenden Arbeit wird der Bedarf an Psychotherapie bei Substanzstörungen anhand einer aktuellen Untersuchung an Stimulanzienkonsumenten illustriert.

Material und Methoden. Insgesamt 392 Personen mit aktivem Konsum von Amphetamin und/oder Methamphetamin wurden über ein breites Spektrum von Feldzugängen rekrutiert. Mit einem „Mixed-methods“-Ansatz wurden qualitative und quantitative Daten zu Konsumbiografie, -motiven und Traumatisierungen in der Kindheit erhoben.

Ergebnisse. Es fanden sich zahlreiche Hinweise für psychische Belastungen als Konsummotiv, die oft bereits beim Einstieg in den Konsum eine Rolle spielten. Knapp zwei Drittel aller Befragen (65,1%) berichteten mindestens eine Form traumatischer Erfahrungen in Kindheit und Jugend (sexuelle, körperliche oder emotionale Gewalt bzw. körperliche oder emotionale Vernachlässigung).

Schlussfolgerungen. Die Befunde sprechen für einen hohen Bedarf an Psychotherapie bei Patienten mit Störungen durch Stimulanzien. Wichtig erscheint, dass die aktuellen Rahmenbedingungen dafür sowie die Ausbildung und Information von Psychotherapeuten in diesem Bereich weiter verbessert werden.

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Toxizität von Amphetaminen: Ein Update

Amphetamine bilden eine Klasse psychotroper Verbindungen, die wegen ihrer stimulierenden, euphorisierenden, appetithemmenden und in einigen Fällen empathogenen, entaktogenen und halluzinogenen Eigenschaften häufig missbraucht werden. Diese Verbindungen leiten sich von der β-Phenylethylamin-Grundstruktur ab und sind kinetisch und dynamisch dadurch gekennzeichnet, dass sie die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden, der Biotransformation im Gehirn widerstehen und Monoamin-Neurotransmitter aus Nervenendigungen freisetzen. Obwohl Amphetamine weithin als synthetische Drogen gelten, zu denen Amphetamin, Methamphetamin und 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA, Ecstasy) bekannte Beispiele sind, nutzen Menschen seit mehreren Jahrtausenden auch natürliche Amphetamine durch den Konsum amphetaminhaltiger Pflanzen, insbesondere Cathinon (Khat) aus Catha edulis und Ephedrin aus verschiedenen Pflanzen der Gattung Ephedra. In jüngerer Zeit ist eine Welle neuer Amphetamine auf den Markt gekommen, die hauptsächlich aus Cathinon-Derivaten wie Mephedron, Methylone, Methedron und Buthylon besteht. Obwohl Intoxikationen mit Amphetaminen weiterhin häufige Ursachen für Notaufnahme- und Krankenhausaufnahmen sind, findet sich oft die irreführende Annahme, Amphetaminderivate – insbesondere neuere Substanzen – seien relativ sicher. Vergiftungen beim Menschen werden jedoch zunehmend berichtet und zeigen ähnliche Muster wie bei klassischen Amphetaminen. Dies überrascht angesichts ähnlicher Strukturen und Wirkmechanismen der verschiedenen Amphetamine nicht, die diesen Verbindungen vergleichbare toxikokinetische und toxikologische Profile verleihen. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es, einen Überblick über Pharmakokinetik, allgemeine Mechanismen biologischer und toxikologischer Wirkungen sowie die wichtigsten Zielorgane der Amphetamintoxizität zu geben. Da für neuartige Amphetamine weiterhin nur begrenzte Kenntnisse für mechanistische Schlussfolgerungen vorliegen, stehen die seit Langem untersuchten klassischen Amphetamine – Amphetamin selbst sowie Methamphetamin und MDMA – im Mittelpunkt dieser Übersicht. Sie liefern umfangreiche Daten, die für die Vorhersage toxikologischer Folgen bei unvorsichtigen Konsumenten nützlich sein können.

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Die medikamentöse Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung im Kindes- und Jugendalter mit Amphetaminpräparaten

Einleitung: Die wichtigsten Psychostimulanzien in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung stellen Methylphenidat und Amphetaminsalze dar.

Fragestellung: In der vorliegenden Arbeit werden die pharmakologischen Charakteristika von Amphetaminpräparaten zusammengefasst. Außerdem werden die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen im Vergleich zu Methylphenidat erläutert.

Methodik: Die Arbeit basiert auf einer Medline-Recherche. Eingang fanden kontrollierte Studien und Metaanalysen zwischen 1980 und 2011. Verwendete Suchwörter waren Amphetamin, Amphetaminsalze, Lisdexamphetamin, kontrollierte Studien und Metaanalysen.

Ergebnisse und Diskussion: Amphetaminpräparate weisen gegenüber Methylphenidat einige pharmakologische Besonderheiten auf, indem sie neben der Dopamin-Wiederaufnahmehemmung auch die Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin bewirken. Die klinische Wirksamkeit von Amphetaminpräparaten ist so gut wie die von Methylphenidat und das Nebenwirkungsspektrum als vergleichbar einzuschätzen. Bei ausbleibender Therapieresponse auf Methylphenidat kann vor dem Übergang auf eine Substanz zweiter Wahl durch den Einsatz eines Amphetaminpräparates die Ansprechrate auf Psychostimulanzien optimiert werden. Da potentiell bei nicht vorgeschriebener Einnahme im Erwachsenenalter eine erhöhte Missbrauchsgefahr von herkömmlichen Amphetaminpräparaten feststellbar ist, könnte darüber hinaus dem Propharmakon Lisdexamphetamin eine wichtige Bedeutung zukommen aufgrund einer robusten klinischen Wirksamkeit, eines besseren Wirkprofils und möglicherweise geringeren Missbrauchsgefahren. Schlussfolgerungen: Amphetaminpräparate sind eine wichtige Ergänzung zu Methylphenidat in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung. Unklarheit besteht derzeit über eine differentielle Behandlungsindikation in Abhängigkeit der Symptomkonstellation und möglicher Komorbiditäten.

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Verstärkende Wirkungen von Methamphetamin in einem Tiermodell der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – der spontan hypertensiven Ratte

Wir geben einen Überblick über Strategien zur Entwicklung von Tiermodellen für die Untersuchung und Auswahl von Substanzen mit potenziellem therapeutischem Nutzen bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). ADHS ist eine Verhaltensstörung unbekannter Ätiologie und Pathophysiologie. Nach heutigem Verständnis spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle in ihrer Ätiologie. Eine Beteiligung dopaminerger und noradrenerger Systeme an der Pathophysiologie der ADHS ist wahrscheinlich. Wir beschreiben die klinischen Merkmale der ADHS, darunter Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, und wie diese für Laboruntersuchungen operationalisiert werden. Maße der zeitlichen Belohnungsabwertung (nicht jedoch vorzeitiges Reagieren) scheinen bekannte Arzneimittelwirkungen gut vorherzusagen (Behandlungsvalidität). Häufig verwendete Open-Field-Maße der Überaktivität besitzen in menschlichen Populationen keine Behandlungsvalidität. Es wurden mehrere Tiermodelle vorgeschlagen, die ADHS-Symptome nachbilden. Am häufigsten verwendet werden die spontan hypertensive Ratte (SHR) und Tiere mit 6-Hydroxydopamin-Läsionen (6-OHDA). Bislang fehlt der SHR jedoch die Behandlungsvalidität, und die Wirkungen von Arzneimitteln auf Impulsivitäts- und Unaufmerksamkeitssymptome wurden bei 6-OHDA-läsionierten Tieren nicht umfassend untersucht. Beim gegenwärtigen Entwicklungsstand gibt es keine in-vivo-Modelle mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Untersuchung und Auswahl von Substanzen mit potenziellem therapeutischem Nutzen bei ADHS. Die zeitliche Belohnungsabwertung gewinnt jedoch in ADHS-Theorien zunehmend an Bedeutung, und es gibt gute Hinweise darauf, dass die Bewertung verzögerter Belohnungen nach Behandlung mit Stimulanzien zunimmt. Operante Verhaltensparadigmen, die Arzneimittelwirkungen in Situationen verzögerter Verstärkung messen, erscheinen daher sowohl bei normalen Ratten als auch in ausgewählten Modellen für die Zukunft vielversprechend.

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Medikamentöse Behandlung der ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) im Erwachsenenalter in Deutschland

Hintergrund: Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) handelt es sich um eine psychische Störung. Die betroffenen Personen sind in der Regel überaktiv, unachtsam und leichtfertig. Diese Erkrankung beginnt immer im Kindesalter, kann aber bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Sie wirkt sich für die Betroffenen in nahezu allen Lebensbereichen aus. Die Lebensqualität ist häufig infolge der typischen Symptome und der hohen Rate an Begleiterkrankungen eingeschränkt. Eine bewährte Form der Therapie ist die Behandlung mit anregend wirkenden Arzneimitteln. In erster Linie wird der Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt. Er ist für die Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter in Deutschland nicht zugelassen. Das führt dazu, dass viele betroffene Erwachsene keine entsprechende Medikation erhalten.

Forschungsfrage: In dem vorliegenden Bericht (Health Technology Assessment [HTA]) werden die gewünschte Wirkung (Effektivität), die Wirkung in Zusammenhang mit den Kosten (Kosten-Effektivität) sowie ethische, soziale und rechtliche Gesichtspunkte bei der medikamentösen Behandlung von Erwachsenen mit einer ADHS betrachtet.

Methodik: In wissenschaftlichen Datenbanken wird im August 2009 eine systematische Literatursuche durchgeführt. Gefundene Literaturstellen müssen vorab definierten Kriterien entsprechen. Die Daten der Literaturstellen werden gezielt herausgesucht, bewertet und zusammenfassend beurteilt. Ergänzend wird eine Handsuche durchgeführt.

Ergebnisse: Insgesamt erfüllen 19 Studien, davon neun kontrollierte Studien, mit zufälliger Verteilung der Versuchspersonen bezüglich der Behandlung, fünf Metaanalysen (Untersuchung von zusammengefassten Einzelstudien), drei Studien zu wirtschaftlichen und zwei zu rechtlichen Gesichtspunkten die vorgegebenen Einschlusskriterien. Alle bewerteten randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) zeigen, dass unter medikamentöser Behandlung vor allem mit Arzneimitteln mit anregender Wirkung (Methylphenidat und Amphetaminen) und Atomoxetin eine Verbesserung der ADHS-Symptome bei Erwachsenen im Vergleich zu einer Placebobehandlung auftritt. Die Ansprechraten belaufen sich in den Kontrollgruppen zwischen 7 % und 42 %, in den Behandlungsgruppen zwischen 17 % und 59,6 %. In den Metaanalysen werden die Ergebnisse aus den RCT bestätigt. Insgesamt lassen sich für Patienten mit ADHS hohe jährliche direkte (z. B. für Medikamente) und indirekte (z. B. für Verdienstausfall) Kosten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe feststellen. Die durchschnittlichen Medikamentenkosten für Erwachsene mit ADHS betragen zwischen 1.262 US-Dollar im Jahr 1998 und 1.673 US-Dollar im Jahr 2001 (Währung und Inflation berücksichtigt: für 2009 zwischen 1.270 und 1.619 Euro). Im Zusammenhang mit der Einnahme von Arzneimitteln mit stimulierender Wirkung können Betroffene in den Bereichen Straßenverkehr, Reisen und Sport eingeschränkt sein. Für ethische und soziale sowie für rechtliche Aspekte in Bezug zur medikamentösen Therapie bei Erwachsenen mit einer ADHS werden keine entsprechenden Studien gefunden.

Diskussion / Schlussfolgerung: Insbesondere bei Methylphenidat und Atomoxetin sind positive Effekte der medikamentösen Therapie nachweisbar. Dabei muss eine Dosiseinstellung abgestimmt auf die jeweilige betroffene Person erfolgen, um ein optimales Ansprechen der Medikamente zu erreichen. Medikamentöse Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter in Deutschland DAHTA 2 von 240 Um genauere Aussagen über die Kosten-Wirkung der medikamentösen Therapie bei Erwachsenen mit einer ADHS zu treffen, sind weitere gesundheitsökonomische Studien erforderlich. Abgesehen vom zweifelsfrei psychiatrischen Krankheitsbild wird allein schon aus gesundheitsökonomischen Gründen empfohlen, die Voraussetzungen für eine angemessene Versorgung mit diesen Medikamenten auch für Erwachsene zu schaffen.

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