ADHS

Was ist die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird als häufigste neurobehaviorale Störung des Kindesalters beschrieben. Wir äußern die Sorge, dass ADHS keine Krankheit an sich ist, sondern vielmehr eine Gruppe von Symptomen, die einen gemeinsamen abschließenden Verhaltensweg für eine Vielzahl emotionaler, psychologischer und/oder Lernprobleme darstellen. Immer mehr Kinder, insbesondere Jungen, erhalten nach einem vereinfachten Ansatz eine ADHS-Diagnose und werden mit Stimulanzien behandelt. Eine systematische Sichtung der Literatur wirft jedoch besorgniserregende Fragen auf. Die „Kernsymptome“ der ADHS – Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität – sind nicht spezifisch für ADHS. Die Raten „komorbider“ psychiatrischer und Lernprobleme, darunter Depression und Angst, liegen zwischen 12 und 60 %, mit deutlichen Symptomüberschneidungen mit ADHS, diagnostischen Schwierigkeiten und evidenzbasierten Behandlungsmethoden, die keine Stimulanzien umfassen. Kein neuropsychologischer Testbefund ist pathognomonisch für ADHS, und strukturelle sowie funktionelle Neurobildgebungsstudien haben keine eindeutige Ätiologie der ADHS identifiziert. Kein genetischer Marker wurde konsistent nachgewiesen, und Heritabilitätsstudien werden durch familiäre Umweltfaktoren verzerrt. Die Validität der Conners’ Rating Scale-Revised wurde ernsthaft infrage gestellt; zudem weichen „Beurteilungen“ von Schulkindern durch Eltern und Lehrkräfte häufig voneinander ab, was darauf hindeutet, dass die Verwendung subjektiver Informantendaten über Skalen oder Interviews keine objektive Grundlage für eine ADHS-Diagnose bildet. Empirische diagnostische Behandlungsversuche mit Stimulanzien, die zu einer Verhaltensreaktion führen, unterscheiden nachweislich nicht zwischen Kindern mit und ohne „ADHS“. Zusammenfassend hält das derzeitige Dogma, ADHS sei eine Krankheit oder neurobehaviorale Störung, einer kritischen Prüfung der Evidenz derzeit nicht stand. Die umfassende Untersuchung symptomatischer Kinder sollte individualisiert erfolgen und schulische, psychologische, psychiatrische und familiäre Bedürfnisse einbeziehen.

Was ist die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)? Beitrag lesen »

Retardiertes Methylphenidat – Eine Alternative in der medikamentösen Therapie bei erwachsenen Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung

Wir berichten über eine 44-jährige Patientin mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung vom kombinierten Typ (DSMIV 314.01), bei der sich durch eine Behandlung mit 0,5 mg un retardiertem Methylphenidat (MPH)/kg Körpergewicht verteilt auf 3 Einzeldosen täglich (45 mg unretardiertes MPH) zwar eine deutliche Reduktion der Symptomatik erreichen ließ, im Tagesverlauf jedoch mehrmals von der Patientin schlecht tolerierte Reboundphänomene mit ausgeprägten Konzentrationsstörungen, Unruhe und Stimmungseinbrüchen mit gereizt-dysphorischer Stimmung auftraten. Durch die Umstellung auf eine einmalige Dosis retardiertes Methylphenidat morgens (54 mg OROS-MPH) konnte bei vergleichbar guter klinischer Wirkung eine Beendigung der Reboundphänome erreicht werden.

Retardiertes Methylphenidat – Eine Alternative in der medikamentösen Therapie bei erwachsenen Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung Beitrag lesen »

Kognitive und psychosoziale Faktoren bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Lese-Rechtschreibstörung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und die Lese-Rechtschreibstörung gehören zu den meist diagnostizierten Entwicklungsstörungen der Kindheit. 8-10 % aller Schulkinder sind von einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und 4-7 % sind von einer Lese-Rechtschreibstörung betroffen. Eltern, Erzieher und Lehrer klagen seit Jahren über die Schwierigkeiten im Umgang mit den betroffenen Kindern. Nicht nur die Urteile der Eltern, Erzieher und Lehrer, sondern auch diagnostische Merkmale weisen auf die auffallende Ähnlichkeit in der Symptomatik der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Lese-Rechtschreibstörung hin. Ein Beitrag, mögliche Zusammenhänge zwischen diesen beiden Störungen des Kinder- und Jugendalters zu klären, soll diese Arbeit sein. Das Thema ist, wie zu demonstrieren sein wird, hochbrisant. Im Kontrast hierzu steht allerdings eine relativ geringe Anzahl vor allem deutschsprachiger Veröffentlichungen zu diesem Thema.

Kognitive und psychosoziale Faktoren bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Lese-Rechtschreibstörung Beitrag lesen »

Klinische Bedeutung von Tics und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern mit tiefgreifender Entwicklungsstörung

Ziel dieser Studie war es, die klinische Bedeutung gleichzeitig auftretender Tics und einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als Hinweise auf eine komplexere Symptomatik bei Kindern mit und ohne tiefgreifende Entwicklungsstörung zu untersuchen. Eltern und Lehrkräfte füllten für 3- bis 5-jährige (n = 182/135) und 6- bis 12-jährige (n = 301/191) Kinder mit tiefgreifender Entwicklungsstörung bzw. klinische Kontrollkinder eine auf dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders-IV basierende Beurteilungsskala aus. Der Anteil der Kinder mit Tic-Verhalten variierte mit dem Alter: Vorschulkinder (25 %, 44 %) gegenüber Grundschulkindern (60 %, 66 %) nach Eltern- bzw. Lehrerbeurteilung. Für viele psychiatrische Symptome waren die Screening-Prävalenzraten in der Gruppe ADHS + Tics am höchsten und in der Gruppe ohne beide Symptomgruppen am niedrigsten; das Muster der Gruppenunterschiede variierte jedoch nach Altersgruppe und Informant. Im Allgemeinen bestanden nur wenige Unterschiede zwischen der Nur-ADHS- und der Nur-Tic-Gruppe. Das Muster der Unterschiede zwischen ADHS-/Tic-Gruppen war bei Kindern mit und ohne tiefgreifende Entwicklungsstörung ähnlich. Wir schlossen daraus, dass diese Befunde die Annahme stützen, wonach das gemeinsame Auftreten von ADHS und Tics bei Kindern mit tiefgreifender Entwicklungsstörung ein Hinweis auf eine komplexere psychiatrische Symptomatik ist. (J Child Neurol 2005;20:481–488).

Klinische Bedeutung von Tics und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern mit tiefgreifender Entwicklungsstörung Beitrag lesen »

Drogenpräferenzen bei Konsumenten illegaler Drogen mit kindlicher Tendenz zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Eine Studie mit der Wender Utah Rating Scale in einem japanischen Gefängnis

Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen kindlichen Tendenzen zu einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und dem Missbrauch illegaler Drogen bei japanischen Strafgefangenen zu klären und zu untersuchen, ob Drogenkonsumenten mit ADHS Methamphetamin (MAP) gegenüber anderen illegalen Drogen bevorzugen. Die japanische Version der Wender Utah Rating Scale (WURS), ein Selbstbeurteilungsinstrument zur retrospektiven Erfassung kindlicher ADHS-Tendenzen, wurde 413 Gefangenen ohne Drogenabhängigkeit und 282 Gefangenen mit Drogenabhängigkeit (192 MAP, 53 Toluol und 37 Cannabis) vorgelegt. Die WURS-Werte wurden zwischen Gefangenen mit und ohne Drogenabhängigkeit sowie zwischen MAP-, Toluol- und Cannabiskonsumenten verglichen. Gefangene mit Drogenabhängigkeit wiesen signifikant höhere WURS-Werte auf als Gefangene ohne Abhängigkeit (P < 0,001). Toluolkonsumenten zeigten signifikant höhere WURS-Werte als Cannabiskonsumenten (P < 0,001) und einen höheren Anteil von Personen mit Werten oberhalb des Cut-offs als MAP- oder Cannabiskonsumenten (P = 0,005). Zusammenfassend bestand ein enger Zusammenhang zwischen dem Missbrauch illegaler Drogen und kindlichen ADHS-Tendenzen. Drogenkonsumierende Gefangene mit ADHS-Tendenzen neigten nicht dazu, MAP gegenüber anderen illegalen Drogen zu bevorzugen.

Drogenpräferenzen bei Konsumenten illegaler Drogen mit kindlicher Tendenz zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Eine Studie mit der Wender Utah Rating Scale in einem japanischen Gefängnis Beitrag lesen »

Computergestütztes Training des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit ADHS – eine randomisierte kontrollierte Studie

Ziel: Defizite exekutiver Funktionen, einschließlich Arbeitsgedächtnisdefiziten (WM), gelten als bedeutsam bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). In den Jahren 2002 bis 2003 führten die Autoren eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie durch, um den Effekt einer Verbesserung des WM durch computergestütztes systematisches Üben von Arbeitsgedächtnisaufgaben zu untersuchen.

Methode: In die Studie wurden 53 Kinder mit ADHS (9 Mädchen; 15 von 53 mit unaufmerksamem Subtyp) im Alter von 7 bis 12 Jahren ohne Stimulanzienmedikation eingeschlossen. Das Compliance-Kriterium (>20 Trainingstage) erfüllten 44 Probanden, von denen 42 auch drei Monate später nachuntersucht wurden. Die Teilnehmenden wurden randomisiert entweder dem Behandlungscomputerprogramm zum WM-Training oder einem Vergleichsprogramm zugeteilt. Primäres Ergebniskriterium war die Span-Board-Aufgabe, eine visuell-räumliche WM-Aufgabe, die nicht Bestandteil des Trainingsprogramms war.

Ergebnisse: Für die Span-Board-Aufgabe zeigte sich sowohl unmittelbar nach der Intervention als auch bei der Nachuntersuchung ein signifikanter Behandlungseffekt. Zusätzlich bestanden signifikante Effekte bei sekundären Aufgaben zur Messung des verbalen WM, der Reaktionsinhibition und des komplexen Schlussfolgerns. Elternbeurteilungen zeigten sowohl nach der Intervention als auch bei der Nachuntersuchung eine signifikante Verringerung von Unaufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptomen.

Schlussfolgerungen: Diese Studie zeigt, dass das Arbeitsgedächtnis bei Kindern mit ADHS durch Training verbessert werden kann. Das Training verbesserte außerdem Reaktionsinhibition und Schlussfolgern und führte zu einer Verringerung der von Eltern beurteilten Unaufmerksamkeitssymptome der ADHS.

Computergestütztes Training des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit ADHS – eine randomisierte kontrollierte Studie Beitrag lesen »

Blockierung von externen interferierenden Reizen durch Vorsätze

Bisherige Forschung konnte belegen, dass Vorsätze ( Wenn Situation X eintritt, dann führe ich Verhalten Y aus. ) die Zielerreichung erleichtern und effektives Handeln ermöglichen, ohne dass bewusste Selbstkontrolle notwendig ist (Gollwitzer, 1999). ADHS-Kinder weisen typischerweise Beeinträchtigungen der Exekutivfunktionen und ein damit verbundenes Selbstregulationsdefizit auf. Ziel der vorliegenden Studie war es zu untersuchen, ob Vorsätze Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine bessere Konzentrationsleistung ermöglichen und Ablenkungen effektiver abgewehrt werden können. In der aktuellen Studie wurden die Effekte von Vorsätzen in einer Stichprobe aus 32 Jungen mit ADHS und 41 gesunden Jungen ohne ADHS (Kontrollgruppe) im Alter zwischen 9 und 12 Jahren untersucht. Alle Kinder lösten am Computer Mathematikaufgaben aus dem Konzentrations-Leistungs-Test von Düker und Lienert (1959). Gleichzeitig erschienen in unregelmäßigen Abständen Ablenkungen in Form eines Kinderfilms auf einem zweiten Bildschirm. Die beiden Gruppen unterschieden sich signifikant hinsichtlich der Rechenleistung, wobei die gesunden Kinder mehr Aufgaben bearbeiten und richtig lösen konnten als Kinder mit ADHS. Die Filmphasen hatten einen störenden Einfluss auf die Rechenleistung beider Gruppen, wobei die Rechenleistung der ADHS-Kinder noch stärker durch die Ablenkung beeinträchtigt wurde. ADHS-Kinder, die einen Aufgabenbezogenen Vorsatz bildeten, zeigten sowohl in der Rechengeschwindigkeit als auch in der Rechengenauigkeit gesteigerte Leistungen gegenüber Kindern, die eine Zielintention fassten. ADHS-Kinder, die einen Ablenkungsbezogenen Vorsatz bildeten, konnten nur in der Rechengeschwindigkeit gegenüber der Zielintentionsbedingung profitieren. Für die Kontrollgruppe zeigte sich dieser Effekt nicht: die gesunden Jungen lösten etwa gleich viele Aufgaben in allen drei Bedingungen. Dieser Befund ist vermutlich auf die sehr guten Rechenleistungen der Kontrollkinder zurückzuführen (Deckeneffekt). Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass durch den Aufgabenbezogenen Vorsatz kognitive Kapazitäten frei werden, die es ADHS-Kindern ermöglichen, auch bei für sie anstrengenden und schwierigen Aufgaben gute Leistungen zu erzielen.

Blockierung von externen interferierenden Reizen durch Vorsätze Beitrag lesen »

ADHS-Fortbildung für Lehrer. Mehr Verständnis für das psychiatrische Störungsbild im schulischen Alltag

Vielfach wird das Syndrom ADHS oft erst mit Schuleintritt als Problem wahr genommen, so mit spielen Lehrer als Ansprechpartner, aber auch als Partner in der Behandlung eine wichtigen Rolle. Leider fehlen ausreichende Informationen über das Störungsbild so wie Handlungsstrategien für den Umgang mit den Betroffenen. Das Kind hat aber trotz Therapie nur eine Chance, seine Schullaufbahn erfolgreich zu verändern, wenn es in der Schule an gemessen „behandelt“ wird. Ein integriertes ADHS-Behandlungsmodell verzahnt die therapeutischen, beraterisch-informativen, pädagogischen so wie elterlichen Anstrengungen. Im Idealfall verstehen sich die Bezugspersonen des Kindes beziehungsweise Jugendlichen als therapeutisches Team, das über ein gemeinsames Basiswissen zum Störungsbild ADHS verfügt und sich regelmäßig untereinander austauscht. Das ADHS-Fortbildungskonzept A.L.A.D.I.N. soll einen Beitrag dazu leisten.

ADHS-Fortbildung für Lehrer. Mehr Verständnis für das psychiatrische Störungsbild im schulischen Alltag Beitrag lesen »

Train your brain – Neurofeedback für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Ziel der Studie war es, ein Neurofeedbacktraining für Kinder mit ADHS zu evaluieren. Dieses Training knüpft an die Annahme an, dass der Störung eine Beeinträchtigung der zentralnervösen Aktivierungsregulation zugrunde liegt. Für diese Annahme spricht, dass Kinder mit ADHS im Vergleich zu gesunden Kontrollkindern erhöhte Anteile in langsamen Frequenzbändern (z.B. theta) und verringerte Anteile in schnellen Frequenzbändern (z.B. beta) aufweisen. Ferner zeigen sie Auffälligkeiten im Bereich der langsamen kortikalen Potentiale, wie zum Beispiel der P300, welche mit einer größeren Latenz und kleineren Amplitude auftritt.

Neben dem bislang praktizierten Feedback zur Veränderung der Frequenzbänder Theta und Beta wurde erstmals in einem einfach-blinden Design eine zweite Methode eingesetzt: das Feedback der langsamen kortikalen Potenziale (LP). In beiden Gruppen war es das Ziel, die Selbstkontrolle über bestimmte Anteile der EEG-Aktivität und damit über den Aktivierungszustand des Gehirns zu erlangen. Die LP-Gruppe sollte lernen, ihre LP-Amplituden in elektrisch positive Richtung (Aktivierung) und elektrisch negative Richtung (Deaktivierung) zu verschieben. Die Theta/Beta-Gruppe sollte lernen, einen aus den Frequenzbändern Theta und Beta gebildeten Quotienten zu erniedrigen (Aktivierung) und zu erhöhen (Deaktivierung). Das einfach blinde Design wurde ge-wählt, um unspezifische Therapieeffekte kontrollieren zu können. Die zentralen Fragestellungen bezogen sich auf den Lernverlauf, den Lernerfolg und die Effektivität des Programms in Hinsicht auf die ADHS-Symptomatik (kognitive Variablen, Verhaltensmaße). Ferner wurde untersucht, ob sich die Gruppen in Hinsicht auf den Lernverlauf, den Lernerfolg und die Veränderung der ADHS-Symptomatik unterscheiden.

In jeder Gruppe wurden 17 Kinder mit der Diagnose ADHS trainiert. Das Alter der Kinder lag zwischen acht und 13 Jahren, der mittlere IQ bei 100,7 (LP-Gruppe) und 101,0 (Theta/Beta-Gruppe). Das Training bestand aus drei Trainingsphasen mit jeweils zehn Trainingssitzungen. Unmittelbar vor Beginn und nach Beendigung des Trainings wurden Tests zur Erfassung der Intelligenz- und Aufmerksamkeitsleistung durchgeführt und Frage-bögen zur Erfassung der ADHS-Symptomatik ausgegeben. Die Therapieerwartung und Therapiebewertung der Eltern wurde vor und während jeder Trainingsphase erfasst. Die Auswertung der EEG-Daten ergab folgendes Bild: Beide Gruppen hatten die Selbstkontrolle über ihre Gehirn-aktivität erlernt. Jedoch variierten Lernerfolg und Lernverlauf in Abhängigkeit von der Trainingsart (LP vs. Theta/Beta) und der Aufgabenstellung (Aktivierung vs. Deaktivierung). In beiden Gruppen zeigten sich nach dem Training signifikante Verbesserungen im Bereich der Aufmerksamkeit, der Hyperaktivität, der Impulsivität und der Problemhäufigkeit. Im Bereich der Intelligenzleistung, der akademischen Leistung und der Problembelastung konnten nicht signifikante Veränderungen in die gewünschte Richtung verzeichnet werden. Die Therapieerwartung und die Therapiebewertung der Eltern hatte keinen Einfluss auf die Trainingseffekte. Die Effekte des Neurofeedbacktrainings waren in beiden Experimentalgruppen vergleichbar. Damit ist der Versuch, mit Hilfe eines einfach blinden Designs die Spezifität der Wirkfaktoren von Neurofeedback zu klären, nicht gelungen.

Die klinischen Effekte des Neurofeedbacktrainings im Bereich der Aufmerksamkeitsleistung und im Bereich der Hyperaktivität-Impulsivität liegen über den Effekten von Selbstinstruktionstrainings und kognitiv-behavioralen Behandlungspaketen. Sie sind vergleichbar mit den Effekten von Elterntrainings und einzelnen verhaltenstherapeutischen Techniken.

Insgesamt sind die ersten Ergebnisse positiv zu bewerten. Eine endgültige Bewertung der Neurofeedbacktherapie kann jedoch erst erfolgen, wenn Daten aus weiteren Nachuntersuchungen vorliegen.

Train your brain – Neurofeedback für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Beitrag lesen »

Nach oben scrollen