Verstärkende Wirkungen von Methamphetamin in einem Tiermodell der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – der spontan hypertensiven Ratte

Ike dela Peña, Hyung Ahn, Ji Choi, Chan Shin, Jong Ryu, Jae Cheong (2010)

Behavioral and Brain Functions 6(1)

Zusammenfassung

Wir geben einen Überblick über Strategien zur Entwicklung von Tiermodellen für die Untersuchung und Auswahl von Substanzen mit potenziellem therapeutischem Nutzen bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). ADHS ist eine Verhaltensstörung unbekannter Ätiologie und Pathophysiologie. Nach heutigem Verständnis spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle in ihrer Ätiologie. Eine Beteiligung dopaminerger und noradrenerger Systeme an der Pathophysiologie der ADHS ist wahrscheinlich. Wir beschreiben die klinischen Merkmale der ADHS, darunter Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, und wie diese für Laboruntersuchungen operationalisiert werden. Maße der zeitlichen Belohnungsabwertung (nicht jedoch vorzeitiges Reagieren) scheinen bekannte Arzneimittelwirkungen gut vorherzusagen (Behandlungsvalidität). Häufig verwendete Open-Field-Maße der Überaktivität besitzen in menschlichen Populationen keine Behandlungsvalidität. Es wurden mehrere Tiermodelle vorgeschlagen, die ADHS-Symptome nachbilden. Am häufigsten verwendet werden die spontan hypertensive Ratte (SHR) und Tiere mit 6-Hydroxydopamin-Läsionen (6-OHDA). Bislang fehlt der SHR jedoch die Behandlungsvalidität, und die Wirkungen von Arzneimitteln auf Impulsivitäts- und Unaufmerksamkeitssymptome wurden bei 6-OHDA-läsionierten Tieren nicht umfassend untersucht. Beim gegenwärtigen Entwicklungsstand gibt es keine in-vivo-Modelle mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Untersuchung und Auswahl von Substanzen mit potenziellem therapeutischem Nutzen bei ADHS. Die zeitliche Belohnungsabwertung gewinnt jedoch in ADHS-Theorien zunehmend an Bedeutung, und es gibt gute Hinweise darauf, dass die Bewertung verzögerter Belohnungen nach Behandlung mit Stimulanzien zunimmt. Operante Verhaltensparadigmen, die Arzneimittelwirkungen in Situationen verzögerter Verstärkung messen, erscheinen daher sowohl bei normalen Ratten als auch in ausgewählten Modellen für die Zukunft vielversprechend.

Kategorien: ADHS Allgemein, Medikamente

Schlagwörter: ADHS, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Dopamin, Noradrenalin, Methylphenidat, Amphetamin, Tiermodell

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