Störung des Sozialverhaltens

Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten bei Schulanfängern. Pilotstudie im Fall-Kontroll-Design

Hintergrund. Da Verhaltensauffälligkeiten den schulischen Werdegang erheblich beeinträchtigen können, finden sie in der schulärztlichen Eingangsuntersuchung (SEU) immer häufiger Beachtung. Dennoch mangelt es aktuell an empirischen Belegen für diese Art der Früherkennung im Rahmen der SEU.

Ziel der Arbeit. Es stellt sich die Frage, ob die augenblicklich durchgeführte Form der Früherkennung dem Anspruch der SEU genügt, die Chancengleichheit für Schulanfänger durch Frühförderung schon zu Beginn der Schullaufbahn zu erhöhen. Die vorliegende Studie soll als Pilotprojekt für weitere Forschung dienen.

Material und Methode. Die Studie vergleicht erstmalig Verhaltens- und Entwicklungsprofile von in der SEU identifizierten Kindern mit einer Verhaltensauffälligkeit (mit und ohne Fördermaßnahme) mit dem Verlauf einer verhaltensunauffälligen Kontrollgruppe über das 1. Schuljahr hinweg.

Ergebnisse. Kinder mit einer Verhaltensauffälligkeit, die im Verlauf der 1. Klasse an einer Fördermaßnahme teilnehmen, zeigen ein ebenso stabiles Verhaltens- und Entwicklungsprofil wie Kinder mit einer Verhaltensauffälligkeit ohne Förderung oder Kinder ohne Verhaltensprobleme.

Schlussfolgerung. Der aktuelle Stand der SEU zur Früherkennung von Verhaltensproblemen sollte empirisch überprüft und Umstrukturierungen wissenschaftlich begleitet werden. Die vorliegenden Ergebnisse scheinen eine Vorverlegung der SEU in den vorschulischen Bereich zu unterstützen.

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Störungen des Sozialverhaltens

Störungen des Sozialverhaltens (DSM: Conduct Disorder) sind sowohl durch aggressive (z. B. körperliche Auseinandersetzungen) als auch nicht-aggressive Verhaltensmerkmale (z. B. Missachtung von Regeln, Schuleschwänzen) gekennzeichnet. Aussagen hinsichtlich Prognose und Verlauf oder Behandlungsempfehlungen sind aufgrund der Heterogenität der Verhaltenssymptomatik meist nicht für die Gesamtgruppe der Patienten gültig. Als mögliches prognostisches Kriterium wurde bisher im DSM-IV einzig die Subtypisierung nach dem Störungsbeginn berücksichtigt. Die Evidenzgrundlage hierfür ist jedoch nicht eindeutig, und seit Erscheinen des DSM-IV im Jahre 1994 hat sich die empirische Befundlage zu Störungen des Sozialverhaltens beträchtlich erweitert. Für die Neuauflage des DSM-5 wurde die Berücksichtigung weiterer Kriterien diskutiert, insbesondere persönlichkeitsspezifischer Risikofaktoren, mädchenspezifischer Merkmale oder dimensionaler Beurteilungskriterien bzw. die Ergänzung eines auf die Kindheit beschränkten Subtyps (Moffitt et al., 2008). Jedoch sind die wesentlichen diagnostischen Kriterien im DSM-5 gleichgeblieben; eine entscheidende Änderung ist die nun mögliche Klassifikation eines CD specifiers with limited prosocial emotions. Die Frage, inwieweit die im DSM-5 vorgenommenen Modifikationen hilfreich sind, um den Anforderungen einer psychiatrischen Klassifikation gerecht zu werden, soll in diesem Beitrag auf der Basis der vorliegenden Evidenzgrundlage diskutiert werden.

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Soziale Kognition bei Autismus-Spektrum-Störungen und Störungen des Sozialverhaltens

Soziale Kognition umfasst eine Reihe von impliziten und expliziten Informationsverarbeitungsprozessen, die im Rahmen der sozialen Interaktion stattfinden, wie zum Beispiel die implizite Aufmerksamkeitszuwendung, die Emotionserkennung oder die Theory of Mind. Defizite in der sozialen Kognition werden im Zusammenhang mit Störungsbildern, zu deren Kernsymptomatik eine Störung in der sozialen Interaktion zählt, angenommen, darunter Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und Störungen des Sozialverhaltens (SSV). Die vorliegende Übersichtsarbeit gibt einen Einblick in den derzeitigen Forschungsstand mit einem Fokus auf Verhaltens- und Bildgebungsstudien über verschiedene Prozesse der sozialen Kognition bei diesen beiden Störungsbildern.

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Aktivität des Default-Mode-Netzwerks bei männlichen Jugendlichen mit Störung des Sozialverhaltens und Substanzkonsumstörung

Hintergrund: Jugendliche mit Störung des Sozialverhaltens (CD) und Substanzkonsumstörungen (SUD) haben Schwierigkeiten, ihr Verhalten im Hinblick auf zukünftige Konsequenzen zu bewerten und zu regulieren. Angesichts der Rolle des Default-Mode-Netzwerks (DMN) des Gehirns bei Selbstreflexion und zukunftsbezogenem Denken untersucht diese Studie, ob das DMN bei Jugendlichen mit CD und SUD im Vergleich zu Kontrollen verändert ist.

Methoden: Zwanzig männliche Jugendliche mit CD und SUD sowie 20 altersähnliche männliche Kontrollpersonen wurden während einer risikobezogenen Entscheidungsaufgabe funktionell magnetresonanztomografisch untersucht. Als datengetriebenen Ansatz verwendeten wir eine unabhängige Komponentenanalyse, um bei den einzelnen Probanden die räumliche DMN-Komponente zu identifizieren. Anschließend wurde die DMN-Aktivität zwischen den Gruppen verglichen.

Ergebnisse: Im Vergleich zu Kontrollen zeigten die Patienten eine verminderte Aktivität im oberen, medialen und mittleren Frontallappen (Brodmann-Areal [BA] 10), im retrosplenialen Kortex (BA 30), im Gyrus lingualis (BA 18) sowie beidseits im mittleren Temporalgyrus (BA 21/22) – DMN-Regionen, denen Funktionen bei selbstbezogener Bewertung, Gedächtnis, Vorausschau und Perspektivübernahme zugeschrieben werden. Dieses Muster verminderter Aktivität bei den Patienten blieb auch nach Adjustierung für die Effekte von Depression und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) robust. Ohne Adjustierung für Depression und ADHS zeigten Patienten gegenüber Kontrollen dagegen ausschließlich im Cuneus (BA 19) eine höhere DMN-Aktivität.

Schlussfolgerungen: Insgesamt deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass komorbide CD und SUD bei Jugendlichen durch eine atypische Aktivität in Hirnregionen gekennzeichnet sind, die vermutlich eine wichtige Rolle bei introspektiver Verarbeitung spielen. Diese funktionellen Ungleichgewichte in Hirnnetzwerken könnten weitere Einblicke in die neuronalen Grundlagen von Störungen des Sozialverhaltens und Substanzkonsumstörungen geben.

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Zusammenhang von Therapeutischer Beziehung mit Symptomminderung und Behandlungszufriedenheit

Fragestellung: Der Zusammenhang von therapeutischer Beziehung und Therapieerfolg wird in verhaltenstherapeutisch orientierten ambulanten Psychotherapien von expansiven Kindern und Jugendlichen untersucht.

Methodik: Die Therapeut-Patient- und Therapeut-Eltern-Beziehung wurde bei N = 53 Patienten zu zwei Erhebungszeitpunkten im Behandlungsverlauf mit dem Beziehungsfragebogen für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (BeKi) erhoben. Als Maß für den Therapieerfolg wurden die Prä-Post-Differenz der kindlichen Symptombelastung, die Behandlungszufriedenheit im Therapeuten-, Eltern- und Patientenurteil sowie die Verbesserungen im kindlichen Funktionsniveau im Therapeutenurteil herangezogen.

Ergebnisse: Die Korrelationen zwischen therapeutischer Beziehung und Symptomminderung variieren je nach Perspektive zwischen keinem und einem hohen Zusammenhang (maximal: r = .57), liegen aber zumeist im Bereich einer geringen bis mittleren Korrelation. Die Höhe des Zusammenhangs entspricht damit den Befunden neuerer Metaanalysen sowie von Studien aus der Erwachsenenpsychotherapie. Therapeut-Patient- und Therapeut-Eltern-Beziehung weisen zudem mittlere Korrelationen mit der retrospektiv berichteten Behandlungszufriedenheit und geringe bis mittlere Korrelationen mit der Verbesserung des kindlichen Funktionsniveaus auf.

Schlussfolgerungen: Behandlungszufriedenheit und Verbesserungen im kindlichen Funktionsniveau wurden bisher selten als Maße des Therapieerfolgs betrachtet. Sie korrelieren aber, ebenso wie die Symptomminderung, signifikant mit der Therapeut-Kind- und der Therapeut-Eltern-Beziehung. Die Höhe des Zusammenhangs ist stark perspektivenabhängig, eine Erfassung von Beziehung und Therapieerfolg aus verschiedenen Perspektiven scheint daher ratsam.

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Durch Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens ausgelöste Krankenkassenausgaben

Die Studie basiert auf Abrechnungsdaten einer großen gesetzlichen Krankenkasse (AOK Nordost). Es wurden Patienten im Alter von 13 bis 18 Jahren mit dokumentierter ICD-10-Diagnose einer Störung des Sozialverhaltens eingeschlossen (Indexgruppe, IG, N=665) und mit einer nach Alter und Geschlecht parallelisierten Kontrollgruppe (KG, N=16.625) verglichen. Während in der KG mittlere Jahreskosten von 687 € zu verzeichnen waren, beliefen sich diese bei der IG mit 2.632 € auf das 3,83fache (p<0,001). In beiden Gruppen verursachten weibliche Versicherte höhere Kosten als männliche (IG: 2.883 € vs. 2.501 €, p=0,41; KG: 758 € vs. 649 €, p=0,22). Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens lösten deutlich höhere Krankenkassenausgaben aus als Jugendliche ohne diese Diagnose. Dieses Ergebnis weist auf die gesundheitsökonomische Bedeutung des Störungsbildes hin.

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Psychopathy

Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen Zusammenfassung. Das Konzept „Psychopathy“ wird in den letzten Jahren für das Kindes- und Jugendalter spezifiziert und bietet die Chance, Extremformen aggressiv-dissozialen Verhaltens zu beschreiben und zu klassifizieren. Erscheinungsformen, Prävalenzraten und Verlaufsstudien tragen dazu bei, dass die Aussagekraft des Konzepts für die klinische Praxis zunimmt. Die Tatsache, dass das DSM-V sich dieser Subgruppe annimmt, wird die Akzeptanz des Konzeptes und Forschungsaktivitäten intensivieren.

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ADHS und Störung des Sozialverhaltens

Im Bereich der externalisierenden Störungen (ADHS, Störungen des Sozialverhaltens) werden für den deutschsprachigen Bereich Trends seit 2009 in Forschung und Praxis skizziert. Vor allem wurden Publikationen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Klinischen Kinderpsychologie gesichtet; zudem werden die wissenschaftlichen Beiträge des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie mit einbezogen. Es wird deutlich, dass auch im deutschen Sprachraum die Beschäftigung mit der Störung des Sozialverhaltens (inkl. Bullying, Psychopathie) im Umfang und ihrer Differenziertheit gegenüber der weitgefassten Diskussion um die ADHS aufgeholt hat und kein Schattendasein mehr führt.

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Genetische Befunde bei der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von 3–7% eine häufige kinderund jugendpsychiatrische Störung. Auf der Basis formalgenetischer Studien ergibt sich eine Heritabilitätsschätzung von 60–80% für ADHS mit einem ca. 5-fach erhöhten Risiko für erstgradige Verwandte von Betroffenen. Bislang vier Genomscans lieferten potentiell relevante chromosomale Regionen, insbesondere den einheitlichen Kopplungsbefund auf 5p13. Aus einer Vielzahl von Assoziationsstudien zu Kandidatengenen deuten aktuelle Metaanalysen auf die Relevanz der Gene der dopaminergen Rezeptoren DRD4 und DRD5 sowie des serotonergen Rezeptors HTR1B und des Synaptosomal Assoziierten Proteins (SNAP-25). In Tiermodellen liegen vorwiegend Paradigmen für Hyperaktivität vor; diese sind in knockout- und Quantitative Trait Loci (QTL) Designs mit viel versprechenden Ergebnissen zum dopaminergen System untersucht worden. Es ist davon auszugehen, dass erst das Zusammenwirken verschiedener Gen-Varianten mit jeweils moderatem bis hin zu kleinem Effekt den Phänotyp ADHS bedingen (Oligo-/ Polygenie) und bei verschiedenen Betroffenen unterschiedliche Kombinationen von prädisponierenden Gen-Polymorphismen zu ADHS führen können. Entsprechend sind für molekulargenetische Studien große Fallzahlen notwendig und die bisherigen Befunde als vorläufig zu interpretieren. Zukunftsweisend für die molekulargenetische Aufklärung von ADHS sind SNP-basierte Genomscans, mit denen 10 000–1 000 000 einzelne Polymorphismen (SNPs) gleichzeitig untersucht werden können. Tiermodelle liefern Hinweise auf die Funktion relevanter Kandidatengene und tragen zur Erweiterung der bislang teilweise widersprüchlichen Kenntnisse zur Neurobiologie des ADHS bei.

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