Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten bei Schulanfängern. Pilotstudie im Fall-Kontroll-Design
F. Korsch, F. Petermann (2014)
Monatsschrift Kinderheilkunde 162(8), 725-732
Zusammenfassung
Hintergrund. Da Verhaltensauffälligkeiten den schulischen Werdegang erheblich beeinträchtigen können, finden sie in der schulärztlichen Eingangsuntersuchung (SEU) immer häufiger Beachtung. Dennoch mangelt es aktuell an empirischen Belegen für diese Art der Früherkennung im Rahmen der SEU.
Ziel der Arbeit. Es stellt sich die Frage, ob die augenblicklich durchgeführte Form der Früherkennung dem Anspruch der SEU genügt, die Chancengleichheit für Schulanfänger durch Frühförderung schon zu Beginn der Schullaufbahn zu erhöhen. Die vorliegende Studie soll als Pilotprojekt für weitere Forschung dienen.
Material und Methode. Die Studie vergleicht erstmalig Verhaltens- und Entwicklungsprofile von in der SEU identifizierten Kindern mit einer Verhaltensauffälligkeit (mit und ohne Fördermaßnahme) mit dem Verlauf einer verhaltensunauffälligen Kontrollgruppe über das 1. Schuljahr hinweg.
Ergebnisse. Kinder mit einer Verhaltensauffälligkeit, die im Verlauf der 1. Klasse an einer Fördermaßnahme teilnehmen, zeigen ein ebenso stabiles Verhaltens- und Entwicklungsprofil wie Kinder mit einer Verhaltensauffälligkeit ohne Förderung oder Kinder ohne Verhaltensprobleme.
Schlussfolgerung. Der aktuelle Stand der SEU zur Früherkennung von Verhaltensproblemen sollte empirisch überprüft und Umstrukturierungen wissenschaftlich begleitet werden. Die vorliegenden Ergebnisse scheinen eine Vorverlegung der SEU in den vorschulischen Bereich zu unterstützen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Störung des Sozialverhaltens
Schlagwörter: Gesundheitsuntersuchung, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom, Störung des Sozialverhaltens, Kognition, Koordination
