Komorbidität

Schlafprobleme und Alltagsfunktion bei Kindern mit ADHS: Untersuchung der Rolle von Beeinträchtigung, ADHS-Erscheinungsformen und psychiatrischer Komorbidität

Ziel: Es liegen nur wenige systematische Informationen darüber vor, wie Schlafprobleme die Funktionsfähigkeit am Tag bei Kindern mit ADHS beeinflussen; die Rolle verschiedener ADHS-Erscheinungsformen und von Komorbiditäten ist unklar.

Methode: Insgesamt wurden 397 Kinder mit dem Children’s Sleep Habits Questionnaire, der Weiss Functional Impairment Rating Scale und der ADHD Rating Scale untersucht.

Ergebnisse: Sowohl bei Kindern mit ADHS als auch bei typisch entwickelten Kindern fanden wir eine moderate positive Korrelation zwischen Schlafproblemen und beeinträchtigter Funktionsfähigkeit. Die ADHS-Erscheinungsformen unterschieden sich hinsichtlich des Profils der Schlafprobleme nicht signifikant; eine komorbide internalisierende oder autistische Störung war jedoch mit höheren Schlafproblemwerten verbunden.

Schlussfolgerung: Schlafprobleme und Beeinträchtigungen der Alltagsfunktion waren bei Kindern mit ADHS häufiger, der grundsätzliche Zusammenhang zwischen Schlafproblemen und eingeschränkter Alltagsfunktion war jedoch bei klinischen und nichtklinischen Kindern ähnlich. Komorbide internalisierende oder autistische Störungen trugen zusätzlich signifikant zu den Schlafproblemen bei.

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Möglicher Beitrag dopaminerger Genvarianten zu ADHS-Kernmerkmalen und Komorbidität: Eine Studie an Probanden aus Ostindien

Die Assoziation dopaminerger Gene, insbesondere von Rezeptoren und Transportern, mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wurde weltweit untersucht, da Dopamin (DA) für verschiedene physiologische Funktionen wie Aufmerksamkeit, Kognition und motorische Aktivität bedeutsam ist. Dennoch ist die Ätiologie der ADHS bis heute ungeklärt. Wir untersuchten den Zusammenhang funktioneller Varianten des DA-Rezeptors 2 (rs1799732 und rs6278), des Rezeptors 4 (Exon-3-VNTR und rs914655) und des Transporters (rs28363170 und rs3836790) mit Hyperaktivität, kognitiven Defiziten und komorbiden Störungen bei Probanden aus Ostindien. Für die Rekrutierung von Kernfamilien mit ADHS-Probanden (N = 160) und ethnisch passenden Kontrollen (N = 160) wurden die Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual for Mental Disorders-IV verwendet. Kognitive Defizite und hyperaktive Merkmale wurden mit Conners Eltern-/Lehrerbeurteilungsskala erfasst. Nach schriftlicher Einwilligung wurde peripheres Blut entnommen und zur Isolierung genomischer DNA verwendet. Genetische Polymorphismen wurden mit PCR-basierten Methoden und anschließenden populations- und familienbasierten statistischen Analysen untersucht. Zusammenhänge zwischen Genotypen, kognitiven/hyperaktiven Merkmalen und Komorbiditäten wurden mit der Software Multifactor Dimensionality Reduction (MDR) analysiert. Die Fall-Kontroll-Analyse zeigte statistisch signifikante Unterschiede für rs6278 und rs28363170 (P = 0,004 bzw. 1,332e−007), während die familienbasierte Analyse eine bevorzugte väterliche Übertragung des rs28363170-Allels „9R“ zeigte (P = 0,04). MDR-Analysen ergaben unabhängige Effekte von rs1799732, rs6278, rs914655 und rs3836790 bei ADHS. Zudem wurden signifikante unabhängige Effekte verschiedener Genorte auf kognitive/hyperaktive Merkmale und komorbide Störungen festgestellt. Zusammenfassend legen die Ergebnisse nahe, dass diese Genvarianten kognitive und hyperaktive Merkmale beeinflussen und dadurch die Krankheitsätiologie sowie die damit verbundenen komorbiden Merkmale mitbestimmen können.

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Gegensätzliche Defizite exekutiver Funktionen bei chinesischen delinquenten Jugendlichen mit Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und/oder Lesestörung

Viele Studien berichteten eine hohe Prävalenz von Lesestörungen (RD) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei delinquenten Jugendlichen. Nur sehr wenige haben deren kognitives Profil untersucht. Die vorliegende Studie verglich exekutive Funktionen (EF) und den Schweregrad der Delinquenz bei delinquenten Jugendlichen mit RD und/oder ADHS-Symptomen (AS). Delinquente Jugendliche mit AS (n = 29), RD (n = 24) und komorbiden AS + RD (n = 35) wurden aus Jugendhilfe-/Justizeinrichtungen rekrutiert; hinzu kamen typisch entwickelte Kontrollpersonen (n = 29) aus örtlichen Schulen. Alle absolvierten EF-Untersuchungen und Selbstbeurteilungsfragebögen zur Delinquenz. Die Ergebnisse zeigten, dass die reine AS-Gruppe eine beeinträchtigte Inhibition aufwies, während die reine RD-Gruppe Schwächen bei Verarbeitungsgeschwindigkeit und visuellem Gedächtnis zeigte. Die Komorbiditätsgruppe zeigte spezifische Beeinträchtigungen der Interferenzkontrolle und einen signifikant höheren Schweregrad der Delinquenz. Die vorliegenden Befunde legen nahe, dass die Komorbidität von AS + RD den Schweregrad der Delinquenz beeinflussen kann. Zudem liefern sie ein umfassenderes Bild der spezifischen EF-Defizite der verschiedenen Gruppen und ermöglichen dadurch eine bessere Abstimmung zukünftiger Identifikations- und Interventionsprogramme.

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Depressive und Angststörungen bei Patienten mit Epilepsie und Multipler Sklerose – eine Herausforderung für die nervenärztliche Praxis

Patienten mit Epilepsie und Multipler Sklerose zeigen eine hohe Koexistenz von depressiven und Angststörungen auf. Diese Koexistenz bedeutet ein höheres subjektives Leiden, ein reduziertes Coping, mögliche negative Interferenzen mit somatischen Therapien und Rehabilitationen, eine stärkere Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie höhere Grade an psychosozialer Behinderung. Sie schließt auch ein höheres somatisches Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko im weiteren Verlauf ein. Die komplexen Zusammenhänge sind vorteilhaft innerhalb eines biopsychosozialen Krankheitsmodells zu integrieren. Psychologische und psychosoziale Stressoren sind eigenständig zu betrachten, aber auch in ihrer typischen neurobiologischen Vermittlung zu reflektieren. Gemeinsam geteilte pathogenetische Mechanismen von emotionaler Dysregulation einerseits und neurologischem Krankheitsprozess andererseits müssen betont werden. Vielfältige wechselseitige Interaktionen sind sowohl bei neurologischen Therapien als auch bei psychiatrischen Interventionen zu beachten.

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Einfluss von ADHS-Symptomen auf den Schweregrad der Symptomatik bei Autismus-Spektrum-Störung

Trotz der offiziellen Ausschlusskriterien für Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in DSM-IV und ICD-10 zeigen Patienten mit ASS häufig ADHS-Symptome. Wir wollten den möglichen Einfluss von ADHS-Symptomen auf die autistische Psychopathologie in einer großen Stichprobe von Patienten mit ASS untersuchen. Wir prüften die Hypothese, dass Patienten mit ASS und zusätzlicher ADHS (ASS+) eine stärkere autistische Symptomatik zeigen als Patienten mit ausschließlich ASS (ASS−). Autistische Symptome wurden mit der Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS-G), dem Autism Diagnostic Interview (ADI-R) und der Social Responsiveness Scale (SRS) erfasst. Zur Messung der allgemeinen Psychopathologie und von ADHS-Symptomen verwendeten wir die Child Behavior Checklist (CBCL) bzw. die ADHD Rating Scale (FBB-ADHS). Gruppenunterschiede zwischen der ASS+- und der ASS−-Gruppe – die Gruppeneinteilung erfolgte anhand der FBB-ADHS-Ergebnisse – wurden mittels univariater Varianzanalyse (ANOVA) berechnet. Die ASS+-Gruppe zeigte eine stärkere autistische Symptomatik als die ASS−-Gruppe, gemessen mit SRS und ADI-R. Insbesondere auf der Subskala soziale Interaktion des ADI-R war die Symptomschwere in der ASS+-Gruppe signifikant höher. Hinsichtlich der mit ADOS-G gemessenen autistischen Symptome fanden sich keine signifikanten Gruppenunterschiede. Patienten mit ASS und zusätzlicher ADHS zeigten eine stärkere autistische Symptomatik als Patienten mit ausschließlich ASS. Nach unseren Ergebnissen ist die Möglichkeit einer gemeinsamen Diagnose von ASS und ADHS, wie sie für DSM-5 vorgesehen ist, in Übereinstimmung mit früheren Studien sehr sinnvoll, wird die Forschung vereinfachen und therapeutische Implikationen haben.

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Suchtartige Internetnutzung als komorbide Störung im jugendpsychiatrischen Setting – Prävalenz und psychopathologische Symptombelastung

Einleitung: Die exzessiv suchtartige Internetnutzung bei Kindern und Jugendlichen, welche sich in ähnlichen Symptomen äußern kann wie klassische Abhängigkeitserkrankungen, ist ein Phänomen, dem Wissenschaft und Praxis immer mehr Beachtung schenken. Prävalenzen von 3% unter Kindern und Jugendlichen deuten auf ein häufig vorkommendes Problem hin, das bei Betroffenen zu Funktionseinschränkungen führt und mit hohem Leidensdruck einhergeht. Ungeklärt ist, wie häufig Internetsucht unter Patienten jugendpsychiatrischer Einrichtungen auftritt. Methodik: Zur erstmaligen Bestimmung der Prävalenz von Internetsucht unter psychiatrisch behandelten Jugendlichen wurde ein standardisiertes Screening-Instrument (OSV-S) zur Klassifikation der Internetnutzung an 81 Patienten zwischen 8 und 17 Jahren eingesetzt. Eine weitere klinische Beschreibung erfolgte mittels des Youth Self-Reports und der Child Behavior Checkliste. Ergebnisse: 11.3% der Patienten erfüllten die Kriterien der Internetsucht. Diese Patienten haben ein höheres Durchschnittsalter und wiesen erhöhte Werte in Ängstlichkeit und Depressivität auf. Schlussfolgerungen: Diese Pilotstudie verdeutlicht, dass in jugendpsychiatrischen Einrichtungen komorbide Internetsucht häufig vorkommt. Patienten mit komorbider Internetsucht zeichnen sich durch spezifische Symptombelastungen aus. Eine gezielte störungsspezifische Psychotherapie ist zu diskutieren.

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Neuere Entwicklungen zur Diagnostik psychischer Störungen im Jugendalter

Die vorliegende Arbeit stellt die gängigsten klinischen Interviewverfahren zur Diagnosestellung bei Jugendlichen sowie geeignete störungsspezifische Messinstrumente im deutschen Sprachraum vor. Zudem werden Besonderheiten bei der Diagnostik psychischer Störungen bei Jugendlichen erläutert sowie handlungsrelevante Hinweise gegeben. Beurteiler sind mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, die eine valide Diagnosestellung erschweren. Hierbei ist die Abgrenzung von krankheitswertigem vs. jugendtypischem Verhalten, die hohe Komorbidität von psychischen Störungen im Jugendalter sowie die mangelnde Übertragbarkeit der diagnostischen Kriterien auf Jugendliche zu nennen. Zudem sind ein Einbezug verschiedener Informationsquellen und eine sorgfältige Exploration der psychosozialen Umstände des Jugendlichen erforderlich sowie eine kontinuierliche Weiterbildung über sich neu entwickelnde Störungsbilder.

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Risikofaktoren für autistische Symptome bei Kindern mit ADHS

Autistische Symptome werden bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) häufig beobachtet, ihre Ätiologie ist jedoch weiterhin unklar. Hauptziel dieser Studie war es, Risikofaktoren für verstärkte autistische Symptome bei Kindern mit ADHS ohne Diagnose von Autismus oder einer Autismus-Spektrum-Störung zu beschreiben. Bei 205 Kindern mit ADHS wurden komorbide psychiatrische Störungen, Entwicklungsverzögerungen, aktuelle Medikation, pränatale biologische und postnatale psychosoziale Risikofaktoren sowie autistische Merkmale der Eltern erfasst. Lineare Regressionsmodelle identifizierten autistische Merkmale der Mutter, aktuelle familiäre Risikofaktoren und hyperaktive Symptome als Prädiktoren autistischer Symptome bei Kindern mit ADHS. Die Befunde weisen auf mögliche genetische sowie umweltbedingte Risikofaktoren hin, die autistische Symptome bei Kindern mit ADHS vermitteln. Eine zusätzliche Validitätsanalyse mittels ROC und Fläche unter der Kurve (AUC) legte einen Grenzwert von 11 im Social Communication Questionnaire (SCQ) zur Unterscheidung zwischen ADHS und hochfunktionaler ASS nahe.

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Komorbiditäten bei Autismus-Spektrum-Erkrankungen – Stand der Forschung und Aufgaben für die Zukunft

Zahlreiche körperliche und psychopathologische Störungsbilder treten häufig bei Autismus-Spektrum-Erkrankungen auf. Derzeit wird diskutiert, ob zusätzlich auftretende psychopathologische Symptome eine eigene kategoriale komorbide Störung darstellen und als solche diagnostiziert werden dürfen oder ob sie als Teil der autistischen Störung zu verstehen sind. Anhand der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird ausgehend vom aktuellen Forschungsstand und eigener Forschungsergebnisse beispielhaft dargestellt, welcheVoraussetzung für eine komorbide Störung erfüllt sein sollten und welche Bedingungen sich aufgrund neurobiologischer Ergebnisse aus dem Bereich der Molekularbiologie, Neuropsychologie und Bildgebung für Ätiologie, Früherkennung, pharmakologische und psychotherapeutische Behandlung, Verlauf und den kategorialen Klassifikationsansatz ergeben.

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Familienuntersuchung bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS – Unterschiede der DSM-IV Subtypen bezüglich Komorbidität, familiärer Belastung und Krankheitsbeginn

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden Unterschiede zwischen dem vorwiegend unaufmerksamen und dem kombinierten Subtyp nach DSM-IV anhand von Familien, in denen mindestens zwei Kinder von ADHS betroffen sind, untersucht. Die familiäre Betroffenheit, Art und Anzahl der komorbiden Störungen sowie der Diagnosezeitpunkt wurden bezüglich der Unterschiede zwischen den Subtypen analysiert. Weiterhin wurden epidemiologische und soziodemographische Merkmale beschrieben. Methodik: Im Rahmen einer Multicenterstudie wurden 250 Kinder sowie deren Eltern aus 116 Familien untersucht. ADHS und Komorbiditäten wurden anhand des K-SADS-PL und DIKJ erhoben. Bei den Eltern wurde ADHS anhand der Wender-Utah-Rating-Scale (WURS) und der Barkley-Skalen ermittelt. Ergebnisse: Bei 39% der an ADHS erkrankten Kinder und Jugendlichen lag zusätzlich mindestens eine komorbide Störung zum Zeitpunkt der Untersuchung vor. Die Annahme, dass der kombinierte Subtyp mit einer höheren familiären Belastung einhergeht, konnte im Rahmen der Studie nicht bestätigt werden. Verglichen mit den einfachen Subtypen zeigte sich keine stärkere Betroffenheit von Komorbiditäten beim kombinierten Subtyp. Patienten, die vom kombinierten Subtyp betroffen waren, hatten signifikant häufiger komorbide externalisierende Störungen als Patienten, bei denen ein einfacher Subtyp diagnostiziert worden war. Diese Studie bestätigte die Annahme, dass Patienten, bei denen ein unaufmerksamer Subtyp diagnostiziert worden war, signifikant häufiger an komorbiden internalisierenden Störungen litten und sich verglichen mit den anderen Subtypen durch einen späteren Diagnosezeitpunkt auszeichneten.

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