Fahrtauglichkeit

Fahrtauglichkeit bei affektiven Störungen und unter Psychopharmaka

Die Datenlage bezüglich Fahrtauglichkeit und Unfallrisiken depressiver Patienten ist insgesamt dünn und von einer Reihe methodischer Probleme gekennzeichnet. Bei akuten, schweren Depressionen ist ebenso wie in manischen Phasen keine Fahrtauglichkeit gegeben, unter regelmäßigen Facharztkontrollen kann nach Remission für Gruppe 1 (Pkw) und Gruppe 2 (Lkw) von Fahreignung ausgegangen werden. Studien zur Frage der Auswirkungen von Psychopharmaka auf psychomotorische und kognitive Leistungen klinischer Populationen existieren nur vereinzelt, bezogen auf die Frage der Fahrtüchtigkeit liegen bislang erste Ergebnisse von naturalistischen Patienten-Samples vor. Nach negativen Akuteffekten zeigen erfolgreich mit Antidepressiva behandelte Patienten in Fahrtauglichkeitstests günstigere Ergebnisse als unbehandelte Depressive. Etwa 17 % der remittierten bipolaren Patienten sind als nicht fahrtüchtig einzuschätzen und etwa 27 % der mit Antipsychotika behandelten schizophrenen Patienten zum Zeitpunkt der Entlassung aus stationärer Behandlung. Unter neueren selektiven Antidepressiva und atypischen Antipsychotika weisen Patienten zumeist bessere Ergebnisse als z. B. unter trizyklischen Antidepressiva auf. Benzodiazepin erhöhen vor allem in Abhängigkeit von Dosierung und Halbwertszeit das Verkehrsunfallrisiko deutlich, ebenso frei verkäufliche Antihistaminika der 1. Generation. Methylphenidat zeigt bei jungen ADHS-Patienten einen eindeutigen günstigen Effekt auf die Fahrtauglichkeit. Die große interindividuelle Variabilität weist auf die Notwendigkeit einer individuellen Bewertung der Fahrtauglichkeit unter Berücksichtigung der psychopathologischen Leitsymptomatik, Krankheitsverlauf, Persönlichkeitsfaktoren, Attitüden sowie möglicher Kompensationsfaktoren hin.

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Fahrtauglichkeit bei Abhängigkeitserkrankungen und Schizophrenie

Alkohol- und Drogenkonsum spielen für die Fahrtauglichkeit eine große Rolle. Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden unter Alkoholeinfluss in Deutschland hat sich in den letzten 10 Jahren um 42 % verringert (2011: 15.898, davon 400 tödlich, „andere berauschende Mittel“: ca. 1400). Road-Surveys belegen, dass neben Alkohol vor allem Psychostimulanzien als Unfallrisiko relevant sind. Opioide sind dagegen nur mit einem mittelgradig erhöhten Risiko verbunden.

In der medizinisch-psychologischen Gutachtenspraxis sind alkoholbezogene Fragestellungen mit 51 % am häufigsten (Drogen und Medikamente: 21 %). Grundzüge der Begutachtung werden dargestellt. Der Anteil aller positiv begutachteten Personen lag zuletzt bei 55 %. Bei der Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger sind, beim Fehlen anderer gesundheitlicher Einschränkungen, die meisten Patienten in fahrtauglichkeitsrelevanten kognitiven Funktionen kaum beeinträchtigt.

Deutlich schlechter ist die Datenbasis für Schizophrenien. Die Literatur schließt eine Fahrtauglichkeit bei akut erkrankten Patienten aus. Zu fordern ist bei Ersterkrankungen eine zumindest einjährige Symptomfreiheit, bei wiederholten Schüben sind längere (3–5 Jahre) Intervalle bis zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis üblich.

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Teilnahme am Straßenverkehr und Psychopathologie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Der Erwerb einer Fahrerlaubnis, die Teilnahme am Straßenverkehr als Mofafahrer, Motorradfahrer und insbesondere das Autofahren stellen in der Autonomieentwicklung vieler Jugendlicher und junger Erwachsener wichtige Schritte dar. Der Beitrag gibt eine Übersicht über Alters- und Entwicklungsgrenzen beim Erwerb von Fahrerlaubnissen, psychopathologische Einschränkungen der Fahrtauglichkeit und ihre Beurteilung. Dabei wird insbesondere auf jugendtypische, externalisierende Verhaltensstörungen, welche in der psychiatrischen Fahrtauglichkeitsliteratur eher wenig berücksichtigt werden, eingegangen. Abschließend wird eine Übersicht über die Folge von Medikamenteneinnahmen auf die Fahrtauglichkeit sowie die Gefahren kombinierter Medikamenten- oder Alkohol- bzw. Suchtmitteleinnahme hingewiesen. In der Behandlung und Psychoedukation von jugendlichen Patienten und jungen Erwachsenen stellt die Teilnahme am Straßenverkehr, der Erwerb des Führerscheins etc. ein wichtiges Thema dar, welches behandelnde Ärzte unbedingt proaktiv aufgreifen sollten.

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