Neuropsychologie

Die neurobiologische Verbindung zwischen Zwangsstörung und ADHS

Die Zwangsstörung (OCD) und die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehören zu den häufigsten neuropsychiatrischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die hohe gegenseitige Komorbidität von ADHS und OCD, insbesondere das häufige Auftreten von ADHS bei pädiatrischer OCD, ist gut beschrieben. OCD und ADHS nehmen häufig einen chronischen Verlauf mit Persistenzraten von mindestens 40–50 %. Familienstudien zeigen eine hohe Heritabilität von ADHS und OCD; einige genetische Befunde weisen bei beiden Störungen auf ähnliche Varianten innerhalb derselben pathogenetischen Mechanismen hin, während andere genetische Befunde möglicherweise zwischen ADHS und OCD unterscheiden. Neuropsychologische und bildgebende Studien legen nahe, dass bei beiden Störungen teilweise ähnliche exekutive Funktionen beeinträchtigt sind. Defizite in den entsprechenden Hirnnetzwerken könnten sowohl für die perseverativen, zwanghaften Symptome bei OCD als auch für die enthemmten und impulsiven Symptome verantwortlich sein, die ADHS kennzeichnen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuelle Literatur zu Neurobildgebung, neurochemischen Schaltkreisen sowie neuropsychologischen und genetischen Befunden und berücksichtigt dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen OCD und ADHS.

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Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bei Bulimia nervosa: Häufigkeit, neuropsychologische Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Im Rahmen einer Bulimia Nervosa sind häufig Symptome zu beobachten, die auch Teil einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein könnten. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden Patientinnen mit bulimischer Essstörung detailliert auf das Vorliegen von Symptomen der ADHS untersucht. Verschiedene Aufmerksamkeitsparameter wurden zwischen Patientinnen und einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Mit neuropsychologischen Tests wurden auch Aufmerk-samkeitskomponenten geprüft, die bei ADHS-Patienten häufig gestört sind und bei der Steuerung des Essverhaltens von Bedeutung sein könnten. Außerdem wurde die Häufigkeit anderer komorbid auftretender psychischer Störungen und Persönlich-keitsstörungen erfasst.

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Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefiziten und Lese-Rechtschreibschwäche

Neben anderen Voraussetzungen sind beim Lese- und Rechtschreiberwerb Aufmerksamkeitsprozesse essentiell. In der vorliegenden Studie wurde modellorientiert erfasst, in welchen Teilkomponenten der Aufmerksamkeit Kinder mit einer Lese- Rechtschreibstörung (LRS) auffällig sind. Dazu wurden 32 Kinder mit einer LRS aus dem dritten und vierten Schuljahr mit 31 Kontrollkindern verglichen. Alle Kinder führten computergestützte Aufmerksamkeitsaufgaben durch, mit denen Intensitätsaspekte, Selektivitätsaspekte, Kontrollfunktionen und räumliche Ausrichtung der Aufmerksamkeit überprüft wurden. Es zeigte sich, dass Defizite im Lesen und Schreiben mit Leistungen im Bereich der Aufmerksamkeit korrelieren. Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnten Defizite für Intensitätsaspekte der Aufmerksamkeit, räumliche Aufmerksamkeitsaspekte und kontrollierende Aufmerksamkeitsfunktionen festgestellt werden. Schlussfolgernd sprechen die Ergebnisse dafür, dass eine LRS mit Defiziten in der Aufmerksamkeit assoziiert ist.

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Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Im Vergleich zur großen Zahl von Studien zu exekutiven Funktionen (EF) bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist über die EF-Leistung von Erwachsenen mit ADHS wenig bekannt. Diese Studie verglich 37 Erwachsene mit ADHS (ADHS(total)) und 32 Kontrollpersonen, die hinsichtlich Alter, Intelligenzquotient (IQ), Geschlecht und Bildungsjahren vergleichbar waren, in zwei EF-Bereichen – Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis. Zusätzlich wurde die ADHS(total)-Gruppe in zwei Untergruppen unterteilt: ADHS-Patienten ohne Komorbidität (ADHS(−), n = 19) und Patienten mit mindestens einer komorbiden Störung (ADHS(+), n = 18). Die Teilnehmenden absolvierten zwei Maße des Set-Shifting (Trail Making Test, TMT, und einen computerisierten Kartensortiertest, CKV) sowie ein Maß des Arbeitsgedächtnisses (Zahlenspannentest, DS). Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte die ADHS(total)-Gruppe Defizite im Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis. Die Gruppenunterschiede entsprachen mittleren bis großen Effektstärken (TMT: d = 0,48; DS: d = 0,51; CKV: d = 0,74). Der Vergleich der Untergruppen ADHS(+) und ADHS(−) ergab für die ADHS(+)-Gruppe eine schlechtere allgemeine Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit. Hinsichtlich Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Untergruppen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Defizite der ADHS(total)-Gruppe eher auf ADHS als auf Komorbidität zurückzuführen sind. Ein Einfluss von Komorbidität lässt sich jedoch nicht vollständig ausschließen, da bei einigen Ergebnismaßen ein Trend zu schlechterer Leistung in der ADHS(+)-Gruppe bestand.

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Neuropsychologische Trends in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – alles eine Frage der Aufmerksamkeit?

Der aktuelle Beschluss zur Anerkennung der ambulanten neuropsychologischen Therapie durch approbierte Richtlinientherapeuten mit zusätzlicher neuropsychologischer Weiterbildung ermöglicht, wie nie zuvor, eine Annäherung der Disziplinen in Ausbildung und Praxis. Im Forschungsbereich liefern neuropsychologische Fragestellungen weiterhin wichtige Erkenntnisse zur Erforschung, Diagnostik und Behandlung vielfältiger Störungsbilder. Diese bibliometrische Analyse betrachtet, exemplarisch an den Jahrgängen 2009 bis 2012 vier deutschsprachiger Zeitschriften, für welche Themen der Neuropsychologie und Kinderpsychiatrie sich Schnittstellen ergeben. Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom stellt dabei in Übereinstimmung mit internationalen Trends eine zentrale gemeinsame Herausforderung dar.

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Neuropsychologische Befunde zur ADHS im Erwachsenenalter

Die ADHS ist eine chronische Erkrankung mit Beginn in der Kindheit, die sich über das Jugendalter bis ins Erwachsenenleben fortsetzen kann. Zur Sicherstellung der Diagnose ist kein Test verfügbar. Die Diagnose einer ADHS ist eine klinische Beurteilung. Zur Kernsymptomatik gehören Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität. Die Symptomatik darf nicht isoliert auftreten, sondern muss in mehreren Lebenssituationen nachweisbar sein und mit Einschränkungen im Lebensalltag einhergehen. Dabei bildet sich in der klinischen Praxis, nicht zuletzt bei den Patienten, das Bedürfnis ab, mittels Testverfahren bzw. kognitiven Leistungstests wahrgenommene Leistungsdefizite zu objektivieren und zu quantifizieren. Es wird ein Überblick über neuropsychologische Modellannahmen zur ADHS sowie über die häufigsten neuropsychologische Testverfahren gegeben und der aktuelle Stand der Forschung hinsichtlich seiner praktischen Relevanz diskutiert.

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Exekutive Funktionen bei jungen Männern mit Klinefelter-Syndrom (XXY) mit und ohne komorbide Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Bei Personen mit Klinefelter-Syndrom (XXY) wurden Defizite exekutiver Funktionen (EF) beschrieben. Das Ausmaß einer möglichen Beeinträchtigung ist variabel, und die Art dieser Defizite ist bei jungen Männern bislang nicht eindeutig geklärt. In diesem Bericht untersuchen wir (a) EF-Fähigkeiten mithilfe mehrerer Aufgaben in einer nicht klinisch überwiesenen Gruppe junger Menschen mit XXY, (b) das Ausmaß von EF-Schwächen bei XXY im Vergleich zu typischen männlichen Personen mit ähnlichem sozioökonomischem Status (SES) bzw. zu typischen männlichen Personen mit vergleichbaren verbalen Fähigkeiten und (c) den Beitrag einer komorbiden Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu den EF-Fähigkeiten. Die Stichprobe umfasste 27 männliche Personen mit XXY (Alter 9–25 Jahre), 27 typisch entwickelte, nach Alter und Wortschatz parallelisierte männliche Personen sowie 22 nach Alter und sozioökonomischem Status parallelisierte männliche Personen. Zu den EF-Aufgaben gehörten verbale Flüssigkeit, der Trail Making Test sowie die CANTAB-Aufgaben Spatial Working Memory und Stockings of Cambridge. Eine Varianzanalyse mit gemischtem Modell zum Vergleich der Gruppen bei den EF-Aufgaben zeigte einen Haupteffekt der Gruppe, jedoch keine Interaktion zwischen Gruppe und Aufgabe. Insgesamt schnitt die XXY-Gruppe schlechter ab als beide Kontrollgruppen, die Leistung unterschied sich jedoch nicht signifikant in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe. Eine ADHS-Komorbidität bei männlichen Personen mit XXY war mit schwächeren EF-Fähigkeiten verbunden.

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Evaluation des neuropsychologischen Gruppenprogramms ATTENTIONER zur Aufmerksamkeitstherapie bei Kindern und Jugendlichen

Das neuropsychologische Gruppentraining ATTENTIONER zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsstçrungen ermçglicht die gezielte Therapie der Aufmerksamkeitssteuerung. Die vorliegende Studie untersucht an einer Stichprobe von N = 17 Jungen und Mdchen im Alter von sieben bis 13 Jahren, die am ATTENTIONER-Training teilgenommen haben, mittels der TAP Vernderungen in der Aufmerksamkeitssteuerung (Geteilte Aufmerksamkeit und Go/Nogo 1 / 2 ) in einem Pr-Pr-Post Design. Neben Verbesserungen in der parallelen Reizverarbeitung konnte insbesondere die Inhibitionsfhigkeit der Kinder deutlich gesteigert werden. Dies ist von besonderer Bedeutung fr die Rolle impulsiven Verhaltens etwa bei Stçrungen des Sozialverhaltens.

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Altersabhängige Unterschiede in neuropsychologischen Leistungsprofilen bei ADHS und Autismus

Fragestellung: In dieser Studie wurden Kinder und Jugendliche mit einer autistischen Störung und solche mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit gesunden Kindern und Jugendlichen mit normaler Entwicklung hinsichtlich der Ausprägung von neuropsychologischen Variablen in drei unterschiedlichen Altersgruppen verglichen.

Methodik: Es wurden 42 Kinder und Jugendliche mit einer autistischen Störung (High-Functioning Autismus bzw. Asperger-Syndrom), 31 Kinder mit einem ADHS (nach ICD-10 und DSM-IV) sowie 30 gesunde Kontrollkinder im Rahmen der Studie untersucht. Dabei wurden folgende neuropsychologische Testverfahren eingesetzt: 1. Testbatterie für Aufmerksamkeitsstörungen (TAP) (Daueraufmerksamkeit, Inhibition und Reaktionswechsel); 2. Cambridge Neuropsychological Automated Test Battery (CANTAB) zur Erfassung exekutiver Funktionen (Arbeitsgedächtnis und Planungsverhalten); 3 «Frankfurt Test und Training von fazialem Affekt» (FEFA) zur emotionsbezogenen Gesichtererkennung.

Ergebnisse: Unsere Daten liefern Hinweise dafür, dass sich die von uns untersuchten Aufmerksamkeitsfunktionen mit zunehmendem Alter verbessern. Deutliche Unterschiede zwischen den beiden klinischen Gruppen fanden sich insbesondere für 11 bis 14-jährige im Bereich der Daueraufmerksamkeit und der Inhibition. Sowohl in Bezug auf die Exekutivfunktionen, als auch im Bereich der emotionsbezogenen Gesichtererkennung fanden sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den drei Gruppen.

Schlussfolgerungen: Obwohl unsere Ergebnisse aufgrund des deskriptiven Charakters der Untersuchung und der sehr kleinen Stichproben nur mit Einschränkung zu interpretieren sind, erscheint die Berücksichtigung des Alters bei der Anwendung neuropsychologischer Testverfahren sinnvoll, um so den individuellen Leistungsvoraussetzungen der unterschiedlichen Patientengruppen besser gerecht zu werden.

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