Methylphenidat

Zusammenhänge von Schlafstörungen mit ADHS: Implikationen für die Behandlung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist häufig mit gestörtem oder beeinträchtigtem Schlaf verbunden. Die Beziehungen zwischen ADHS, Schlafproblemen, psychiatrischen Komorbiditäten und Medikamenten sind komplex und multidirektional. Die Ergebnisse veröffentlichter Studien, die den Schlaf von Menschen mit ADHS mit dem typisch entwickelter Kontrollpersonen vergleichen, stimmen am stärksten hinsichtlich folgender Zusammenhänge mit ADHS überein: Hypopnoe/Apnoe und periodische Extremitätenbewegungen im Schlaf oder nächtliche motorische Aktivität in polysomnografischen Studien; verlängerte Einschlaflatenz und kürzere Schlafdauer in aktigrafischen Studien; sowie Widerstand gegen das Zubettgehen, Schwierigkeiten beim morgendlichen Erwachen, Einschlafprobleme, schlafbezogene Atmungsstörungen, nächtliches Erwachen und Tagesschläfrigkeit in subjektiven Studien. ADHS tritt zudem häufig gemeinsam mit Schlafstörungen auf (obstruktive Schlafapnoe, periodische Extremitätenbewegungsstörung, Restless-Legs-Syndrom und zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen). Psychostimulanzien sind mit beeinträchtigtem oder gestörtem Schlaf verbunden, können manche Patienten mit ADHS jedoch „paradoxerweise“ beruhigen und durch Symptomlinderung den Schlaf erleichtern. Langwirksame Formulierungen können eine unzureichende Wirkdauer haben, was am Abend zu einem Symptom-Rebound führt. Aktuelle Leitlinien empfehlen, Schlafstörungen im Rahmen der ADHS-Diagnostik und vor Beginn einer Pharmakotherapie zu erfassen; gesunde Schlafgewohnheiten gelten als erste Maßnahme bei Schlafproblemen. Diese Übersichtsarbeit gibt einen umfassenden Überblick über die Beziehungen zwischen ADHS und Schlaf und stellt ein konzeptionelles Modell der Interaktionsweisen vor: ADHS kann als intrinsisches Merkmal der Störung Schlafprobleme verursachen; Schlafprobleme können ADHS verursachen oder imitieren; ADHS und Schlafprobleme können sich wechselseitig beeinflussen, möglicherweise unter Beteiligung von Komorbiditäten; und ADHS und Schlafprobleme können eine gemeinsame zugrunde liegende neurologische Ätiologie aufweisen.

Zusammenhänge von Schlafstörungen mit ADHS: Implikationen für die Behandlung Beitrag lesen »

Vorhersage des Behandlungsergebnisses mit Methylphenidat bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine sehr häufige psychische Störung des Kindesalters, die oft bis ins Erwachsenenalter fortbesteht. Methylphenidat (MPH) gehört zu den wirksamsten Medikamenten zur Behandlung von ADHS, dennoch zeigen auch einige erwachsene Patienten kein ausreichendes Ansprechen auf dieses Medikament. In dieser Arbeit geben wir auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche einen Überblick über genetische, bildgebende, klinische und andere Studien, die versucht haben, Gründe für ein Nichtansprechen bei Erwachsenen mit ADHS zu identifizieren. Obwohl MPH eine etablierte Behandlung für Erwachsene mit ADHS ist, ist die Forschung zur Vorhersage des Behandlungsergebnisses bislang begrenzt und hat uneinheitliche Befunde erbracht. Verlässliche neurobiologische Marker für das Behandlungsansprechen wurden bisher nicht identifiziert. Einige klinische Studien deuten darauf hin, dass Komorbiditäten mit Substanzkonsumstörungen und Persönlichkeitsstörungen den Behandlungsverlauf und das Ergebnis beeinflussen. Da MPH in der Behandlung von Erwachsenen mit ADHS weit verbreitet ist, sind deutlich mehr Untersuchungen zu positiven und negativen Prädiktoren des langfristigen Behandlungsergebnisses erforderlich, um die pharmakologische Behandlung erwachsener ADHS-Patienten zu optimieren.

Vorhersage des Behandlungsergebnisses mit Methylphenidat bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Beitrag lesen »

Transkranielle Magnetstimulation (TMS), Inhibitionsprozesse und Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Die Exzitabilität des motorischen Systems kann mittels der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) untersucht werden. In dieser Arbeit wird ein Überblick über methodische Weiterentwicklungen und Forschungsergebnisse im Bereich der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) der vergangenen Jahre gegeben. Es werden verschiedene TMS-Parameter vorgestellt, die unter anderem die Funktion von Interneuronen im Motorkortex abbilden und neurophysiologische Inhibitionsmarker für ADHS darstellen könnten. Dies gilt insbesondere für die sogenannte intrakortikale Inhibition, die bei Kindern mit stark ausgeprägter hyperaktiver/impulsiver Symptomatik in Ruhe ähnlich gering wie kurz vor der Durchführung einer Bewegung ausfällt. Durch die Ableitung von TMS-evozierten Potentialen im EEG können Exzitabilitätsprozesse prinzipiell auch in nicht-motorischen Arealen untersucht werden. Die Effekte von Methylphenidat auf die Exzitabilität des motorischen Systems lassen sich im Sinne eines «Fine-Tunings» interpretieren, wobei diese überwiegend dopaminergen Effekte auch von genetischen Parametern (DAT1 Transporter) abhängen. Ein detaillierter Blick auf die Organisation motorischer Kontrolle ist durch eine kombinierte Messung von TMS-Parametern und ereignisbezogenen Potentialen möglich. Mit diesem Ansatz konnten bei Kindern mit ADHS eine unterschiedliche Implementierung bzw. mögliche kompensatorische Mechanismen (unter Beteiligung des präfrontalen Kortex) aufgezeigt werden. Diese Befunde, die zu einem besseren Verständnis von Hyperaktivität/Impulsivität, Inhibitionsmechanismen und motorischer Kontrolle bei ADHS sowie den Wirkmechanismen medikamentöser Therapie beitragen, unterstreichen die Bedeutung der TMS als neurophysiologische Methode zur Erforschung von ADHS.

Transkranielle Magnetstimulation (TMS), Inhibitionsprozesse und Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Beitrag lesen »

Neurofeedback und pharmakologische Standardintervention bei ADHS: Eine randomisierte kontrollierte Studie mit sechsmonatigem Follow-up

Die vorliegende randomisierte kontrollierte Studie untersucht die Wirksamkeit von Neurofeedback im Vergleich zu einer pharmakologischen Standardintervention bei der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die endgültige Stichprobe bestand aus 23 Kindern mit ADHS (11 Jungen und 12 Mädchen im Alter von 7–14 Jahren). Die Teilnehmenden absolvierten 40 Theta/Beta-Trainingssitzungen oder erhielten Methylphenidat. Verhaltensbeurteilungsskalen wurden von Vätern, Müttern und Lehrkräften vor und nach der Behandlung sowie bei naturalistischen Nachuntersuchungen nach zwei und sechs Monaten ausgefüllt. In beiden Gruppen berichteten die Eltern vergleichbare signifikante Verringerungen ADHS-bedingter funktioneller Beeinträchtigungen; Eltern und Lehrkräfte berichteten zudem vergleichbare signifikante Reduktionen der primären ADHS-Symptome. Signifikante Verbesserungen der schulischen Leistung wurden jedoch nur in der Neurofeedbackgruppe festgestellt. Unsere Befunde liefern neue Evidenz für die Wirksamkeit von Neurofeedback und erweitern das Spektrum nichtpharmakologischer Interventionsmöglichkeiten bei ADHS. Nach unserem Wissen ist dies die erste randomisierte kontrollierte Studie mit sechsmonatigem Follow-up, die Neurofeedback und Stimulanzienmedikation bei ADHS vergleicht.

Neurofeedback und pharmakologische Standardintervention bei ADHS: Eine randomisierte kontrollierte Studie mit sechsmonatigem Follow-up Beitrag lesen »

Langzeitergebnisse pharmakologisch behandelter versus unbehandelter Erwachsener mit ADHS und Substanzkonsumstörung: Eine naturalistische Studie

Hintergrund und Ziele: Die pharmakologische Behandlung von Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und schwerer Substanzkonsumstörung (SUD) ist umstritten; nur wenige Studien haben die langfristigen psychosozialen Ergebnisse solcher Behandlungen untersucht. Unser Ziel war es zu prüfen, ob eine pharmakologische Behandlung mit verbesserten langfristigen psychosozialen Ergebnissen verbunden war.

Methoden: Die vorliegende naturalistische Studie bestand aus einer langfristigen Nachbeobachtung von 60 männlichen Patienten mit ADHS und komorbider schwerer SUD; alle Teilnehmenden hatten wegen schweren Substanzmissbrauchs eine verpflichtende stationäre Behandlung erhalten. Der durchschnittliche Zeitraum zwischen Entlassung aus der stationären Behandlung und Nachuntersuchung betrug 18,4 Monate. 30 Patienten hatten eine pharmakologische ADHS-Behandlung erhalten, 30 waren pharmakologisch unbehandelt. Die Gruppen wurden hinsichtlich Mortalität und psychosozialer Ergebnisse verglichen, operationalisiert als Status des Substanzkonsums, laufende freiwillige Rehabilitation, aktuelle Wohnsituation und Beschäftigungsstatus.

Ergebnisse: Die Gruppen waren hinsichtlich demografischer und Hintergrundmerkmale vergleichbar. Insgesamt war die Mortalität hoch; 8,3 % der Teilnehmenden waren bis zur Nachuntersuchung verstorben (eine Person in der pharmakologisch behandelten und vier in der unbehandelten Gruppe; der Gruppenunterschied war nicht signifikant). Die pharmakologisch wegen ADHS behandelte Gruppe zeigte weniger Rückfälle in den Substanzkonsum, nahm häufiger freiwillige Behandlungen entsprechend einem Rehabilitationsplan in Anspruch, benötigte seltener verpflichtende Betreuung, lebte häufiger in betreutem Wohnen oder einem Rehabilitationszentrum und wies eine höhere Beschäftigungsrate auf als die unbehandelte Gruppe.

Schlussfolgerungen: Die Empfehlungen zur engmaschigen klinischen Überwachung von Hochrisikopopulationen sowie zur Prävention von Fehlgebrauch und Weitergabe von Medikamenten wurden im strukturierten Umfeld der verpflichtenden Versorgung der behandelten Gruppe umgesetzt. Eine pharmakologische Behandlung der ADHS bei Personen mit schwerer SUD kann das Rückfallrisiko verringern und die Fähigkeit dieser Patienten erhöhen, einem nichtpharmakologischen Rehabilitationsplan zu folgen, wodurch sich ihre langfristigen Ergebnisse verbessern können.

Langzeitergebnisse pharmakologisch behandelter versus unbehandelter Erwachsener mit ADHS und Substanzkonsumstörung: Eine naturalistische Studie Beitrag lesen »

Kombinierte Behandlung mit Methylphenidat und Desipramin verbessert die PTBS-Symptomatik in einem Rattenmodell

Antidepressiva stellen die pharmakologische Erstlinienbehandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) dar. Da viele Patienten jedoch keinen ausreichenden Nutzen von Medikamenten zeigen, wurde vorgeschlagen, Antidepressiva mit zusätzlichen Wirkstoffen zu kombinieren. Zu den definierenden Symptomen der PTBS gehören Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass PTBS-Patienten leicht ablenkbar werden und häufig unter Konzentrationsproblemen leiden; zudem bestehen Hinweise auf eine Komorbidität mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Methylphenidat (MPH) ist die häufigste und wirksamste medikamentöse Behandlung der ADHS. Daher untersuchten wir die Effekte einer MPH-Behandlung allein oder in Kombination mit den Antidepressiva Fluoxetin (FLU) oder Desipramin (DES). Wir modifizierten ein Tiermodell der PTBS, indem wir Ratten chronischem Stress aussetzten und anschließend die Entwicklung PTBS-ähnlicher Verhaltenssymptome sowie Effekte auf proinflammatorische Zytokine untersuchten, die mit PTBS in Verbindung gebracht wurden. FLU oder DES wirkten günstig auf Vermeidungs- und Übererregungssymptome, während MPH alle drei Symptomgruppen verbesserte. Die Kombination von MPH und DES zeigte die ausgeprägtesten günstigen Effekte. Die Serumspiegel von Interleukin-1β (IL-1β) und IL-6 waren in der PTBS-ähnlichen Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe erhöht und wurden durch MPH, FLU, DES oder die Kombinationsbehandlungen reduziert; die Kombination DES + MPH bewirkte die vollständigste Normalisierung der Entzündungsreaktion. Angesichts der vielfältigen PTBS-Symptomatik legen unsere Ergebnisse eine neue Kombinationstherapie für PTBS nahe, bestehend aus dem Antidepressivum DES und dem Psychostimulans MPH.

Kombinierte Behandlung mit Methylphenidat und Desipramin verbessert die PTBS-Symptomatik in einem Rattenmodell Beitrag lesen »

Zur Präpulsinhibition des akustischen Startles und dem Einfluss von Methylphenidat bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Neben den zahlreichen Symptomen ist eine interessante Beobachtung bei der AD(H)S, dass sie häufig mit einer monosymptomatischen Enuresis assoziiert ist (Ornitz et al. 1992). Die Pathophysiologie der monosymptomatischen Enuresis ist ebenso wie die der AD(H)S bis heute noch nicht vollständig verstanden (Sumner et al. 2006).

Studien an Kindern mit Enuresis konnten eine reduzierte Reflexhemmung (Präpulsinhibition (PPI)) in Startle-Versuchen nachweisen, die durch eine gleichzeitig vorliegende AD(H)S noch stärker ausgeprägt, jedoch bei AD(H)S ohne Enuresis nicht nachweisbar war (Ornitz et al. 1999). Die Messung der PPI der akustischen Startle-Reaktion ist eine anerkannte Methode, um die Mechanismen des so genannten „sensorimotor Gatings“ nachzuweisen (Feifel et al. 2009). Beim „sensorimotor Gating“ handelt es sich um eine zentrale Reflexkontrolle auf Hirnstammebene, die bedeutungslose Informationen von bedeutsamen unterscheidet und diese herausfiltert und somit unterdrückt. Auf diese Weise werden nur wichtige Informationen im Gehirn verarbeitet (Schwabe et al. 2009). So wird beispielsweise die akustische Information über ein vorbei fliegendes Flugzeug keinen Einfluss auf laufende Tätigkeiten, wie zum Beispiel Fahrrad fahren, haben. Bei Kindern mit AD(H)S erscheint genau diese Funktion defizitär, da diese Kinder scheinbar nicht zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Informationen unterscheiden können. Ein Kind mit AD(H)S könnte so zum Beispiel durch das Flugzeug derart abgelenkt werden, dass es sich nicht mehr auf das Fahrradfahren konzentrieren kann.

Die PPI ist Teil eines Reifungsprozesses, der bei verschiedenen Erkrankungen verzögert verläuft (Feifel et al. 2009). Bei Kindern mit Enuresis zeigte sich durch eine dDAVP-Therapie (1-Desamino-8-D-Arginin-Vasopressin) eine Verbesserung der PPI (Schulz-Juergensen et al. 2007). Einzelne Patienten zeigen neben einer Enuresis auch eine AD(H)S dessen Symptome sich interessanterweise ebenfalls unter der dDAVP-Therapie bessern (S. Schulz-Juergensen, pers. Mitteilung). Auch umgekehrt wurde durch Behandlung einer AD(H)S eine Verringerung der Symptomatik einer monosymptomatischen Enuresis beobachtet (Shatkin 2004). Es liegt die Vermutung nahe, dass es Gemeinsamkeiten in der Pathogenese der AD(H)S und der monosymptomatischen Enuresis gibt. Das führt zur Frage, ob nicht auch bei Kindern mit AD(H)S oder zumindest einem Teil von ihnen die medikamentöse Therapie mit Methylphenidat eine Verbesserung der PPI zeigt und auf diese Weise ein besseres Verständnis der Wirkmechanismen dieses Medikaments erlangt werden kann. In dieser Dissertation soll daher die Hypothese geprüft werden, ob bei Kindern mit AD(H)S oder auch nur bei einem Teil dieses Kollektivs die Methylphenidat-Therapie einen Einfluss auf die PPI hat. Eine Bestätigung dieser Hypothese hätte Konsequenzen für das Verständnis dieser Störung und ihrer Therapie.

Zur Präpulsinhibition des akustischen Startles und dem Einfluss von Methylphenidat bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung Beitrag lesen »

Methylphenidat und Impulsivität: Vergleich der Effekte von Methylphenidat-Enantiomeren auf die zeitliche Belohnungsabwertung bei Ratten

Begründung: Aktuelle Methylphenidat-(MPH-)Formulierungen zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) führen zu deutlich unterschiedlicher Bioverfügbarkeit der MPH-Enantiomere. Daytrana®, ein transdermales dl-MPH-Pflastersystem, erzeugt höhere l-MPH-Spiegel als die orale Gabe von dl-MPH (z. B. Ritalin®). Eine mögliche Einschränkung erhöhter l-MPH-Spiegel wurde in einer präklinischen Studie aufgezeigt, wonach l-MPH die Wirkungen von d-MPH abschwächen könnte.

Ziele: Ziel der Studie war es, die Wechselwirkungen zwischen den MPH-Enantiomeren zu untersuchen, indem (1) Arzneimittelwirkungen anhand eines präklinischen Modells von „Impulsivität“ bewertet und (2) eine quantitative Analyse der Dosisäquivalenz der Enantiomerinteraktionen durchgeführt wurde.

Methoden: Sprague-Dawley-Ratten wurden darauf trainiert, eine von zwei Reaktionen auszuführen: eine führte unmittelbar zu einem Futterpellet, die andere zu vier Pellets, die nach zunehmend längeren Verzögerungen (0, 8 und 32 s) verabreicht wurden. Der prozentuale Anteil der Wahl der größeren Futtermenge wurde in Abhängigkeit von der Verzögerung dargestellt und die Fläche unter der Kurve (AUC) bestimmt. Eine Zunahme der AUC entspricht einer Abnahme der „Impulsivität“ (d. h. einer geringeren Wahl der kleineren sofortigen gegenüber der größeren verzögerten Verstärkung).

Ergebnisse: Die systemische Gabe von dl-MPH und d-MPH erhöhte die AUC dosisabhängig, während l-MPH, Morphin und Pentobarbital die AUC nicht veränderten. Eine auf Dosisäquivalenz beruhende Analyse zeigte, dass dl-MPH additive Effekte hervorbrachte, die nicht von den aus den separat verabreichten Enantiomeren vorhergesagten Effekten abwichen.

Schlussfolgerungen: Die vorliegenden Ergebnisse zeigen pharmakologisch selektive Effekte, da nur zur Behandlung von ADHS-Symptomen verordnete Substanzen ein Maß der „Impulsivität“ verringerten. Zudem schwächt oder verstärkt l-MPH die Wirkungen von d-MPH in der vorliegenden Aufgabe zur zeitlichen Belohnungsabwertung wahrscheinlich nicht.

Methylphenidat und Impulsivität: Vergleich der Effekte von Methylphenidat-Enantiomeren auf die zeitliche Belohnungsabwertung bei Ratten Beitrag lesen »

Langfristige orale Methylphenidatbehandlung bei jugendlichen und erwachsenen Ratten: Unterschiedliche Auswirkungen auf Hirnmorphologie und -funktion

Methylphenidat ist ein häufig verordnetes Psychostimulans zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen, was Fragen nach möglichen Einflüssen auf das sich entwickelnde Gehirn aufwirft. In der vorliegenden Studie untersuchten wir die Auswirkungen einer dreiwöchigen oralen Behandlung mit Methylphenidat (5 mg/kg) gegenüber Vehikel auf Hirnstruktur und -funktion bei jugendlichen (postnataler Tag [P]25) und erwachsenen (P65) Ratten. Nach einer einwöchigen Auswaschphase nutzten wir multimodale Magnetresonanztomografie (MRT), um Alters- und Behandlungseffekte auf die mittels unabhängiger Komponentenanalyse bestimmte funktionelle Konnektivität (Ruhezustands-fMRT), d-Amphetamin-induzierte neuronale Aktivierungsreaktionen (pharmakologische MRT), Gewebevolumina der grauen und weißen Substanz sowie kortikale Dicke (postmortale strukturelle MRT) und die strukturelle Integrität der weißen Substanz (postmortale Diffusionstensorbildgebung, DTI) zu untersuchen. Es fanden sich zahlreiche altersbezogene Unterschiede, darunter kortikale Ausdünnung, Entwicklung der weißen Substanz, stärkere dopaminvermittelte Aktivierungsreaktionen und erhöhte striatale funktionelle Konnektivität. Methylphenidat verringerte die Stärke des anterior-zingulären kortikalen Netzwerks sowohl bei jugendlichen als auch bei erwachsenen Tieren. Im Gegensatz zu klinischen Beobachtungen aus Studien mit ADHS-Patienten erhöhte Methylphenidat bei Ratten weder das Volumen der weißen Substanz noch die kortikale Dicke. Dennoch war die DTI-basierte fraktionelle Anisotropie nach Behandlung im Jugendalter im vorderen Teil des Corpus callosum erhöht. Darüber hinaus wirkte Methylphenidat bei Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlich, erkennbar an einem reduzierten Striatumvolumen und einer verminderten Myelinisierung nach Behandlung im Jugendalter, obwohl keine nachteiligen Behandlungseffekte auf die funktionelle Aktivität des Striatums beobachtet wurden. Unsere Befunde kleiner, aber signifikanter altersabhängiger Effekte einer Psychostimulanzienbehandlung im Striatum gesunder Ratten unterstreichen die Bedeutung weiterer Forschung bei Kindern und Jugendlichen, die Methylphenidat ausgesetzt sind.

Langfristige orale Methylphenidatbehandlung bei jugendlichen und erwachsenen Ratten: Unterschiedliche Auswirkungen auf Hirnmorphologie und -funktion Beitrag lesen »

Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Getrennte und kombinierte Effekte von Anreizen und Stimulanzienmedikation

Das Arbeitsgedächtnis (AG) gilt als Kerndefizit bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS); zahlreiche Studien zeigen eine beeinträchtigte AG-Leistung bei Kindern mit ADHS. Wir untersuchten, in welchem Ausmaß das AG bei Kindern mit ADHS durch leistungsabhängige Anreize, ein Analogon einer Verhaltensintervention, verbessert wurde. In zwei Studien wurde die AG-Leistung mithilfe einer visuell-räumlichen n-back-Aufgabe erfasst. Studie 1 verglich Kinder (9–12 Jahre) mit ADHS vom kombinierten Typ (n=24) mit einer Gruppe typisch entwickelter Kinder (n=32). Studie 1 replizierte AG-Defizite bei Kindern mit ADHS. Anreize verbesserten das AG, insbesondere bei Kindern mit ADHS. Die Bereitstellung von Anreizen verringerte den Unterschied zwischen ADHS- und Kontrollgruppe um etwa die Hälfte, normalisierte die AG-Leistung jedoch nicht. Studie 2 untersuchte die getrennten und kombinierten Effekte von Anreizen und Stimulanzienmedikation bei 17 Kindern mit ADHS vom kombinierten Typ. Sowohl Anreize als auch eine moderate Dosis langwirksamen Methylphenidats (MPH; ~0,3 mg/kg entsprechend dreimal täglich) verbesserten das AG deutlich gegenüber der Bedingung ohne Anreiz und mit Placebo. Die Kombination aus Anreizen und Medikation verbesserte das AG signifikant stärker als entweder Anreize oder MPH allein. Diese Studien zeigen, dass Kontingenzen das AG bei Kindern mit ADHS vom kombinierten Typ deutlich verbessern, mit Effektstärken, die mit einer moderaten Dosis Stimulanzienmedikation vergleichbar sind. Allgemeiner lenkt diese Arbeit die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Motivation bei der Untersuchung kognitiver Defizite bei ADHS und bei der Prüfung multifaktorieller ADHS-Modelle.

Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Getrennte und kombinierte Effekte von Anreizen und Stimulanzienmedikation Beitrag lesen »

Nach oben scrollen