Jugendliche

Zwangsstörungen im DSM-5 – Was ist neu?

Zwangsstörungen sind auch im Kindes- und Jugendalter häufige und beeinträchtigende Erkrankungen. Die vorliegende Arbeit fasst die Änderungen von DSM-IV-TR Kriterien zu DSM-5 zusammen und unterzieht diese einer kritischen Würdigung. Zentral sind Änderungen der kategorialen Zuordnung, Zwänge sind nun nicht mehr der Kategorie Angststörungen zugeordnet, sondern repräsentieren eine eigenständige Kategorie, die aber dafür ein weiter gespanntes Zwangsspektrum umfasst. Neben kleineren deskriptiven Änderungen der Kriterien wird die klinische Einschätzung der Einsichtsfähigkeit (gut, schlecht, fehlend) gefordert. Die Zwangsstörung, die komorbid mit Ticstörungen einhergeht, wird als eigener Subtyp klassifiziert. Die Änderungen werden im Folgenden auf Basis der Studienlage und Literatur diskutiert, danach folgt ein Ausblick hinsichtlich der Umsetzung der neuen Kriterien auf den klinischen Alltag und die Forschung.

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Zusammenhang zwischen Binge-Eating und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in zwei gemeindenahen kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen

ZIEL:

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wurde mit Adipositas in Verbindung gebracht; ihr Zusammenhang mit Binge-Eating (BE) ist jedoch weniger klar. Ziel war es, die Zusammenhänge zwischen ADHS, Gewicht und BE in kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen zu untersuchen.

METHODE:

Wir werteten retrospektiv aufeinanderfolgende Erstaufnahmen in zwei kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen aus (N = 252). BE wurde mit der C-BEDS-Skala erfasst. Zusammenhänge zwischen ADHS, BE und BMI-z-Wert wurden mittels Regression untersucht.

ERGEBNISSE:

Das mittlere Alter betrug 10,8 Jahre (SD 3,7). Zwölf Prozent (n = 31) wiesen BE auf. Der Zusammenhang zwischen ADHS und BE war statistisch signifikant (OR 16,1, p < .001) und blieb auch nach Adjustierung für komorbide Diagnosen, Medikamente, demografische Variablen und Ambulanz bestehen. Zwischen ADHS und BMI-z-Werten bestand ein statistisch signifikanter Zusammenhang (β = 0,54, p < .001). Nach Adjustierung für BE war der Zusammenhang zwischen ADHS und BMI-z-Werten abgeschwächt (β = 0,35, p = .025), und der Koeffizient für BE nahm ab (β = 0,75, p = .001). Obwohl die Anwendung von Stimulanzien mit einer dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit für BE verbunden war (OR 3,16, p = .006), waren Stimulanzien nicht mit höheren BMI-z-Werten assoziiert (β = 0,18, p = .32).

DISKUSSION:

In zwei kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen ADHS und BE. Obwohl diese Daten querschnittlich sind und keine kausalen Schlussfolgerungen zulassen, sind die Befunde mit der Hypothese vereinbar, dass BE den Zusammenhang zwischen ADHS und BMI-z-Werten teilweise vermittelt. In psychiatrischen Ambulanzen können sich Kinder mit ADHS mit Übergewicht oder Adipositas vorstellen. Zudem können Kinder mit ADHS BE zeigen. Zukünftige prospektive Studien sollten die komplexen Zusammenhänge zwischen ADHS, Gewicht, Stimulanzien und BE aufklären.

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Medikamentenpausen bei ADHS-Medikation: Internationale Erfahrungen aus den vergangenen vier Jahrzehnten

Ziel: ADHS wird mit wirksamen Stimulanzien behandelt, die jedoch das Wachstum verzögern können. Verordnende Ärzte sollten Kinder idealerweise überwachen und versuchsweise eine „Medikamentenpause“ einlegen, um ein Aufholwachstum zu ermöglichen. Ziel war es, die Erfahrungen mit Medikamentenpausen bei ADHS-Medikation von Kindern und Jugendlichen zusammenzutragen.

Methode: Eine umfassende Literaturrecherche identifizierte 22 Studien, die zwischen 1972 und 2013 veröffentlicht wurden.

Ergebnisse: Medikamentenpausen werden in 25 bis 70 % der Familien praktiziert und finden häufiger während der Schulferien statt. Sie dienen dazu zu prüfen, ob die Medikation weiterhin erforderlich ist, und werden außerdem zur Behandlung von Nebenwirkungen und Arzneimitteltoleranz erwogen. Die Auswirkungen von Medikamentenpausen wurden hinsichtlich Nebenwirkungen und ADHS-Symptomen berichtet. Es gab Hinweise auf positive Effekte längerer Medikamentenunterbrechungen auf das Wachstum von Kindern; kürzere Pausen konnten Schlaflosigkeit vermindern und den Appetit verbessern.

Schlussfolgerung: Medikamentenpausen von ADHS-Medikamenten können ein nützliches Instrument mit mehreren Zwecken sein: Beurteilung, Behandlung, Prävention und Aushandlung.

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Kombinierte Stimulanzien- und Antipsychotikabehandlung bei Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Eine querschnittliche beobachtende strukturelle MRT-Studie

Metaanalysen legen normalisierende Effekte von Methylphenidat auf strukturelle fronto-striatale Auffälligkeiten bei Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nahe. Eine Untergruppe der Patienten erhält atypische Antipsychotika gleichzeitig mit Methylphenidat. Langfristige Sicherheit und Wirksamkeit dieser Kombination sind unbekannt. Die vorliegende Studie bietet eine erste Untersuchung struktureller Hirnkorrelate einer kombinierten Behandlung mit Methylphenidat und Antipsychotika bei Patienten mit ADHS. Strukturelle Magnetresonanztomografie wurde bei 31 Patienten durchgeführt, die eine kombinierte Behandlung mit Methylphenidat und Antipsychotika erhalten hatten, bei 31 parallelisierten Patienten, die Methylphenidat, aber keine Antipsychotika erhalten hatten, sowie bei 31 gesunden Kontrollpersonen (M-Alter 16,7 Jahre). Analysiert wurden Gruppenunterschiede beim gesamten kortikalen und subkortikalen Volumen sowie bei sieben frontalen kortikalen und acht subkortikal-limbischen Volumina von Interesse, die jeweils an dopaminerger Neurotransmission beteiligt sind. Patienten der Kombinationsbehandlungsgruppe, nicht jedoch der Methylphenidat-allein-Gruppe, zeigten gegenüber gesunden Kontrollen eine Verringerung des gesamten kortikalen Volumens (Cohens d = 0,69, p < 0,004), die sich in den meisten frontalen Regionen von Interesse zeigte. Darüber hinaus wies die Kombinationsgruppe, nicht jedoch die Methylphenidatgruppe, Volumenreduktionen im bilateralen ventralen Dienzephalon (links Cohens d = 0,48, p < 0,04; rechts Cohens d = 0,46, p < 0,05) und im linken Thalamus auf (Cohens d = 0,47, p < 0,04). Diese Befunde könnten darauf hindeuten, dass eine Antipsychotikabehandlung den normalisierenden Effekten von Methylphenidat auf die Hirnstruktur entgegenwirkt. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass bereits vorbestehende klinische Unterschiede zwischen den beiden Patientengruppen zu anatomischen Unterschieden zum Zeitpunkt der Bildgebung geführt haben. Das Fehlen einer unbehandelten ADHS-Gruppe erschwert eine eindeutige Interpretation und Ableitung von Implikationen aus unseren Befunden.

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Intervallbehandlung statt disziplinarischer Entlassung. Wirksamkeit eines strukturierten psychotherapeutischen Behandlungsprogramms bei Störung des Sozialverhaltens

Hintergrund: Aggressiv-dissoziale Verhaltensweisen zählen zu den häufigsten Störungen im Kindes- und Jugendalter. Sie sind charakterisiert durch einen ungünstigen Langzeitverlauf und ein hohes Ausmaß an Alltagsbeeinträchtigungen. Bisher ist v. a. für ambulante, familienzentrierte Behandlungsmethoden eine gute Effizienz nachgewiesen worden. Jugendliche mit Störung des Sozialverhaltens (SSV) bringen aber gerade ambulante Behandlungssettings oft an ihre Grenzen, sodass es zu stationären Aufnahmeanfragen kommt.

Ziel der Arbeit: Die vorliegende Darstellung eines neuen Behandlungskonzepts evaluierte die Effektivität einer Intervallbehandlung für Jugendliche mit SSV, die auf Motivation des Jugendlichen, Einbezug der Familie in die Behandlung und die Vermeidung von disziplinarischen Entlassungen abzielt.

Material und Methode: Ausgewertet wurden Daten von 19 Jugendlichen mit SSV im Alter zwischen 16,0 und 18 Jahren. Kernsymptome des gestörten Sozialverhaltens, soziodemografische Daten, psychosoziales Funktionsniveau (Children Global Assessment of Functioning Scale, CGAS) sowie Schweregrad der Symptomatik (Health of the Nation Outcome Scales for Children and Adolescents, HoNOSCA) wurden mit Beginn der Behandlung erfasst (T1). Am Behandlungsende wurden das psychosoziale Funktionsniveau, der Schweregrad der Symptomatik und die Teilnahmefrequenz an den einzelnen Phasen erhoben (T2).

Ergebnisse: Eine Intervallbehandlung führt zu einer deutlichen Reduktion von disziplinarischen Entlassungen. Jugendliche nehmen motivierter an der Behandlung teil. Eine signifikante Verbesserung ist sowohl auf dem psychosozialen Funktionsniveau als auch in Bezug auf die Schwere der am Ende der Behandlung noch vorliegenden Symptomatik zu verzeichnen.

Schlussfolgerung: Eine stationäre Intervallbehandlung kann, wenn ambulante Behandlungsmöglichkeiten ausgereizt sind, ein praktikables Konzept für Patienten mit SSV darstellen.

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Cybermobbing bei männlichen Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Prävalenz, Korrelate und Zusammenhang mit schlechter psychischer Gesundheit

Ziel dieser Studie war es, Prävalenzraten und Korrelate auf mehreren Ebenen für Opfer und Täter von Cybermobbing unter männlichen Jugendlichen mit diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Taiwan zu untersuchen. Außerdem wurden die Zusammenhänge zwischen Beteiligung an Cybermobbing und Depression, Angst sowie Suizidalität analysiert. Bei 251 männlichen Jugendlichen mit ADHS wurden Erfahrungen als Opfer und Täter von Cybermobbing erfasst. Mittels logistischer Regressionsanalyse wurden Korrelate von Cybermobbing-Opfern und -Tätern untersucht. Die Zusammenhänge zwischen Cybermobbingbeteiligung und Depression, Angst und Suizidalität wurden mit multiplen Regressionsanalysen geprüft. Insgesamt berichteten 48 (19,1 %) bzw. 36 (14,3 %) Teilnehmende, Opfer bzw. Täter von Cybermobbing zu sein. Höheres Alter, ein höherer sozioökonomischer Status des elterlichen Berufs und stärker ausgeprägte traditionelle passive Mobbing-Viktimisierung waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, Opfer von Cybermobbing zu sein. Höheres Alter, ADHS vom kombinierten Typ, geringere Belohnungsresponsivität im BAS, stärkere Internetsucht und stärker ausgeprägte traditionelle passive Mobbing-Täterschaft waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, Cybermobbing auszuüben. Opfer von Cybermobbing berichteten stärkere Depression und Suizidalität als Jugendliche ohne Cybermobbing-Viktimisierung. Ein hoher Anteil männlicher Jugendlicher mit ADHS ist an Cybermobbing beteiligt. Klinische Fachkräfte, pädagogische Fachkräfte und Eltern sollten insbesondere bei männlichen Jugendlichen mit ADHS, die die in dieser Studie identifizierten Korrelate aufweisen, auf eine mögliche Beteiligung an Cybermobbing achten.

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Durch Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens ausgelöste Krankenkassenausgaben

Die Studie basiert auf Abrechnungsdaten einer großen gesetzlichen Krankenkasse (AOK Nordost). Es wurden Patienten im Alter von 13 bis 18 Jahren mit dokumentierter ICD-10-Diagnose einer Störung des Sozialverhaltens eingeschlossen (Indexgruppe, IG, N=665) und mit einer nach Alter und Geschlecht parallelisierten Kontrollgruppe (KG, N=16.625) verglichen. Während in der KG mittlere Jahreskosten von 687 € zu verzeichnen waren, beliefen sich diese bei der IG mit 2.632 € auf das 3,83fache (p<0,001). In beiden Gruppen verursachten weibliche Versicherte höhere Kosten als männliche (IG: 2.883 € vs. 2.501 €, p=0,41; KG: 758 € vs. 649 €, p=0,22). Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens lösten deutlich höhere Krankenkassenausgaben aus als Jugendliche ohne diese Diagnose. Dieses Ergebnis weist auf die gesundheitsökonomische Bedeutung des Störungsbildes hin.

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Zusammenhänge zwischen sensorischer Modulation und Schlaf bei Jugendlichen mit ADHS

Ziel: Ziel dieser Studie war es, sensorische Modulation und Schlaf bei 30 Jugendlichen mit diagnostizierter ADHS im Vergleich zu 28 Jugendlichen ohne ADHS zu untersuchen.

Methode: Zwei Fragebögen wurden von den Eltern ausgefüllt, um das Ausmaß der ADHS-Symptome der Teilnehmenden zu erfassen. Zwei weitere Fragebögen wurden von den Teilnehmenden selbst ausgefüllt und erfassten Schwierigkeiten bei sensorischer Modulation und Schlaf.

Ergebnisse: Die ADHS-Gruppe wies mehr sensorische Schwierigkeiten in den Bereichen Aktivitätsniveau, Hören und geringe Reizregistrierung sowie mehr Schwierigkeiten bei Variablen des Schlafverhaltens auf. In der ADHS-Gruppe fanden sich stärkere Korrelationen zwischen den sensorischen Variablen und den Schlafmaßen als in der Gruppe ohne ADHS. Signifikante Unterschiede zwischen Korrelationen zeigten sich für drei Schlafmaße und vier sensorische Variablen.

Schlussfolgerung: Die Diskussion widmet sich der Bewertung der Zusammenhänge zwischen den Maßen und kommt zu dem Schluss, dass bei Jugendlichen mit ADHS mögliche sensorische und schlafbezogene Schwierigkeiten erfasst und behandelt werden sollten. (J. of Att. Dis. 2014; 18(8) 646-653)

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Nicht-suizidale Selbstverletzung (NSSV) und Suizidalität in der Adoleszenz

Sowohl Nicht-suizidale Selbstverletzungen (NSSV) als auch suizidale Verhaltensweisen (etwa suizidale Gedanken, Suizidversuche) haben ihren Beginn in der Adoleszenz. In den letzten Jahren kam es zu einer zunehmenden Differenzierung zwischen NSSV und Suizidalität, was letztlich auch zum Vorschlag einer eigenständigen Diagnose für NSSV zur Aufnahme in das DSM-5 führte. Die vorliegende Arbeit soll basierend auf einer Übersicht der aktuellen Literatur einen Überblick über Definition, Epidemiologie, Ätiologie und Therapie von NSSV und Suizidalität im Jugendalter geben. Die Funktion von NSSV als Mittel der Stress-Regulation wird sowohl durch neurobiologische als auch durch psychologische Studien gestützt. Auch wenn NSSV und Suizidalität anhand der Absicht zu sterben unterschieden werden können, muss NSSV als Risikofaktor für spätere Suizidversuche beachtet werden.

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Entwicklungspsychologische Aspekte von Delinquenz – Empathie sowie pro- und reaktive Aggression im Kindes- und Jugendalter

Aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen ist meist ein vorübergehendes Phänomen. Hauptsächlich tritt es unproblematisch als entwicklungsphysiologisches Verhalten auf. Bei einem kleinen Teil von Kindern zeigt sich früh eine pathologische Entwicklung mit einem hohen Risiko für Delinquenz und sozialer Desintegration. Bindungsaspekte, Temperamentsfaktoren, bestimmte psychiatrische Störungen, aber auch soziale Faktoren sowie insbesondere der elterliche Erziehungsstil haben Einfluss auf die Ausbildung von Aggressivität und Delinquenz. Bestimmte Formen aggressiven Verhaltens, wie proaktive Aggression, prädisponieren eher zu längerfristigen Problemen. Psychopathie, Empathiedefizite und gleichgültig-unemotionale Persönlichkeitszüge sind Befunde, die gehäuft bei delinquenten Jugendlichen zu finden sind, wenngleich die Datenlage zur tatsächlichen Bedeutung der einzelnen Faktoren noch nicht konsistent ist.

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