Neurotypische Gleichaltrige sind aufgrund kurzer Verhaltensausschnitte weniger bereit, mit autistischen Menschen zu interagieren
Noah J. Sasson, Daniel J. Faso, Jack Nugent, Sarah Lovell, Daniel P. Kennedy & Ruth B. Grossman (2017)
Scientific Reports 7, 40700
Zusammenfassung
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung erleben erhebliche Schwierigkeiten in alltäglichen sozialen Interaktionen. Forschung konzentrierte sich vor allem auf kognitive und neurologische Unterschiede der Betroffenen; soziale Interaktion umfasst jedoch mehr als eine Person, und Schwierigkeiten können auch aus Wahrnehmungen, Urteilen und Entscheidungen möglicher Interaktionspartner entstehen. In drei Studien wurden erste Eindrücke neurotypischer Beobachtender aus kurzen Ausschnitten realen Sozialverhaltens untersucht. Autistische Personen wurden bei verschiedenen Merkmalen deutlich ungünstiger beurteilt als Kontrollpersonen; zugleich bestand eine geringere Bereitschaft zu weiterer Interaktion. Diese Muster traten innerhalb von Sekunden auf, änderten sich bei längerer Exposition nicht und zeigten sich bei Kindern wie Erwachsenen. Beruhten die Eindrücke dagegen ausschließlich auf Gesprächsinhalten ohne audiovisuelle Hinweise, verschwanden die Verzerrungen. Die Ergebnisse sprechen für eine breitere Sicht sozialer Schwierigkeiten, die sowohl individuelle Beeinträchtigungen als auch Vorurteile potenzieller Sozialpartner berücksichtigt.
Kategorien: ADHS Allgemein
Schlagwörter: Autismus-Spektrum-Störung, Stigmatisierung, Erwachsene, Kinder und Jugendliche
