Borderline-Persönlichkeitsstörung

Frontale Dysfunktionen der Impulskontrolle – eine systematische Übersicht bei Borderline-Persönlichkeitsstörung und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Störungen wie die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind durch impulsives Verhalten gekennzeichnet. Impulsivität ist als klinischer Begriff sehr breit definiert und umfasst unterschiedliche Kategorien, darunter Persönlichkeitsmerkmale ebenso wie verschiedene kognitive Funktionen, etwa Emotionsregulation, Interferenzauflösung und Impulskontrolle. Impulskontrolle als exekutive Funktion ist jedoch weder kognitiv noch neurobehavioral eine einheitliche Funktion. Neuere Befunde aus verhaltenswissenschaftlichen und kognitiv-neurowissenschaftlichen Studien sprechen für miteinander verbundene, aber unterscheidbare Komponenten der Impulskontrolle entlang funktioneller Bereiche wie selektiver Aufmerksamkeit, Reaktionsauswahl, motivationaler Kontrolle und Verhaltenshemmung. Darüber hinaus zeigen sich verhaltensbezogene und neuronale Dissoziationen zwischen proaktiver und reaktiver inhibitorischer motorischer Kontrolle. Der präfrontale Kortex mit seinen Subregionen ist die zentrale Struktur für die Ausführung dieser Impulskontrollfunktionen. Auf Grundlage dieser Konzepte wurden neurobehaviorale Befunde aus Studien zu BPS und ADHS systematisch überprüft und verglichen. Insgesamt zeigten Patienten mit BPS präfrontale Dysfunktionen über verschiedene Komponenten der Impulskontrolle hinweg eher in orbitofrontalen, dorsomedialen und dorsolateralen präfrontalen Regionen, während Patienten mit ADHS vor allem eine gestörte Aktivität in ventrolateralen und medialen präfrontalen Regionen aufwiesen. Die präfrontalen Dysfunktionen variierten jedoch je nach Komponente der Impulskontrolle und je nach Störung. Dies spricht für eine Dissoziation impuls-kontrollbezogener frontaler Dysfunktionen bei BPS und ADHS, obwohl bislang nur wenige Studien die frontalen Dysfunktionen entlang unterschiedlicher Impulskontrollkomponenten im direkten Vergleich dieser Störungen untersucht haben. Die Befunde können jedoch als Hypothese für zukünftige systematische Untersuchungen einzelner Impulskontrollkomponenten dienen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten präfrontaler Kortexdysfunktionen bei impulsiven Störungen besser zu verstehen.

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Das Kognitive Inventar für Borderline-Persönlichkeitsstörung (KIB)

Theoretischer Hintergrund: Das Kognitive Inventar der Borderline-Persönlichkeitsstörung (KIB) wurde zur Messung von störungstypischen Überzeugungen sowie assoziierten behavioralen und emotionalen Symptomen entwickelt. Fragestellung: Die psychometrischen Kennwerte des KIB wurden untersucht und ergänzen die Erkenntnisse einer Pilotstudie. Methode: Die Reliabilität, die faktorielle, konvergente, divergente und differenzielle Validität sowie die Änderungssensitivität wurden anhand von zwei klinischen (Borderline-Persönlichkeitsstörung und Achse I-Störungen; n = 150) und einer nicht-klinischen Stichprobe (n = 70) untersucht. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen eine hohe Reliabilität, eine hohe konvergente Validität und eine zufriedenstellende divergente Validität. Die differenzielle Validität ist als gut und die Änderungssensitivität als zufriedenstellend zu bewerten. Schlussfolgerungen: Das KIB ermöglicht eine reliable und valide Erfassung störungstypischer Regeln und Einstellungen bei BPS. Seine Besonderheit liegt in der Berücksichtigung subjektiver Funktionen selbstschädigender Verhaltensweisen.

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Inhaltliche Validierung der deutschen Übersetzung des Schema Mode Inventory – revised (SMI-r) und Korrelation der Modus-Skalen des SMI-r mit etablierten psychologischen und psychopathologischen Konstrukten

Das Moduskonzept als integraler Bestandteil der Schematherapie hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert und wird immer häufiger angewendet bei Patienten mit schweren, chronischen Achse-I und Persönlichkeitsstörungen. Zur Erhebung der vorhandenen Schemamodi wurde das SMI-r entwickelt, welches gute psychometrische Eigenschaften aufweist (Lobbestael et al., submitted for public). Ziel dieser Arbeit war es, die deutsche Version des SMI-r inhaltlich zu validieren und die Konstruktvalidität des Modusmodells zu überprüfen, indem die Modi untereinander und mit Skalen anderer etablierter psychologischer Konstrukte korreliert wurden. Die zu erwartenden hohen Interrelationen zwischen verwandten Modi wurden bestätigt. Auch die Zusammenhänge zwischen Modi und ihnen ähnlichen psychologischen Konstrukten konnten nachgewiesen werden, so dass die Konstruktvalidität des Modusmodells insgesamt unterstrichen werden konnte. Limitierungen bestanden vor allem hinsichtlich der Spezifität des Modusmodells, da insgesamt eine erhebliche Anzahl hochsignifikanter Korrelationswerte erhoben wurde. Als Erklärung für die generell hohen Korrelationswerte könnten zugrunde liegende, in dieser Studie nicht weiter untersuchte, Variablen wie z.B. das Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus in Betracht kommen. Deutlich niedrigere Korrelationen mit Schemamodi wiesen diejenigen Skalen auf, die weniger oder nicht pathologische Konstrukte untersuchten. Die Überkompensationsmodi Schikane und Angriff und narzisstischer Selbstüberhöher korrelierten im Gegensatz zu den anderen Modi eher spezifisch mit ähnlichen Konstrukten, wie z.B. Narzissmus oder den dominanten/ kalten IIP-Skalen, und zeigten nur geringe Korrelationen mit emotionalen Problemen, Psychopathologie und geringem Selbstwert. Eine weitere Limitierung besteht durch die ausschließliche Auswertung von Selbstbeurteilungsverfahren mit den immanenten Problemen der Fehleinschätzung oder bewussten Täuschung und den damit einhergehenden mangelnden Objektivierungsmöglichkeiten durch den behandelnden Therapeuten. In zukünftigen Studien könnten noch andere Verfahren, wie z.B. observer ratings miteinbezogen werden.

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Selbst-Stigma bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie

Hintergrund: Bisher ist wenig darüber bekannt, wie Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie auf das Stigma ihrer psychischen Erkrankung reagieren. Öffentliche Stigmatisierung kann zu Selbst-Stigmatisierung führen und somit Selbstwertgefühl und Lebensqualität beeinflussen. Nach dem Selbst-Stigma-Modell von Corrigan und Watson (2002) müssen der betroffenen Person die Vorurteile der Öffentlichkeit bekannt sein, darüber hinaus muss sie diesen zustimmen und sie gegen sich wenden. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung von Selbst-Stigma und seiner Zusammenhänge mit Selbstwert, Lebensqualität, Selbstwirksamkeitserwartung, Empowerment und Experiential Avoidance sowie mit Schamneigung und Psychopathologie. Des Weiteren sollen, unabhängig von Depressivität und Schamneigung, der Einfluss von Selbst-Stigma auf Selbstwert untersucht werden sowie Unterschiede in der Ausprägung der Selbststigmatisierung bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie.

Methodik: Anhand von Selbstbeurteilungsskalen wurden bei 60 stationär behandelten Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und 30 ambulant betreuten Patientinnen mit Sozialer Phobie Selbst-Stigma und verwandte Konstrukte gemessen. Zusätzlich wurden Depressivität, Lebensqualität, Schamneigung sowie Allgemeine Psychopathologie erfasst.

Ergebnisse: Selbst-Stigma zeigte eine negative Korrelation mit Selbstwert, Selbstwirksamkeitserwartung und Lebensqualität und prädizierte, nach Kontrolle für Schamneigung und Depressivität, niedrigen Selbstwert. Stereotypenwahrnehmung korrelierte nicht signifikant negativ mit Selbstwert und Lebensqualität. Während keine Unterschiede in der Stereotypenwahrnehmung bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie gemessen wurden, war Selbst-Stigma bei Frauen mit Borderline Persönlichkeitsstörung ausgeprägter als bei Frauen mit Sozialer Phobie.

Diskussion: Selbst-Stigma ist assoziiert mit niedrigem Selbstwert und anderen Merkmaleneines schlechten psychischen Allgemeinzustandes. Im Vergleich zu Frauen mit SozialerPhobie sind Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung stärker von Selbst-Stigma betroffen. Dies könnte auf den Umstand zurückgeführt werden, dass Frauen mit Borderline- Persönlichkeitsstörung aufgrund häufiger stationärer Aufenthalte, sichtbarer Narben sowie zwischenmenschlicher Schwierigkeiten einem starken Etikettierungsprozess als psychisch Kranke ausgesetzt sind.

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DTI-Fibre-Tracking bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

Strukturelle und funktionelle Veränderungen frontolimbischer Hirnregionen werden sowohl mit der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS), als auch mit der Aufmerksamkeits-Defizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Verbindung gebracht. Neuere Studien untersuchten die funktionelle Konnektivität dieser für die Emotionsregulation und Impulskontrolle bedeutsamen Hirnregionen. Da funktionelle Konnektivität auf struktureller Konnektivität basiert, gehen wir davon aus, dass sich Pathologien nicht ausschließlich auf Kernregionen grauer Substanz beschränken, sondern auch die weiße Substanz betreffen. Deshalb untersuchten wir bei 19 Patientinnen mit BPS und ADHS Komorbidität und bei einer Kontrollgruppe von 20 gesunden Frauen mittels einer Diffusion Tensor Imaging (DTI) Studie die strukturelle Konnektivität zwischen verschiedenen limbischen (Amygdala, Hippokampus) und kortikalen (anteriores Cingulum, dorsolateraler präfrontaler Kortex, medialer und lateraler Orbitofrontalkortex) Hirnregionen. Zahlreiche DTI-Algorithmen ermöglichen es, Faserverbindungen in vivo darzustellen. Allerdings erfordern diese Algorithmen a priori Kenntnisse über den makroskopischen Verlauf der darzustellenden Faserverbindungen. Durch den im Rahmen dieser Arbeit beschriebenen probabilistischen Fibre Tracking Algorithmus (Kreher et al., 2008) lässt sich der makroskopische Verlauf von Faserverbindungen zwischen zwei Hirnregionen rekonstruieren, ohne dass man im Voraus Kenntnisse über deren exakten Verlauf benötigt. Durch probabilistisches Fibre Tracking kann die strukturelle Konnektivität zwischen diesen Hirnregionen quantifiziert werden. Wir identifizierten zwei verschiedene Faserbündel, die über den Fasciculus uncinatus sowie über den inferior thalamic peduncle laufen und Amygdala und Hippokampus mit dem ACC und dem OFC verbinden. Faserbündel, die Amygdala und Hippokampus mit dem dlPFC verbinden verlaufen in der Capsula interna und externa. Nach räumlicher Normalisierung der Fibre Tracks eines jeden Probanden in den MNI-space rechneten wir Gruppenvergleiche zwischen Patientinnen und Kontrollen. Wir fanden im Truncus des Corpus Callosum einen Cluster mit signifkant verminderter Verbindungswahrscheinlichkeit der Patientinnengruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, Bestandteil einer Verbindung zu sein, die beide anteriore Cinguli miteinander verbindet. Eine verminderte strukturelle Konnektivität im Bereich der anterioren Cinguli könnte ein neurobiologisches Korrelat einer gestörten Affektregulation bei Patientinnen mit BPS und ADHS sein.

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Strukturelle Konnektivität bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung: eine diffusionsgewichtete MRI-Studie

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde eine strukturelle Untersuchung an Patientinnen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Komorbidität durchgeführt und die Integrität der weißen Substanz im Bereich des orbitofrontalen Kortex und der Neuronenfortsätze, die durch das Striatum und den präfrontalen Kortex ziehen und damit ein Maß für die Konnektivität dieser Strukturen sind, mit der Integrität dieser Strukturen bei einer klinisch unauffälligen Kontrollgruppe verglichen. Durch die Festlegung der ADHS-Komorbidität als Einschlusskriterium erhöht sich die Homogenität der untersuchten Stichprobe wesentlich, da nicht mehr Frauen mit und ohne komorbide ADHS vermischt werden, wie dies in bisherigen Studien die Regel war. Außerdem sind Frauen mit BPS und ADHS eine repräsentative Untergruppe innerhalb des BPS-Syndroms, da ADHS eine häufige komorbide Störung ist und BPS und ADHS Kernsymptome gemeinsam haben wie Impulsivität und emotionale Instabilität. Ferner wurden bei BPS oft stark ausgeprägte emotionale Eigenschaften wie Depressivität, Aggressivität, Affektregulation und allgemeine Psychopathologie erfasst und mit der Integrität dieser Strukturen in Zusammenhang gebracht. Ziel dieser Arbeit ist es, weitere Erkenntnisse über die in der aktuellen Forschung diskutierten neuroanatomischen Korrelate der Emotionsregulationsstörung zu gewinnen.

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Scham und implizites Selbstkonzept bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

HINTERGRUND: Scham wird als eine der zentralen Emotionen in der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) angesehen, und steht nach klinischer Erfahrung in Beziehung zu Selbstverletzungen, chronischer Suizidalität und Feindseligkeit. Da Scham außerdem zu Schwierigkeiten in der Psychotherapie führen kann, ihr Ausmaß und Einfluss in der BPS aber bisher nicht quantitativ untersucht worden sind, beschäftigt sich diese Studie mit Schamneigung, momentaner Scham, Schuld und Angst, jeweils erfasst mit Selbstbeurteilungskalen, und mit scham-bezogenem impliziten Selbstkonzept (relativ zu Angst) bei Frauen mit BPS. Zusätzlich untersuchten wir den Zusammenhang zwischen Scham und Selbstbewusstsein, Lebensqualität und Ärger/Feindseligkeit.

METHODE: 60 Frauen mit BPS, die sich zum Zeitpunkt der Untersuchung einer stationären Dialektisch Behavioralen Therapie (DBT) unterzogen, füllten Selbstbeurteilungsbögen aus, die Scham- und Schuldneigung, momentane Scham, Ängstlichkeit, Depression, Selbstwertgefühl, Lebensqualität und klinische Symptomatik untersuchten. Als Kontrollgruppen dienten 30 Frauen mit sozialer Phobie und 60 gesunde Frauen. Scham-bezogenes implizites Selbstkonzept (relativ zu Angst) wurde durch den Implicit Association Test (IAT) gemessen.

ERGEBNISSE: Frauen mit BPS zeigten signifikant höhere Werte für Scham- und Schuldneigung, momentane Scham und Ängstlichkeit als Frauen mit sozialer Phobie und gesunde Frauen. Das implizite Selbstkonzept der Patientinnen mit BPS war stärker mit Scham assoziiert (relativ zu Angst) als das der Kontrollgruppen. Es zeigte sich eine negative Korrelation zwischen Schamneigung und Lebensqualität sowie Selbstwert, und eine positive Korrelation zwischen Schamneigung und Feindseligkeit.

DISKUSSION: Scham ist bei der BPS stark ausgeprägt. Daher sollte Scham in Psychotherapien stärker berücksichtigt werden, insbesondere da Scham auch mit niedrigerer Lebensqualität, niedrigerem Selbstwert und höherer Feindseligkeit assoziiert ist.

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Neurotransmitterkonzentrationen im anterioren Cingulum und Cerebellum von Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung: eine MR-Spektroskopiestudie

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich für die BPS veränderte Transmitterkonzentrationen im ACC sowie im Cerebellum nachweisen lassen. Dies wurde an einer Stichprobe von BPS-Patientinnen mit einer komorbiden ADHS untersucht. Einerseits wurden MRS-Messungen durchgeführt, die Konzentrationen der Metaboliten Glutamat, Glutamin, NAA, Kreatin und Myoinositol bestimmt und mit denen einer Gruppe gesunder Kontrollprobandinnen verglichen. Andererseits wurden Korrelationen zwischen Transmitterkonzentrationen und Aufmerksamkeits-leistungen (neuropsychologische Testung) sowie Psychopathologieparametern (Fragebögen) ermittelt.

Für den ACC ließen sich die Spektren von 14 Patientinnen und 18 Kontrollprobandinnen verwerten. Von 13 Patientinnen und 16 Kontrollprobandinnen konnten auch die cerebellaren Spektren verwendet werden. Im direkten Gruppenvergleich ergaben sich im ACC der Patientinnen signifikant erhöhte NAA- und Glutamatkonzentrationen. Ein Trend zu einer erniedrigten Glutaminkonzentration zeichnete sich ab. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass eine Veränderung des Glutamat- / Glutaminstoffwechsels im ACC für die BPS eine Rolle spielen könnte. Keine der im Cerebellum bestimmten Konzentrationen unterschied sich in den beiden Gruppen.

Vor allem für den ACC konnten Zusammenhänge zwischen Transmitterkonzentrationen und Aufmerksamkeitsleistungen – insbesondere für das Orientierungsnetzwerk – festgestellt werden. Zentrale Symptomkomplexe der BPS wie Dysphorie und Autoaggression, aber auch ADHS-Symptome, wiesen ebenfalls Zusammenhänge mit Metabolitenkonzentrationen des ACC auf. Die vorliegende Arbeit liefert damit bestätigende Hinweise auf die Wichtigkeit dieses Hirnareals für Emotionsregulation und Aufmerksamkeitsprozesse sowie deren Störungen. Für das Cerebellum zeigt sich ein Zusammenhang der Transmitterkonzentrationen mit dissoziativen Symptomen, ebenfalls typisch für die BPS. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit geben damit Anlass, die beiden betrachteten Strukturen bei BPS-PatientInnen in nachfolgenden Studien weiter zu untersuchen.

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Pharmakologische und psychotherapeutische Behandlung der Borderline-Störung

Trotz erheblicher Fortschritte in jüngster Zeit ist die wissenschaftliche Basis für die evidenzbasierte Behandlung der Borderline-Störung immer noch sehr schmal. Obgleich im klinischen Alltag häufig Kombinationen von Psychotherapie und psychopharmakologischer Behandlung zur Anwendung kommen, liegen zu dieser Verfahrensweise gerade zwei publizierte Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen vor. Auf Seiten der Psychotherapie gilt derzeit die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan als am besten evaluiertes Verfahren. Auch die Studienlage zur Pharmakotherapie bessert sich. Wirksamkeitsnachweise wurden u. a. für Serotonin-ReuptakeHemmer, atypische Neuroleptika und Stimmungs-Stabilisatoren erbracht. Allerdings liegen ausschließlich Daten zum monotherapeutischen Einsatz vor, was nicht die klinische Praxis widerspiegelt. Da sich der Einsatz der Psychopharmaka zumeist an der jeweils individuellen Symptomausprägung orientiert, kommen sehr häufig Kombinationen von verschiedenen Substanzklassen zum Einsatz, deren Wirksamkeit bislang nicht untersucht wurde.

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Prädiktion des Erfolges der Dialektisch-Behavioralen Therapie bei Frauen mit Borderlinepersönlichkeitsstörung unter besonderer Berücksichtigung von Scham und Selbst-Stigmatisierung

Hintergrund: Da Scham und Selbst-Stigmatisierung zu Schwierigkeiten in der Psychotherapie führen können, untersuchten wir, ob sich der Erfolg der Dialektisch-Behavioralen Therapie durch ein geringes Ausmaß an Schamneigung und Selbst-Stigmatisierung prädizieren läßt. Therapieabbruch stellt ein großes Problem in der Behandlung von Borderline-Patientinnen dar. Deshalb wurde untersucht, in welchen Merkmalen sich Abbrecher von Nicht-Abbrechern unterscheiden und durch welche dieser Merkmale sich ein Therapieabbruch vorhersagen läßt.

Methoden: 60 Frauen mit Borderline-Persönlichhkeitsstörung, die die 12-wöchige stationäre Dialektisch Behaviorale Therapie begannen, nahmen an der Studie teil. Die Testung bestand in einem Implicit Association Test des scham-bezogenen impliziten Selbstkonzeptes (relativ zu Angst) und dem Ausfüllen von Selbstbeurteilungsskalen zu Schamneigung, momentaner Scham, Stigma und verwandten Konstrukten, und Psychopathologie. 19 Patientinnen brachen die Therapie vorzeitig ab. 25 Patientinnen wurden gegen Ende der Therapie nochmals getestet.

Ergebnisse: Krankheitsakzeptanz und Lebensqualität verbesserten sich am stärksten während der Therapie. Schamneigung und Selbst-Stigmatisierung und verwandte Konstrukte verbesserten sich ebenfalls signifikant. In der Verbesserung der Psychopathologie ließ sich nur ein Trend erkennen. Die Prädiktion des Therapieerfolges in Form einer Verbesserung in den Selbstbeurteilungsskalen war nicht möglich. Abbrecher unterschieden sich von Nicht-Abbrechern am stärksten durch eine geringere Anzahl an Suizidversuchen in der Vorgeschichte, weniger Krankheitsakzeptanz und mehr Ängstlichkeit. Als Prädiktoren für den Therapieabbruch erwiesen sich wenig Suizidversuche in der Vorgeschichte und wenig Krankheitsakzeptanz.

Diskussion: Die Therapie hilft Patientinnen nicht nur, Lebensqualität, Selbstwert und Krankheitsakzeptanz zu erhöhen, sondern hilft auch, Schamneigung und Selbst-Stigmatisierung zu reduzieren. Die Annahme, daß sich Therapieerfolg durch wenig Schamneigung und Selbst-Stigmatisierung prädizieren läßt, konnte nicht bestätigt werden, wobei sich hierbei vor allem der Regression-zur-Mitte-Effekt als Problem erwies. Wenige Suizidversuche in der Vorgeschichte waren der stärkste Prädiktor für einen Therapieabbruch. Dies bestätigt die Ergebnisse von Gunderson et al. (1989), die betonen, wie wichtig es ist, für die Patientin eine Behandlung zu finden, die der Schwere der Erkrankung angemessen ist (ambulant / Tagesklinik / stationär). Die Prädiktion des Therapieabbruches durch wenig Krankheitsakzeptanz zeigt, wie wichtig das Erarbeiten von Krankheitsakzeptanz zu Beginn der Therapie ist, um die Zahl der Therapieabbrüche zu verringern.

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