Methylphenidat

Remission bei Kindern und Jugendlichen mit diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung durch ein wirksames und verträgliches Titrationsschema für Methylphenidat mit osmotischem oralem Freisetzungssystem

Ziel dieser Studie war es, mithilfe eines vorgegebenen Dosis-Titrationsschemas die optimale Dosis von Methylphenidat mit osmotischem oralem Freisetzungssystem (OROS-MPH) zu bestimmen, um bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine symptomatische Remission zu erreichen. Außerdem untersuchten wir über zehn Wochen Wirksamkeit und Sicherheit sowie die Zufriedenheit von Patienten und Eltern beim Wechsel von sofort freisetzendem Methylphenidat (IR-MPH) zu OROS-MPH.

Methode: Rekrutiert wurden 521 Kinder und Jugendliche im Alter von 6–18 Jahren mit einer ADHS-Diagnose nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Aufl. (DSM-IV) der American Psychiatric Association, die mindestens einen Monat lang IR-MPH (<70 mg/Tag) erhalten hatten. Die Behandlung wurde nach einem Umrechnungsschema von IR-MPH auf OROS-MPH umgestellt und begann mit einer sechswöchigen erzwungenen Titrationsphase von OROS-MPH zur Erreichung einer symptomatischen Remission. Diese war definiert als ein Wert von 0 oder 1 für jedes der ersten 18 ADHS-Items der chinesischen Version der Swanson, Nolan, and Pelham, Version IV (SNAP-IV). Es folgte eine vierwöchige Erhaltungsphase. Die globale ADHS-Schwere und Arzneimittelnebenwirkungen wurden bewertet. Eltern füllten Skalen zur ADHS-bezogenen Symptomatik aus. Zusätzlich wurde die Zufriedenheit von Patienten und Eltern mit der OROS-MPH-Behandlung erfasst.

Ergebnisse: Von den 439 Teilnehmenden mit ADHS, die die Studie abschlossen, erreichten 290 (66,1 %) eine symptomatische Remission. Die mittlere OROS-MPH-Dosis bei Teilnehmenden in Remission betrug 36,7 mg (1,08 mg/kg) pro Tag. In intraindividuellen Vergleichen vom Ausgangswert bis zum Studienende zeigten sich gesteigerte Wirksamkeit, höhere Zufriedenheit und eine gegenüber IR-MPH vergleichbare Sicherheit. Determinanten der Remission waren weniger schwere ADHS-Symptome (SNAP-IV-Wert < 40), keine familiäre ADHS-Belastung und eine dem Körpergewicht des Patienten angemessene Medikamentendosis.

Schlussfolgerungen: Die Befunde sprechen dafür, Remission als Behandlungsziel der ADHS-Therapie anzustreben, indem Kindern und Jugendlichen mit ADHS mithilfe eines wirksamen und verträglichen erzwungenen Titrationsschemas eine optimale Medikamentendosis bereitgestellt wird.

Remission bei Kindern und Jugendlichen mit diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung durch ein wirksames und verträgliches Titrationsschema für Methylphenidat mit osmotischem oralem Freisetzungssystem Beitrag lesen »

Langfristiges funktionelles Outcome bei erwachsenen Strafgefangenen mit ADHS unter OROS-Methylphenidat

In einer kürzlich durchgeführten randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie zeigten wir eine robuste Wirksamkeit (Cohen’s d = 2,17) von täglich 72 mg Methylphenidat mit oralem osmotischem Freisetzungssystem (OROS-Methylphenidat) über 5 Wochen gegenüber Placebo auf Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), den globalen Schweregrad und die globale Funktionsfähigkeit bei 30 erwachsenen männlichen Strafgefangenen mit ADHS und komorbiden Störungen. Die Outcomes verbesserten sich während der anschließenden 47-wöchigen offenen Verlängerung mit OROS-Methylphenidat in flexibler Tagesdosierung bis zu 1,3 mg/kg Körpergewicht weiter. In der vorliegenden Studie untersuchten wir die langfristige Wirksamkeit und Aufrechterhaltung der Verbesserungen über die insgesamt 52-wöchige Studie hinsichtlich Kognition, motorischer Aktivität, Verhalten in der Institution und Lebensqualität. Post hoc untersuchten wir die Zusammenhänge zwischen der Beurteilung der ADHS-Symptome durch Untersucher und Selbstbeurteilung sowie zwischen Symptombewertungen und Funktionsfähigkeit. Die mittels ANOVA mit Messwiederholung berechneten Outcomes verbesserten sich vom Ausgangswert bis Woche 16 und blieben bis Woche 52 stabil oder verbesserten sich weiter. Sowohl das verbale als auch das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis und das abstrakte verbale Schlussfolgern verbesserten sich im Zeitverlauf signifikant, ebenso mehrere kognitionsbezogene Maße und die motorische Aktivität. Es wurde kein Substanzmissbrauch festgestellt, und die Mehrheit der Teilnehmer nahm an psychosozialen Behandlungsprogrammen teil. Die Lebensqualitätsbereiche Lernen sowie Ziele und Werte verbesserten sich im Zeitverlauf; letzterer Bereich stand am Ende der offenen Phase in signifikantem Zusammenhang mit Verbesserungen der Aufmerksamkeit. Die Beurteilungen der ADHS-Symptome durch Untersucher und Selbstbeurteilungen sowie der globale Symptomschweregrad standen in Woche 52 am stärksten mit der globalen Funktionsfähigkeit in Zusammenhang. Schließlich waren die Untersucher- und Selbstbeurteilungen der ADHS-Symptome bereits zu Studienbeginn signifikant miteinander assoziiert, wobei die Übereinstimmung im Zeitverlauf zunahm.

Langfristiges funktionelles Outcome bei erwachsenen Strafgefangenen mit ADHS unter OROS-Methylphenidat Beitrag lesen »

Fehldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom? Empirische Befunde zur Frage der Überdiagnostizierung

Sowohl unter Experten als auch in der Öffentlichkeit wird oft vermutet, dass das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) überdiagnostiziert wird. Dennoch gibt es hierzu kaum empirische Befunde. Aktuelle Ergebnisse der hier dargestellten repräsentativen Befragung von Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -psychiatern liefern jedoch erstmals empirische Belege dafür, dass ADHS zu häufig diagnostiziert wird. Die Befunde zeigen, dass Jungen bei identischem Symptombild häufiger eine ADHS-Diagnose gestellt bekommen als Mädchen. Eine fälschliche ADHS-Diagnose zieht zudem die Empfehlung einer medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung nach sich. Als Erklärung für diese diagnostischen Fehlurteile wird diskutiert, dass Therapeuten –wie bei anderen Alltagsentscheidungen auch –in der Diagnosesituation Heuristiken einsetzen. Verbreitet sind dabei die Repräsentativitäts- und die Verfügbarkeitsheuristik. Eine klare Orientierung an Diagnosekriterien und die Anwendung standardisierter Befragungsinstrumente helfen, solche Fehler zu vermeiden.

Fehldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom? Empirische Befunde zur Frage der Überdiagnostizierung Beitrag lesen »

Einsatz des Test of Variables of Attention zur Bestimmung der Wirksamkeit von Modafinil bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Eine prospektive, mit Methylphenidat kontrollierte Studie

Die Wirksamkeit von Modafinil im Vergleich zu Methylphenidat bei der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindesalter wurde bislang nicht umfassend untersucht. Diese Studie verglich mithilfe des Test of Variables of Attention die Wirkung von Modafinil versus Methylphenidat auf die Daueraufmerksamkeit bei Kindern mit ADHS. Achtundzwanzig Teilnehmer absolvierten einen Ausgangstest, gefolgt von der Verabreichung einer Einzeldosis entweder Methylphenidat oder Modafinil; anschließend wurde der Test wiederholt. Der Test wurde ein drittes Mal durchgeführt, nachdem jeder Teilnehmer eine Dosis des zuvor nicht verabreichten Medikaments erhalten hatte. Der Vergleich der Werte ergab mittlere Ausgangs-, Post-Methylphenidat- und Post-Modafinil-Werte von –2,04, 0,017 bzw. 0,09. Zwischen den mit den beiden Medikamenten beobachteten Verbesserungen wurde kein Unterschied gefunden (P < .05). Unerwünschte Ereignisse waren bei beiden Wirkstoffen leicht und selbstlimitierend und umfassten Bauchschmerzen, Durchfall und vermindertes Schlafbedürfnis. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Modafinil ebenso wirksam ist wie Methylphenidat; zur Bestätigung dieser Ergebnisse ist jedoch eine größere Langzeitstudie erforderlich.

Einsatz des Test of Variables of Attention zur Bestimmung der Wirksamkeit von Modafinil bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Eine prospektive, mit Methylphenidat kontrollierte Studie Beitrag lesen »

Ein mathematisches Modell von Dopamin-Autorezeptoren und Wiederaufnahmehemmern und deren Einfluss auf tonische und phasische Dopaminsignale

Dopamin-(DA-)D2-ähnliche Autorezeptoren sind ein wichtiger Bestandteil des DA-Systems. Ihr Einfluss auf die postsynaptische DA-Signalübertragung ist jedoch nicht gut verstanden. Direkt oder indirekt sind sie an Drogenmissbrauch sowie an der Behandlung von Schizophrenie und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung beteiligt: DA-Autorezeptoren beeinflussen die Verhaltenswirkung von Kokain und Methylphenidat und könnten Ziel antipsychotischer Medikamente wie Haloperidol sein. DA-Autorezeptoren wirken auf zwei Ebenen: Somatodendritische Autorezeptoren beeinflussen vor allem die Feuerungsrate von DA-Neuronen, während präsynaptische Autorezeptoren die Neurotransmitterfreisetzung an axonalen Endigungen kontrollieren. Hier entwickeln wir ein mathematisches Modell, das die Dynamik dieses dualen Autoregulationssystems abbildet. Unser Modell sagt eine biphasische Autorezeptorreaktion zwischen DA-Terminalen und somatodendritischen Regionen voraus, welche die postsynaptische Integration dopaminerger Feuerungsmuster beeinflusst. Wir nutzten das Modell, um zu untersuchen, wie die Hemmung der DA-Wiederaufnahme die Übersetzung der Feuerungsaktivität von DA-Zellen in die Aktivierung postsynaptischer DA-Rezeptoren beeinflusst. Während die Wiederaufnahmehemmung die tonische Aktivierung postsynaptischer Rezeptoren mit niedriger Affinität erhöhte, sättigten Rezeptoren im hochaffinen Zustand und wurden dadurch unempfindlich gegenüber phasischer DA-Signalübertragung. Dieser Effekt zeigte eine ausgeprägte regionale Spezifität: Hochaffine DA-Rezeptoren im Nucleus accumbens sättigten bereits bei geringer Wiederaufnahmehemmung, im dorsalen Striatum dagegen erst bei stärkerer Wiederaufnahmehemmung. Auf Grundlage der Sättigung hochaffiner Rezeptoren sagte das Modell voraus, dass der Wegfall der Autorezeptorkontrolle zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Kokain führt.

Ein mathematisches Modell von Dopamin-Autorezeptoren und Wiederaufnahmehemmern und deren Einfluss auf tonische und phasische Dopaminsignale Beitrag lesen »

Effekte von Methylphenidat mit osmotischer Freisetzung auf Körpergröße und Gewicht bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nach bis zu vierjähriger Behandlung

Hinsichtlich eines möglichen negativen Einflusses von Methylphenidat auf das Wachstum bestehen gewisse Kontroversen. Die Autoren werteten die klinischen Unterlagen von 187 Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung aus, die mit Methylphenidat behandelt wurden. Gewicht, Körpergröße und Body-Mass-Index der Patienten wurden bei Diagnosestellung und während einer vierjährigen Nachbeobachtung gemessen. Die Methylphenidatdosis wurde schrittweise auf bis zu 1,31 + 0,2 mg/kg/Tag erhöht. Bei Diagnosestellung lag das mittlere Gewicht 0,697 kg unter dem für das Alter erwarteten Mittelwert. Diese Differenz nahm bis auf 4,274 kg zu (nach 30 Behandlungsmonaten), verringerte sich anschließend jedoch auf 1,588 kg (nach 48 Behandlungsmonaten). Die mittlere Körpergröße lag bei Diagnosestellung 0,42 cm unter der für das Alter erwarteten mittleren Größe. Diese Differenz nahm bis auf 2,69 cm zu (nach 30 Behandlungsmonaten), verringerte sich anschließend jedoch auf 0,83 cm (nach 48 Behandlungsmonaten). Der Zusammenhang zwischen Ernährungsstatus und den negativen Effekten auf die Wachstumskurve dieser Patienten würde eine Optimierung der Ernährung erfordern, um die anthropometrischen Variablen wieder zu normalisieren.

Effekte von Methylphenidat mit osmotischer Freisetzung auf Körpergröße und Gewicht bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nach bis zu vierjähriger Behandlung Beitrag lesen »

Effekte von Methylphenidat auf den attentionalen Set-Shifting-Prozess in einem genetischen Modell der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Hintergrund: Obwohl Defizite beim attentionalen Set-Shifting bei Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beschrieben wurden, wird dies in Tiermodellen nur selten untersucht.

Methoden: Diese Studie verglich spontan hypertensive Ratten (SHR; ein genetisches Tiermodell für ADHS) mit Wistar-Kyoto- (WKY) und Sprague-Dawley-Ratten (SD; normoaktive Kontrollstämme) hinsichtlich ihrer Leistung in einer Attentional-Set-Shifting-Aufgabe (ASST). Darüber hinaus wurden die dosisabhängigen Effekte von Methylphenidat (MPH) auf das attentionale Set-Shifting bei SHR untersucht. In Experiment 1 wurden ASST-Verfahren bei jeweils 8 SHR-, WKY- und SD-Ratten im Alter von 5 Wochen durchgeführt. Erfasst wurden mittlere Latenzzeiten in der Anfangsphase, Fehlertypen und -anzahl sowie die Anzahl der Durchgänge bis zum Erreichen des Kriteriums in jeder Stufe. In Experiment 2 wurden 24 SHR-Ratten zufällig drei Gruppen mit jeweils 8 Tieren zugeteilt: MPH-L (niedrigere Dosis), MPH-H (höhere Dosis) und SHR-Vehikel. Ab einem Alter von 3 Wochen erhielten sie über 14 aufeinanderfolgende Tage jeweils 2,5 mg/kg bzw. 5 mg/kg MPH oder Kochsalzlösung. Alle Ratten wurden im Alter von 5 Wochen mit der ASST getestet.

Ergebnisse: Die SHR zeigten insgesamt eine schlechtere ASST-Leistung als die Kontrollstämme WKY und SD. Es wurden signifikante Stamm-Effekte auf die mittlere Latenz [F (2, 21) = 639,636, p < 0,001] und die Anzahl der Durchgänge bis zum Kriterium [F (2, 21) = 114,118, p < 0,001] beobachtet. SHR wiesen mehr perseverative und regressive Fehler auf als die Kontrollstämme (p < 0,001). Nach der MPH-Behandlung zeigten die beiden MPH-behandelten Gruppen signifikant längere Latenzen und benötigten weniger Durchgänge bis zum Erreichen des Kriteriums als die SHR-Vehikelgruppe; die MPH-L-Gruppe benötigte zudem in mehr Stufen weniger Durchgänge bis zum Kriterium als die MPH-H-Gruppe. Es fanden sich signifikante Haupteffekte der Behandlung [F (2, 21) = 52,174, p < 0,001] und des Fehlersubtyps [F (2, 42) = 221,635, p < 0,01].

Schlussfolgerungen: SHR könnten beim Diskriminationslernen, Umkehrlernen und attentionalen Set-Shifting beeinträchtigt sein. Unsere Studie liefert Hinweise darauf, dass MPH die Leistung von SHR beim attentionalen Set-Shifting verbessern kann und dass eine niedrigere Dosis wirksamer ist als eine höhere.

Effekte von Methylphenidat auf den attentionalen Set-Shifting-Prozess in einem genetischen Modell der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung Beitrag lesen »

Die medikamentöse Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung im Kindes- und Jugendalter mit Amphetaminpräparaten

Einleitung: Die wichtigsten Psychostimulanzien in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung stellen Methylphenidat und Amphetaminsalze dar.

Fragestellung: In der vorliegenden Arbeit werden die pharmakologischen Charakteristika von Amphetaminpräparaten zusammengefasst. Außerdem werden die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen im Vergleich zu Methylphenidat erläutert.

Methodik: Die Arbeit basiert auf einer Medline-Recherche. Eingang fanden kontrollierte Studien und Metaanalysen zwischen 1980 und 2011. Verwendete Suchwörter waren Amphetamin, Amphetaminsalze, Lisdexamphetamin, kontrollierte Studien und Metaanalysen.

Ergebnisse und Diskussion: Amphetaminpräparate weisen gegenüber Methylphenidat einige pharmakologische Besonderheiten auf, indem sie neben der Dopamin-Wiederaufnahmehemmung auch die Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin bewirken. Die klinische Wirksamkeit von Amphetaminpräparaten ist so gut wie die von Methylphenidat und das Nebenwirkungsspektrum als vergleichbar einzuschätzen. Bei ausbleibender Therapieresponse auf Methylphenidat kann vor dem Übergang auf eine Substanz zweiter Wahl durch den Einsatz eines Amphetaminpräparates die Ansprechrate auf Psychostimulanzien optimiert werden. Da potentiell bei nicht vorgeschriebener Einnahme im Erwachsenenalter eine erhöhte Missbrauchsgefahr von herkömmlichen Amphetaminpräparaten feststellbar ist, könnte darüber hinaus dem Propharmakon Lisdexamphetamin eine wichtige Bedeutung zukommen aufgrund einer robusten klinischen Wirksamkeit, eines besseren Wirkprofils und möglicherweise geringeren Missbrauchsgefahren. Schlussfolgerungen: Amphetaminpräparate sind eine wichtige Ergänzung zu Methylphenidat in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung. Unklarheit besteht derzeit über eine differentielle Behandlungsindikation in Abhängigkeit der Symptomkonstellation und möglicher Komorbiditäten.

Die medikamentöse Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung im Kindes- und Jugendalter mit Amphetaminpräparaten Beitrag lesen »

Anwendung von Medikamenten gegen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in Dänemark: Eine Arzneimittelverbrauchsstudie aus nationaler Perspektive

Zweck: Ziel der Studie war es, den Einsatz von Medikamenten gegen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Dänemark zwischen 1995 und 2011 aus nationaler Perspektive anhand populationsbasierter Verordnungsdaten zu charakterisieren.

Methoden: Nationale Daten zum Arzneimittelverbrauch in Dänemark zwischen dem 1. Januar 1995 und dem 30. September 2011 wurden dem Registry of Medicinal Product Statistics (RMPS) entnommen. Der Arzneimittelverbrauch wurde mittels deskriptiver Statistik charakterisiert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 1.085.090 Verordnungen für 54.020 Personen identifiziert. Die Inzidenzrate war in den letzten drei Jahren des Untersuchungszeitraums stabil; gegen Ende zeigte sich eine leicht sinkende Inzidenzrate und eine Stabilisierung der Prävalenz. Die therapeutische Intensität betrug 6,7 definierte Tagesdosen/Person/Tag, bei großen regionalen Unterschieden zwischen 64 und 145 % des nationalen Durchschnitts. Methylphenidat machte 92,6 % der verwendeten DDD aus. Hausärzte leiteten die Behandlung nur selten ein, wobei eine Behandlungsinitiierung auf hausärztliche Empfehlung mit zunehmendem Patientenalter häufiger wurde. Die Erhaltungstherapie war ungefähr gleichmäßig auf die verschiedenen Verordnertypen verteilt. Bei Methylphenidat entfielen 6,1 % des Arzneimittelvolumens auf 1 % der Anwender und 84,4 % auf 50 % der Anwender. Die Daten sprechen daher nicht für einen hohen Anteil besonders starker Anwender.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Analyse sind überwiegend beruhigend; die Daten weisen auf offenbar stagnierende Inzidenz- und Prävalenzraten hin und liefern keine Hinweise auf einen hohen Anteil intensiver Anwender. Das Verordnerprofil bei Neu-Anwendern und die großen regionalen Unterschiede geben jedoch Anlass zur Sorge. Daher ist eine engmaschige Beobachtung des Einsatzes von ADHS-Medikamenten wesentlich.

Anwendung von Medikamenten gegen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in Dänemark: Eine Arzneimittelverbrauchsstudie aus nationaler Perspektive Beitrag lesen »

Auswirkungen von Methylphenidat auf die Leistung bei einer praktischen Pistolenschießaufgabe: Eine quantitative Elektroenzephalografie-(qEEG-)Studie

Hintergrund: Die vorliegende Studie untersuchte bei unerfahrenen Soldaten unter dem Einfluss von Methylphenidat (MPH) während der vorbereitenden Zielphase einer praktischen Pistolenschießaufgabe die absolute Alpha-Leistung mittels quantitativer Elektroenzephalografie (qEEG) in bilateralen temporalen und parietalen Kortizes. Da Methylphenidat nachweislich aufgabenbezogene kognitive Funktionen verbessert, erwarteten wir in der MPH-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe während der Vorbereitungsphase gegenüber der Baseline vor dem Schuss eine stärkere bihemisphärische kortikale Aktivierung.

Methoden: Zwanzig gesunde, unerfahrene Soldaten wurden in einem randomisierten doppelblinden Design gleichmäßig einer Kontrollgruppe (KG; n = 10) und einer MPH-Gruppe mit 10 mg (MG; n = 10) zugeteilt. Die Teilnehmenden führten eine Pistolenschießaufgabe aus, während die elektroenzephalografische Aktivität aufgezeichnet wurde.

Ergebnisse: Für Verhaltensmaße fanden sich Haupteffekte der Gruppe und der Übungsblöcke; für die EEG-Maße zeigten sich Interaktionen zwischen Gruppe und Phasen an den Elektroden T3, T4, P3 und P4. Bei den Verhaltensmaßen zeigte die MPH-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikant schlechtere Schießleistung; außerdem verbesserten sich die Werte in beiden Gruppen über die Übungsblöcke signifikant. In den EEG-Daten beobachteten wir über die Übungsblöcke eine signifikante Zunahme der Alpha-Leistung, die in der MPH-Gruppe jedoch signifikant niedriger war als in der Placebogruppe. Zudem zeigte sich während PTM an den Elektroden T4 und P4 eine signifikante Abnahme der Alpha-Leistung.

Schlussfolgerung: Obwohl wir keine Korrelation zwischen Verhaltens- und EEG-Daten fanden, zeigen unsere Ergebnisse, dass MPH das Erlernen der Aufgabe bei gesunden Personen nicht verhinderte. Während der Übungsblöcke (PBs) begünstigte es die Leistung gegenüber der Kontrollgruppe jedoch ebenfalls nicht. Die ZNS-Wirkungen von MPH scheinen zunächst eine Phase der Neujustierung integrierter Prozesse des sensomotorischen Systems zu erfordern. Anders formuliert scheint MPH aufgrund einer möglichen Modulation neuronaler Aktivität eine anfängliche Instabilität hervorzurufen, die sich durch niedrigere Alpha-Leistung und damit höhere kortikale Aktivität erklären lässt. Nach Ende von PB1 stellte sich durch die Wiederholung der Aufgabe offenbar eine neue Stabilisierung neuronaler Schaltkreise ein, verbunden mit höherer kortikaler Aktivität während der Aufgabe. Zusammenfassend war die Leistung der MPH-Gruppe zunächst nicht besser als die der Kontrollgruppe, übertraf diese später jedoch, ohne statistische Signifikanz zu erreichen.

Auswirkungen von Methylphenidat auf die Leistung bei einer praktischen Pistolenschießaufgabe: Eine quantitative Elektroenzephalografie-(qEEG-)Studie Beitrag lesen »

Nach oben scrollen