Exekutive Funktionen

Schnelle Augenbewegungen und visuelle Fixation bei Kindern mit ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zu den bedeutendsten psychiatrischen Störungen des Kindes- und Jugendalters. Aufgezeigt wird, wie moderne Blickbewegungssysteme helfen, die neurokognitiven Grundlagen der ADHS weitergehend zu erforschen. Exemplarisch wird eine Studie vorgestellt, die kompensatorische Effekte einer Stimulanzien-Medikation auf Fähigkeiten der exekutiven Kontrolle von Kindern mit ADHS untersucht. Dazu wurden 11 medikamentös behandelte Kinder mit ADHS im Alter zwischen 7 und 11 Jahren und 21 gesunde Kontrollkinder in einer Zeitreproduktions- und einer Augenbewegungsaufgabe getestet, die entweder eine aktive Inhibition oder eine Ausführung von Prosakkaden erforderte. Beide Gruppen zeigten vergleichbar präzise und interferenzstabile Zeitreproduktionen sowie eine vergleichbare Anzahl, Latenz, Amplitude und Dauer von Prosakkaden. Die Ergebnisse lassen eine weitgehende pharmakologische Kompensation von Auffälligkeiten der exekutiven Kontrolle vermuten. Jedoch konnte für Kinder mit ADHS unter Medikamenteneinfluss (im Vergleich zu gesunden Kindern) eine signifikant erhöhte Spitzengeschwindigkeit von Prosakkaden beobachtet werden, die einen diagnostisch relevanten Augenbewegungs-Parameter darstellen könnte.

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Kognitive Kontrolle und Selbstregulation bei Kindern mit ADHS

Kinder mit ADHS sind unaufmerksam, impulsiv und hyperaktiv, was zu Lern- und Leistungsstörungen sowie zu Schwierigkeiten im Umgang mit Eltern, Lehrern und Gleichaltrigen führt. Aktuell wird ADHS im Zusammenhang mit Selbstregulationsdefiziten diskutiert. Demzufolge gehen die Probleme der von ADHS Betroffenen auf mangelnde Selbstregulationsfähigkeiten sowie defizitäre exekutive Funktionen und dabei vor allem auf mangelnde kognitive Kontrolle zurück. Folglich erscheinen Interventionen, die auf die Förderung der Selbstregulation abzielen (z. B. Wenn-Dann-Pläne) als vielversprechend für die Besserung einer ADHS-Symptomatik.

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Fehlerbezogene Hirnpotenziale bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ist eine der am häufigsten diagnostizierten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen, die durch altersunangemessene Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität gekennzeichnet ist.In dieser Studie wurde untersucht, ob bei Kindern mit ADHS verminderte fehlerbezogene Gehirnaktivität insbesondere bei der Verarbeitung bewegter im Vergleich zu statischen visuellen Reizen vorliegt. Die Kinder mussten unter EEG-Ableitung kognitive Aufgaben (Flanker- und Motion-Tasks) bearbeiten. Mit Hilfe ereigniskorrelierter Potenziale (EKP) wurden die fehlerbezogenen Parameter Ne und Pe, sowie die Verhaltensdaten (Fehleranzahl, Reaktionszeit, intraindividuelle Reaktionszeit-Variabilität) untersucht. An der Studie nahmen 16 Jungen mit der ICD-10-Diagnose F 90.0 und 26 gesunde Kontroll-Probanden im Alter von 8 bis 15 Jahren teil. Probanden mit ADHS zeigten erhöhte psychopathologische Auffälligkeiten sowie längere Reaktionszeiten und eine höhere Reaktionszeit-Variabilität. Gruppenunterschiede bei der Verarbeitung von bewegten Reizen (Motion Task) im Vergleich mit statischen Reizen (Flanker Task) bestanden nicht. Die Amplituden der fehlerbezogenen EKPs Ne und Pe waren in der ADHS-Gruppe erniedrigt.Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit ADHS vermutlich Beeinträchtigungen bei kognitiven Kontrollprozessen und den exekutiven Denkfunktionen haben. Darüber hinaus legen weitere Studien nahe, dass diese Parameter Kennzeichen für ADHS-spezifische Endophänotypen darstellen könnten. Weitere Untersuchungen zur Aufklärung der zugrundeliegenden Genetik und Pathophysiologie müssen noch folgen.

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Implementierungsintentionen erleichtern die Reaktionsinhibition bei Kindern mit ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit Problemen der Handlungskontrolle verbunden, etwa dem Versagen, unangemessene Reaktionen zu hemmen. Zwei Studien untersuchten, ob Selbstregulation durch Implementierungsintentionen (Wenn-dann-Pläne; Gollwitzer, P. M. [1999]. Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493–503) die Reaktionsinhibition bei Kindern mit ADHS verbessert. In Studie 1 verbesserten Kinder mit ADHS, die ein Unterdrückungsziel durch Implementierungsintentionen ergänzten, die Hemmung einer unerwünschten Reaktion in einer Go/No-Go-Aufgabe bis auf das gleiche Niveau wie Kinder ohne ADHS. Studie 2 zeigte, dass die Kombination von Implementierungsintentionen und Psychostimulanzienmedikation bei Kindern mit ADHS zur höchsten Unterdrückungsleistung führte. Theoretische und praktische Implikationen dieser Ergebnisse werden diskutiert.

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Hemmung automatischer Reaktionen durch Vorsätze bei ADHS-Kindern

In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Vorsätze („wenn-dann“-Pläne) ein wirksames Instrument zur Selbstregulation und Handlungskontrolle sind und dass sie dadurch die Zielerreichung erleichtern (Gollwitzer, 1999). Dies konnte sowohl in Studien mit gesunden Versuchsteilnehmern (z.B. Studenten) als auch in klinischen Stichproben (z.B. Frontalhirn- und Schizophreniepatienten) belegt werden. Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigen Beeinträchtigungen in der Handlungskontrolle und Defizite im Bereich der exekutiven Funktionen. Ziel der vorliegenden Studie war es zu überprüfen, ob Vorsätze Kindern mit ADHS helfen können, ihre Leistung in einer Aufgabe zur Verhaltenshemmung zu verbessern. Die Verhaltensinhibition stellt einen Teilbereich der exekutiven Funktionen dar und kann mit der Stroop-Task (Stroop, 1935) gemessen werden. An der Studie nahmen insgesamt 63 Kinder im Alter vor 7 bis 10 Jahren teil. 31 Kinder hatten eine ADHS-Diagnose, bei den anderen 32 Kindern handelte es sich um Kinder der Kontrollgruppe. Die Kinder wurden nach einem Randomisierungsplan einer von drei Versuchsbedingungen zugeordnet: einer Zielintentionsbedingung, einer Aufgabenfortführenden oder einer Versuchungshemmenden Vorsatzbedingung. Damit die häufig komorbid auftretenden Lese-Rechtschreibschwächen bei Kindern mit ADHS nicht mit den reinen Leistungen konfundierten, wurde in diesem Experiment nicht die klassische Stroop-Aufgabe, sondern eine Abwandlung dieser, die Number-Stroop Task (Flowers, Warner & Polansky, 1979) verwendet. Alle Kinder bearbeiten die Number-Stroop Task am Computer. Zusätzlich wurde eine Extrastimulation in Form eines neongrünen Bildschirms dargeboten. Die Reaktionszeiten und die Fehleranzahl wurden als abhängige Variablen erfasst. In der aktuellen Untersuchung konnten keine Leistungsunterschiede zwischen den Kindern der ADHS- und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Weiterhin schienen die Kinder beider Versuchsgruppen am ehesten vom Versuchungshemmenden Vorsatz zu profitieren. Die Leistung der Kinder war nicht abhängig vom Alter. Außerdem zeigte sich, dass die Kinder beider Versuchsgruppen nicht von der Farbstimulation an sich, sondern eher vom Farbwechsel innerhalb eines Aufgabenblocks profitierten. Eine mögliche Erklärung für die berichteten Ergebnisse könnte sein, dass die Aufgabe für die Kinder mit ADHS keine Schwierigkeit darstellte und die zusätzliche Vorsatzformulierung deshalb zu keiner eindeutigen Leistungssteigerung geführt hat.

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Der Zusammenhang zwischen motorischer Koordination, exekutiven Funktionen und Aufmerksamkeit bei Kindern im Schulalter

Angesichts der hohen Komorbidität von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Entwicklungsstörung der motorischen Koordination (DCD) könnten Defizite exekutiver Funktionen (EF), die bei Kindern mit ADHS nachgewiesen wurden, auch an den motorischen Koordinationsdefiziten von Kindern mit DCD beteiligt sein. Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen EF und motorischen Fähigkeiten zu untersuchen. Für das Projekt wurde eine Stichprobe von 238 Kindern, 121 Mädchen und 117 Jungen, im Alter zwischen 6 und 15 Jahren rekrutiert. Die motorischen Fähigkeiten wurden mit dem McCarron Assessment of Neuromuscular Development (MAND), das Ausmaß der Unaufmerksamkeit mit der Child Behavior Checklist (CBCL) erfasst; der verbale IQ (VIQ) wurde anhand von Untertests des WISC-III geschätzt. Eine Reaktionszeitaufgabe und drei EF-Aufgaben zur Messung von Reaktionshemmung, Arbeitsgedächtnis sowie der Fähigkeit, zielgerichtete Aufgaben zu planen und auf sie zu reagieren, wurden durchgeführt. Es zeigte sich, dass motorische Fähigkeiten einen signifikanten Varianzanteil bei Aufgaben zur Messung der Ausführungsgeschwindigkeit erklärten, während Unaufmerksamkeit offenbar die Variabilität der Leistung beeinflusste. Trotz früherer Befunde, die schlechte motorische Fähigkeiten mit Unaufmerksamkeit in Verbindung bringen, gab es nur geringe Überschneidungen zwischen den Prozessen, die bei Kindern mit motorischen Koordinations- beziehungsweise Aufmerksamkeitsproblemen beeinträchtigt sind.

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