Neuropsychologische Heterogenität bei ADHS im Vorschulalter: Untersuchung des Zusammenspiels kognitiver, affektiver und motivationsbasierter Regulationsformen

Douglas Sjöwall, Anna Backman, Lisa B. Thorell (2014)

Journal of Abnormal Child Psychology

Zusammenfassung

Es besteht ein Trend zur Diagnose von ADHS bereits vor Schuleintritt. Dennoch mangelt es an Studien zu ADHS im Vorschulalter, insbesondere an Untersuchungen, die ein breites Spektrum unterschiedlicher neuropsychologischer Funktionen einbeziehen. Unser Wissen über die unabhängigen Effekte verschiedener neuropsychologischer Funktionen im Zusammenhang mit ADHS im Vorschulalter ist daher begrenzt. Um diese Frage zu untersuchen, analysierte die vorliegende Studie kognitive, affektive und motivationsbasierte Regulation im Zusammenhang mit ADHS-Symptomen bei 104 Vorschulkindern (Alter M = 67,33 Monate, SD = 10,10; 65 % Jungen). Die Ergebnisse zeigten, dass alle diese Regulationsprozesse signifikant mit ADHS-Symptomen verbunden waren und die meisten Zusammenhänge auch nach Kontrolle komorbider Verhaltensprobleme bestehen blieben. Die meisten früheren Studien im Vorschulalter berücksichtigten lediglich kognitive und in gewissem Umfang motivationsbasierte Regulation. Durch die zusätzliche Einbeziehung affektiver Regulation konnten wir einen größeren Anteil der Varianz der ADHS-Symptome erklären. Allerdings war der erklärte Varianzanteil weiterhin klein im Vergleich zu früheren Studien mit Schulkindern. Dieser Befund kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass weitere Untersuchungen zur Natur der ADHS im Vorschulalter erforderlich sind und möglicherweise über jene neuropsychologischen Faktoren hinausgeblickt werden muss, die bei älteren Kindern und Erwachsenen mit der Störung in Verbindung gebracht wurden.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, exekutive Funktionen, Verzögerungsaversion, Emotionsregulation, Vorschulalter

This publication in English

Nach oben scrollen