Geschlecht

Beurteilerdiskrepanzen bei der Erfassung internalisierenden/externalisierenden Verhaltens: Zusammenhänge zu Klassenstufe, Geschlecht und Erziehungsverhalten

Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Beurteilungsdiskrepanzen bei internalisierenden/externalisierenden Verhaltensproblemen im Kindes- und Jugendalter und dem Erziehungsverhalten. Sie basiert auf zwei Längsschnittstichproben, die von der zweiten bis zur vierten bzw. von der vierten bis zur sechsten Klasse befragt wurden. In jährlichen Abständen wurden internalisierende und externalisierende Probleme der Kinder sowohl von den Kindern selbst als auch von ihren Eltern eingeschätzt. Darüber hinaus wurde das Elternverhalten (Responsivität, behaviorale und psychologische Kontrolle) aus der Kinder- und der Elternperspektive erhoben. Es zeigte sich, dass sich in den Selbstberichten der Kinder ein höheres Ausmaß an Verhaltensproblemen widerspiegelt als in den Elternberichten. Bei den internalisierenden Problemen zeigte sich eine Abnahme der Diskrepanzen über das Alter hinweg. Beziehungen zwischen Verhaltensproblemen und dem Erziehungsverhalten ergaben sich vor allem in Bezug auf die psychologische Kontrolle. Wenn die Eltern sich als kontrollierend einschätzen, sind die Diskrepanzen geringer, während sie größer sind, wenn die Kinder ihre Eltern als kontrollierend wahrnehmen. Psychologisch kontrollierende Eltern mögen demnach besondere Aufmerksamkeit auf das Verhalten ihrer Kinder richten mit dem Ergebnis geringerer Beurteilungsdiskrepanzen. Kinder wiederum berichten möglicherweise mehr Problemverhalten, wenn sie sich unter strenger elterlicher Beobachtung erleben.

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Wird ADHS in Übereinstimmung mit diagnostischen Kriterien diagnostiziert? Überdiagnose und Einfluss des Geschlechts des Patienten auf die Diagnose

Ziel: Hinsichtlich der ADHS-Diagnostik bestehen ungeklärte Fragen. Erstens deuten einige Studien auf eine mögliche Überdiagnose hin. Zweitens erhalten im Vergleich zum Verhältnis Jungen:Mädchen in der Allgemeinbevölkerung (3:1) deutlich mehr Jungen als Mädchen eine ADHS-Behandlung (6–9:1). Wir stellten die Hypothese auf, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass Therapeuten die Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (4. Aufl.; DSM-IV) und der International Classification of Diseases (10. Revision; ICD-10) nicht konsequent anwenden. Stattdessen könnten Therapeuten entsprechend der Repräsentativitätsheuristik eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostizieren, wenn ein Patient ihrem Bild eines prototypischen ADHS-Kindes ähnelt, und dabei bestimmte Ausschlusskriterien übersehen. Dies könnte zu Überdiagnosen führen. Da ADHS bei männlichen Personen häufiger ist, könnte ein Junge zudem eher als prototypisches ADHS-Kind wahrgenommen und deshalb leichter mit ADHS diagnostiziert werden als ein Mädchen. Methode: Wir schickten 1000 Kinderpsychologen, Psychiatern und Sozialarbeitern eine Fallvignette und baten sie um eine Diagnose. Es gab vier Versionen: Vignette 1 (ADHS) erfüllte alle DSM-IV-/ICD-10-Kriterien für ADHS. Die Vignetten 2–4 (keine ADHS) enthielten mehrere ADHS-Symptome, wiesen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass andere ADHS-Kriterien nicht erfüllt waren; eine ADHS-Diagnose war daher nicht zulässig. Zusätzlich wurden für jede Vignette Jungen- und Mädchenversionen erstellt. Ergebnisse: In den Vignetten 2–4 (keine ADHS) diagnostizierten 16,7 % der Therapeuten ADHS. Bei den Jungenversionen dieser Vignetten wurde ADHS etwa doppelt so häufig diagnostiziert wie bei den Mädchenversionen. Schlussfolgerungen: Therapeuten halten sich nicht strikt an diagnostische Manuale. Unsere Studie legt nahe, dass in der klinischen Routine Überdiagnosen von ADHS vorkommen und dass das Geschlecht des Patienten die Diagnose erheblich beeinflusst. Eine fundierte diagnostische Schulung könnte helfen, solche Verzerrungen zu vermeiden. (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, alle Rechte vorbehalten)

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Fehldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom? Empirische Befunde zur Frage der Überdiagnostizierung

Sowohl unter Experten als auch in der Öffentlichkeit wird oft vermutet, dass das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) überdiagnostiziert wird. Dennoch gibt es hierzu kaum empirische Befunde. Aktuelle Ergebnisse der hier dargestellten repräsentativen Befragung von Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -psychiatern liefern jedoch erstmals empirische Belege dafür, dass ADHS zu häufig diagnostiziert wird. Die Befunde zeigen, dass Jungen bei identischem Symptombild häufiger eine ADHS-Diagnose gestellt bekommen als Mädchen. Eine fälschliche ADHS-Diagnose zieht zudem die Empfehlung einer medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung nach sich. Als Erklärung für diese diagnostischen Fehlurteile wird diskutiert, dass Therapeuten –wie bei anderen Alltagsentscheidungen auch –in der Diagnosesituation Heuristiken einsetzen. Verbreitet sind dabei die Repräsentativitäts- und die Verfügbarkeitsheuristik. Eine klare Orientierung an Diagnosekriterien und die Anwendung standardisierter Befragungsinstrumente helfen, solche Fehler zu vermeiden.

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Unterschiede psychiatrischer Komorbidität bei klinisch überwiesenen Kindern und Jugendlichen mit ADHS nach Subtyp und Geschlecht

Zu Geschlecht und Prävalenz komorbider psychiatrischer Störungen bei verschiedenen Subtypen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) liegen widersprüchliche oder sogar gegensätzliche Befunde vor. Die Teilnehmenden waren Kinder mit ADHS. Geschlecht, ADHS-Subtyp und Interaktionseffekte wurden mittels logistischer Regression untersucht. Von 171 Kindern gehörten 73 (42,7 %) dem kombinierten Subtyp an, 45 (26,3 %) dem unaufmerksamen und 52 (31,0 %) dem hyperaktiv-impulsiven Subtyp. Die Prävalenz der ADHS-Subtypen unterschied sich nicht zwischen den Geschlechtern. Es bestand kein signifikanter Interaktionseffekt von Geschlecht und Subtyp auf das Alter der Kinder. Diese Studie liefert hinsichtlich Komorbidität keine Evidenz dafür, ADHS-Subtypen als eigenständige klinische Entitäten zu betrachten. Der Zusammenhang zwischen ADHS-Subtypen und psychiatrischen Störungen im Iran unterscheidet sich teilweise von Befunden aus Studien westlicher Kulturen und ähnelt stärker den Ergebnissen anderer asiatischer Länder.

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Alters- und geschlechtsspezifische Besonderheiten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

In der vorliegenden Übersichtsarbeit werden die Besonderheiten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beim erwachsenen Menschen dargestellt und ihre Bedeutung für die Diagnostik im Erwachsenenalter in den Mittelpunkt gestellt. Dabei wird auch auf bislang in diesem Lebensabschnitt weniger gut untersuchte Subtypenunterschiede und geschlechtsspezifische Besonderheiten eingegangen.

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