Autismus-Spektrum-Störung

Abnorme Mikrostruktur der weißen Substanz bei Kindern mit sensorischen Verarbeitungsstörungen

Sensorische Verarbeitungsstörungen (sensory processing disorders, SPD) betreffen 5–16 % der schulpflichtigen Kinder und können langfristige Defizite in der intellektuellen und sozialen Entwicklung verursachen. Aktuelle Theorien zu SPD beziehen primäre sensorische Kortexareale und übergeordnete kortikale Regionen der multisensorischen Integration (MSI) ein. Wir untersuchten mithilfe der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) die Rolle mikrostruktureller Veränderungen der weißen Substanz bei SPD. DTI wurde bei 16 Jungen im Alter von 8–11 Jahren mit SPD und 24 hinsichtlich Alter, Geschlecht, Händigkeit und IQ gematchten neurotypischen Kontrollen durchgeführt. Das Verhalten wurde mithilfe des von Eltern ausgefüllten Sensory Profile charakterisiert. Fraktionelle Anisotropie (FA), mittlere Diffusivität (MD) und radiale Diffusivität (RD) wurden berechnet. Traktbasierte räumliche Statistik wurde eingesetzt, um signifikante Gruppenunterschiede in der Integrität der weißen Substanz zu erkennen und zu bestimmen, ob mikrostrukturelle Parameter signifikant mit Verhaltensmaßen korrelierten. In der SPD-Gruppe fanden sich im Vergleich zu den Kontrollen signifikante Abnahmen der FA sowie Zunahmen von MD und RD, vor allem in der posterioren weißen Substanz einschließlich des posterioren Corpus callosum, der posterioren Corona radiata und der posterioren thalamischen Radiatio. Es wurden starke positive Korrelationen zwischen der FA dieser posterioren Bahnen und Werten für auditive Verarbeitung, multisensorische Verarbeitung und Unaufmerksamkeit beobachtet (r = 0,51–0,78; p < 0,001), bei starken negativen Korrelationen zwischen RD und Werten für multisensorische Verarbeitung und Unaufmerksamkeit (r = −0,61–0,71; p < 0,001). Nach unserem Wissen ist dies die erste Studie, die eine verminderte mikrostrukturelle Integrität der weißen Substanz bei Kindern mit SPD nachweist. Wir fanden, dass die gestörte Mikrostruktur der weißen Substanz überwiegend posteriore zerebrale Bahnen betrifft und stark mit atypischem unimodalem und multisensorischem Integrationsverhalten korreliert. Diese Befunde sprechen für eine abnorme weiße Substanz als biologische Grundlage von SPD und könnten SPD zudem von klinisch überlappenden Störungen wie Autismus und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung unterscheiden.

Abnorme Mikrostruktur der weißen Substanz bei Kindern mit sensorischen Verarbeitungsstörungen Beitrag lesen »

Kinder mit Behinderungen werden anfangs häufig fehldiagnostiziert, und Kinder mit neuropsychiatrischen Störungen werden 30 Monate später an geeignete Hilfen überwiesen als Kinder mit anderen Behinderungen

Behinderungen eines Kindes können zu geringem Selbstwertgefühl und sozialen Problemen führen. Auch das Leben von Eltern und Geschwistern ist betroffen. Frühzeitige Interventionen können diese Folgen verringern. Um eine frühe Intervention zu ermöglichen, ist eine frühzeitige Überweisung an geeignete Hilfsangebote wesentlich. In einer longitudinalen retrospektiven Beobachtungsstudie wurde festgestellt, dass Kinder mit neuropsychiatrischen Störungen ohne Intelligenzminderung 30 Monate später überwiesen wurden als andere Kinder. Die Übereinstimmung zwischen der Identifikation der Hauptbehinderung durch die überweisende Stelle und derjenigen des Habilitationszentrums war mit einem Kappa-Koeffizienten von 0,44 gering. Da die diagnostische Übereinstimmung zwischen überweisenden Stellen und Habilitationszentren gering war, sollte eine frühere Überweisung gefördert werden.

Kinder mit Behinderungen werden anfangs häufig fehldiagnostiziert, und Kinder mit neuropsychiatrischen Störungen werden 30 Monate später an geeignete Hilfen überwiesen als Kinder mit anderen Behinderungen Beitrag lesen »

Intensive verhaltenstherapeutische Interventionsprogramme bei Autismus-Spektrum-Störungen

Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) sind früh beginnende, persistierende Entwicklungsstörungen, die durch qualitative Beeinträchtigungen der sozialen Kommunikation und Sprache, der sozialen Interaktion sowie durch stereotypes Verhalten und Interessen charakterisiert sind. Für intensive verhaltenstherapeutische Interventionsprogramme, insbesondere nach Applied Behavior Analysis (ABA, „angewandte Verhaltensanalyse“), besteht bisher die beste Evidenz bei ASD-Behandlung. Sie zielen auf die Förderung eines breiten Spektrums an Fertigkeiten ab, wie die Verbesserung der kognitiven und Sprachentwicklung, des Anpassungsverhaltens und der motorischen Funktionen. Neuere Interventionsstudien zeigen einen Trend zur Fokussierung vor allem auf die Verbesserung der sozialen Kommunikation betroffener Kinder. Vorliegende Übersichtarbeit fasst eine Auswahl der bisher untersuchten, intensiven verhaltenstherapeutischen Interventionsprogramme und Elterntrainings für ASD zusammen, um in der klinischen Praxis die Entscheidung für ein evidenzbasierte Therapieempfehlung für betroffene Familien zu erleichtern.

Intensive verhaltenstherapeutische Interventionsprogramme bei Autismus-Spektrum-Störungen Beitrag lesen »

Temperament und soziale Reaktivität bei Autismus-Spektrum-Störungen und ADHS

Vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, ob spezifische Temperaments- und Persönlichkeitskonstellationen bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) im Vergleich zu Kindern mit einfacher Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bereits im Kindesalter zu finden sind und inwiefern diese Persönlichkeitsmerkmale soziale und kommunikative Schwierigkeiten beeinflussen.

Temperament und soziale Reaktivität bei Autismus-Spektrum-Störungen und ADHS Beitrag lesen »

Risikofaktoren für autistische Symptome bei Kindern mit ADHS

Autistische Symptome werden bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) häufig beobachtet, ihre Ätiologie ist jedoch weiterhin unklar. Hauptziel dieser Studie war es, Risikofaktoren für verstärkte autistische Symptome bei Kindern mit ADHS ohne Diagnose von Autismus oder einer Autismus-Spektrum-Störung zu beschreiben. Bei 205 Kindern mit ADHS wurden komorbide psychiatrische Störungen, Entwicklungsverzögerungen, aktuelle Medikation, pränatale biologische und postnatale psychosoziale Risikofaktoren sowie autistische Merkmale der Eltern erfasst. Lineare Regressionsmodelle identifizierten autistische Merkmale der Mutter, aktuelle familiäre Risikofaktoren und hyperaktive Symptome als Prädiktoren autistischer Symptome bei Kindern mit ADHS. Die Befunde weisen auf mögliche genetische sowie umweltbedingte Risikofaktoren hin, die autistische Symptome bei Kindern mit ADHS vermitteln. Eine zusätzliche Validitätsanalyse mittels ROC und Fläche unter der Kurve (AUC) legte einen Grenzwert von 11 im Social Communication Questionnaire (SCQ) zur Unterscheidung zwischen ADHS und hochfunktionaler ASS nahe.

Risikofaktoren für autistische Symptome bei Kindern mit ADHS Beitrag lesen »

Psychobiosoziale Intervention bei Autismus

Zur Intervention bei Autismusspektrumstörungen („autism spectrum disorders“, ASD) werden unzählige Maßnahmen angeboten. Nur wenige Methoden können jedoch eine Evidenzbasierung beanspruchen, und auch die evaluierten Methoden bedürfen einer weiteren Prüfung der Wirkmechanismen und des Geltungsbereichs. Der vorliegende Beitrag erläutert Prämissen und Prinzipien erfolgreicher psychobiosozialer Intervention bei ASD und gibt mit ABA, TEACCH, PECS, dem Training sozialer Fertigkeiten und kognitivem Training Beispiele einzelner genügend empirisch bewährter Verfahren und deren Grenzen. Mit dem Versuch des Trainings fehlender μ-Suppression durch Neurofeedback und der Reanimation von Gyrus fusiformis und Amygdala durch Förderung fazialer Affekterkennung werden neurobiologisch begründete Behandlungsansätze vorgestellt.

Psychobiosoziale Intervention bei Autismus Beitrag lesen »

Komorbiditäten bei Autismus-Spektrum-Erkrankungen – Stand der Forschung und Aufgaben für die Zukunft

Zahlreiche körperliche und psychopathologische Störungsbilder treten häufig bei Autismus-Spektrum-Erkrankungen auf. Derzeit wird diskutiert, ob zusätzlich auftretende psychopathologische Symptome eine eigene kategoriale komorbide Störung darstellen und als solche diagnostiziert werden dürfen oder ob sie als Teil der autistischen Störung zu verstehen sind. Anhand der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird ausgehend vom aktuellen Forschungsstand und eigener Forschungsergebnisse beispielhaft dargestellt, welcheVoraussetzung für eine komorbide Störung erfüllt sein sollten und welche Bedingungen sich aufgrund neurobiologischer Ergebnisse aus dem Bereich der Molekularbiologie, Neuropsychologie und Bildgebung für Ätiologie, Früherkennung, pharmakologische und psychotherapeutische Behandlung, Verlauf und den kategorialen Klassifikationsansatz ergeben.

Komorbiditäten bei Autismus-Spektrum-Erkrankungen – Stand der Forschung und Aufgaben für die Zukunft Beitrag lesen »

Autismus und ADHS über die Lebensspanne – Differenzialdiagnosen oder Komorbidität?

Autismusspektrumstörungen (autism spectrum disorders, ASD) gelten in den beiden aktuellen Klassifikationssystemen (ICD-10 und DSM-IV-TR) als Ausschlusskriterium für die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hypermotorik gehören aber zu den häufigsten Begleitsymptomen der ASD. Psychopathologische, neuropsychologische, bildgebende und genetische Untersuchungen weisen auf mögliche pathophysiologische Zusammenhänge von autistischen Störungen und ADHS hin. Bei der Diagnostik beider Störungen sollte daher grundsätzlich geprüft werden, ob auch Symptome der anderen Störungen vorliegen. Die Behandlung der ADHS-Symptome bei Autismus gleicht zwar prinzipiell der Therapie nichtautistischer Kinder mit ADHS. Allerdings sind oft niedrigere Dosierungen und eine langsamere Titration empfehlenswert.

Autismus und ADHS über die Lebensspanne – Differenzialdiagnosen oder Komorbidität? Beitrag lesen »

Altersabhängige Unterschiede in neuropsychologischen Leistungsprofilen bei ADHS und Autismus

Fragestellung: In dieser Studie wurden Kinder und Jugendliche mit einer autistischen Störung und solche mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit gesunden Kindern und Jugendlichen mit normaler Entwicklung hinsichtlich der Ausprägung von neuropsychologischen Variablen in drei unterschiedlichen Altersgruppen verglichen.

Methodik: Es wurden 42 Kinder und Jugendliche mit einer autistischen Störung (High-Functioning Autismus bzw. Asperger-Syndrom), 31 Kinder mit einem ADHS (nach ICD-10 und DSM-IV) sowie 30 gesunde Kontrollkinder im Rahmen der Studie untersucht. Dabei wurden folgende neuropsychologische Testverfahren eingesetzt: 1. Testbatterie für Aufmerksamkeitsstörungen (TAP) (Daueraufmerksamkeit, Inhibition und Reaktionswechsel); 2. Cambridge Neuropsychological Automated Test Battery (CANTAB) zur Erfassung exekutiver Funktionen (Arbeitsgedächtnis und Planungsverhalten); 3 «Frankfurt Test und Training von fazialem Affekt» (FEFA) zur emotionsbezogenen Gesichtererkennung.

Ergebnisse: Unsere Daten liefern Hinweise dafür, dass sich die von uns untersuchten Aufmerksamkeitsfunktionen mit zunehmendem Alter verbessern. Deutliche Unterschiede zwischen den beiden klinischen Gruppen fanden sich insbesondere für 11 bis 14-jährige im Bereich der Daueraufmerksamkeit und der Inhibition. Sowohl in Bezug auf die Exekutivfunktionen, als auch im Bereich der emotionsbezogenen Gesichtererkennung fanden sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den drei Gruppen.

Schlussfolgerungen: Obwohl unsere Ergebnisse aufgrund des deskriptiven Charakters der Untersuchung und der sehr kleinen Stichproben nur mit Einschränkung zu interpretieren sind, erscheint die Berücksichtigung des Alters bei der Anwendung neuropsychologischer Testverfahren sinnvoll, um so den individuellen Leistungsvoraussetzungen der unterschiedlichen Patientengruppen besser gerecht zu werden.

Altersabhängige Unterschiede in neuropsychologischen Leistungsprofilen bei ADHS und Autismus Beitrag lesen »

Nach oben scrollen