ADHS

Gerechtigkeits- und Zurückweisungssensitivität bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS-Symptomen

Gerechtigkeitssensitivität erfasst individuelle Unterschiede darin, wie häufig Ungerechtigkeit wahrgenommen wird und wie intensiv emotional, kognitiv und verhaltensbezogen darauf reagiert wird. Bei Personen mit ADHS wurde eine hohe Gerechtigkeitssensitivität berichtet, und eine aktuelle Studie lieferte in einer Erwachsenenstichprobe Hinweise für diese Annahme. Bei 1.235 deutschen 10- bis 19-Jährigen erfassten wir ADHS-Symptome, Gerechtigkeitssensitivität aus Opfer-, Beobachter- und Täterperspektive, die Häufigkeit von Ungerechtigkeitswahrnehmungen, ängstliche und ärgerbezogene Zurückweisungssensitivität, depressive Symptome, Verhaltensprobleme und Selbstwertgefühl. Teilnehmer mit ADHS-Symptomen berichteten signifikant höhere Gerechtigkeitssensitivität aus Opferperspektive, häufigere Wahrnehmung von Ungerechtigkeit und höhere ängstliche und ärgerbezogene Zurückweisungssensitivität, aber signifikant niedrigere Gerechtigkeitssensitivität aus Täterperspektive als Kontrollen. In latenten Pfadanalysen vermittelten Gerechtigkeitssensitivität und Zurückweisungssensitivität bei gleichzeitiger Betrachtung teilweise den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und komorbiden Problemen. Somit könnten sowohl Gerechtigkeitssensitivität als auch Zurückweisungssensitivität zur Erklärung der Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen beitragen, die typischerweise mit ADHS-Symptomen verbunden sind, und sollten daher in der ADHS-Therapie berücksichtigt werden.

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Genetik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist nicht nur hochprävalent, persistent und beeinträchtigend, sondern gehört auch zu den am stärksten erblichen psychiatrischen Störungen. Daher war ADHS Gegenstand umfangreicher genetischer Forschung. Die Ergebnisse neuerer genetischer Studien werden mit Blick auf das sich abzeichnende Gesamtbild und zukünftige Entwicklungen zusammengefasst. ADHS scheint eine komplexe Störung zu sein, bei der mehrere genetische und umweltbedingte Risiken zu einem quantitativen Merkmal beitragen. Gleichzeitig gibt es zunehmende Hinweise darauf, dass in einem Teil der Fälle individuell seltene Varianten wie Copy-Number-Varianten eine wichtige kausale Rolle spielen könnten. Je mehr genetische Risiken, sowohl häufige als auch seltene, vorliegen, desto extremer ist die Merkmalsausprägung. Mit zunehmenden Stichprobengrößen und fortgeschrittenen genetischen Methoden werden Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) und Copy-Number-Varianten (CNVs), die ein ADHS-Risiko vermitteln, identifiziert. Weitere Studien sind erforderlich, bevor die kausale Bedeutung dieser Befunde verstanden werden kann. Größere Stichproben sind dringend notwendig, wenn potenziell kausale Varianten entdeckt werden sollen. Nicht-verhaltensbezogene Marker genetischen Risikos, sogenannte Endophenotypen, könnten ebenfalls dazu beitragen, die phänotypische und genetische Heterogenität der ADHS aufzuschlüsseln, wie dies bei anderen komplexen Störungen der Fall ist. Genetische Studien zu ADHS bieten das Potenzial für eine verfeinerte Nosologie, präzisere Diagnostik und Differenzialdiagnostik, verbesserte Früherkennung mit neuen Interventionsstrategien sowie die Identifikation innovativer therapeutischer Zielstrukturen auf Grundlage eines präzisen Verständnisses der Krankheitsmechanismen.

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Gegensätzliche Defizite exekutiver Funktionen bei chinesischen delinquenten Jugendlichen mit Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und/oder Lesestörung

Viele Studien berichteten eine hohe Prävalenz von Lesestörungen (RD) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei delinquenten Jugendlichen. Nur sehr wenige haben deren kognitives Profil untersucht. Die vorliegende Studie verglich exekutive Funktionen (EF) und den Schweregrad der Delinquenz bei delinquenten Jugendlichen mit RD und/oder ADHS-Symptomen (AS). Delinquente Jugendliche mit AS (n = 29), RD (n = 24) und komorbiden AS + RD (n = 35) wurden aus Jugendhilfe-/Justizeinrichtungen rekrutiert; hinzu kamen typisch entwickelte Kontrollpersonen (n = 29) aus örtlichen Schulen. Alle absolvierten EF-Untersuchungen und Selbstbeurteilungsfragebögen zur Delinquenz. Die Ergebnisse zeigten, dass die reine AS-Gruppe eine beeinträchtigte Inhibition aufwies, während die reine RD-Gruppe Schwächen bei Verarbeitungsgeschwindigkeit und visuellem Gedächtnis zeigte. Die Komorbiditätsgruppe zeigte spezifische Beeinträchtigungen der Interferenzkontrolle und einen signifikant höheren Schweregrad der Delinquenz. Die vorliegenden Befunde legen nahe, dass die Komorbidität von AS + RD den Schweregrad der Delinquenz beeinflussen kann. Zudem liefern sie ein umfassenderes Bild der spezifischen EF-Defizite der verschiedenen Gruppen und ermöglichen dadurch eine bessere Abstimmung zukünftiger Identifikations- und Interventionsprogramme.

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Frontale Dysfunktionen der Impulskontrolle – eine systematische Übersicht bei Borderline-Persönlichkeitsstörung und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Störungen wie die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind durch impulsives Verhalten gekennzeichnet. Impulsivität ist als klinischer Begriff sehr breit definiert und umfasst unterschiedliche Kategorien, darunter Persönlichkeitsmerkmale ebenso wie verschiedene kognitive Funktionen, etwa Emotionsregulation, Interferenzauflösung und Impulskontrolle. Impulskontrolle als exekutive Funktion ist jedoch weder kognitiv noch neurobehavioral eine einheitliche Funktion. Neuere Befunde aus verhaltenswissenschaftlichen und kognitiv-neurowissenschaftlichen Studien sprechen für miteinander verbundene, aber unterscheidbare Komponenten der Impulskontrolle entlang funktioneller Bereiche wie selektiver Aufmerksamkeit, Reaktionsauswahl, motivationaler Kontrolle und Verhaltenshemmung. Darüber hinaus zeigen sich verhaltensbezogene und neuronale Dissoziationen zwischen proaktiver und reaktiver inhibitorischer motorischer Kontrolle. Der präfrontale Kortex mit seinen Subregionen ist die zentrale Struktur für die Ausführung dieser Impulskontrollfunktionen. Auf Grundlage dieser Konzepte wurden neurobehaviorale Befunde aus Studien zu BPS und ADHS systematisch überprüft und verglichen. Insgesamt zeigten Patienten mit BPS präfrontale Dysfunktionen über verschiedene Komponenten der Impulskontrolle hinweg eher in orbitofrontalen, dorsomedialen und dorsolateralen präfrontalen Regionen, während Patienten mit ADHS vor allem eine gestörte Aktivität in ventrolateralen und medialen präfrontalen Regionen aufwiesen. Die präfrontalen Dysfunktionen variierten jedoch je nach Komponente der Impulskontrolle und je nach Störung. Dies spricht für eine Dissoziation impuls-kontrollbezogener frontaler Dysfunktionen bei BPS und ADHS, obwohl bislang nur wenige Studien die frontalen Dysfunktionen entlang unterschiedlicher Impulskontrollkomponenten im direkten Vergleich dieser Störungen untersucht haben. Die Befunde können jedoch als Hypothese für zukünftige systematische Untersuchungen einzelner Impulskontrollkomponenten dienen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten präfrontaler Kortexdysfunktionen bei impulsiven Störungen besser zu verstehen.

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Evaluation des Neurofeedbacks bei ADHS: Der lange und kurvige Weg

Erörtert wird der Einsatz von Neurofeedback bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Nach einer kurzen Einführung in das Neurofeedback werden aktuelle Befunde zur Wirksamkeit von Neurofeedback bei Patienten mit ADHS zusammengefasst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den in solchen Studien eingesetzten Kontrollbedingungen zur Kontrolle unspezifischer Faktoren. Die Ergebnisse von Studien mit semi-aktiven, aktiven und Placebo-Kontrollbedingungen werden dargestellt. Darüber hinaus werden die Effektstärken aus Metaanalysen zum Neurofeedback mit denen medikamentöser Behandlungen verglichen. Es wird argumentiert, dass Neurofeedbackverfahren mit sensomotorischem Rhythmus, Theta/Beta-EEG-Verhältnis und langsamen kortikalen Potenzialen klinisch wirksame Behandlungen für Kinder mit ADHS darstellen können. Vorschläge für zukünftige Forschung werden diskutiert.

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Evaluation des Musikalischen Konzentrationstrainings mit Pepe (MusiKo mit Pepe) bei Kindern mit Aufmerksamkeitsproblemen

Fragestellung: Die vorliegende Studie überprüft die Wirksamkeit des Musikalischen Konzentrationstrainings mit Pepe (MusiKo mit Pepe) für fünf- bis zehnjährige Kinder mit Aufmerksamkeitsproblemen.

Methodik: In einem Prä-Post-Kontrollgruppendesign (N = 108) wurden Veränderungen der Aufmerksamkeitsleistung mittels der Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung für Kinder (KiTAP) sowie Veränderungen der kindlichen Lebensqualität mittels des Fragebogens für Kinder (KINDL-R) erfasst. Zusätzlich wurden Fremdbeurteilungsbögen zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (FBB-ADHS) sowie zur Störung des Sozialverhaltens (FBB-SSV) des Diagnostik-Systems für psychische Störungen nach ICD-10 und DSM-IV für Kinder und Jugendliche II und der Eltern- und der Lehrerfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (CBCL, TRF) eingesetzt.

Ergebnisse: Es zeigen sich für die am Training teilnehmenden Kinder im Vergleich zu der Kontrollgruppe über die Zeit signifikante Verbesserungen der Aufmerksamkeitsleistung sowie der Lebensqualität. Darüber hinaus ergibt sich eine signifikante Reduktion der ADHS-Symptomatik im Eltern- und Lehrerurteil sowie eine Verminderung der Internalisierenden Probleme im Elternurteil. Die Behandlungseffektivität ist unabhängig von Alter, Geschlecht, Intelligenz und Migrationshintergrund der teilnehmenden Kinder.

Schlussfolgerung: Das musikbasierte Trainingsprogramm MusiKo mit Pepe stellt eine wirkungsvolle Maßnahme zur Behandlung von Aufmerksamkeitsproblemen dar, sollten sich diese Effekte in Replikationsstudien bestätigen.

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Erfassung von ADHS-Symptomverhalten und funktioneller Beeinträchtigung im schulischen Umfeld: Einfluss von Schüler- und Lehrermerkmalen

Ziel der vorliegenden Studie war es, (a) die von Lehrkräften berichtete Prävalenz von Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und damit verbundenen Beeinträchtigungen in einer national repräsentativen Stichprobe von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen und (b) zu bestimmen, in welchem Ausmaß die Prävalenz in Abhängigkeit von Merkmalen der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte variierte. Von Lehrkräften berichtete ADHS-Symptome auf Grundlage der Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage (DSM-5), und von Lehrkräften eingeschätzte Beeinträchtigungen wurden genutzt, um die Prävalenz anhand von Symptomen und Beeinträchtigungen jeweils allein oder in Kombination zu schätzen und Prädiktoren von ADHS in einer vielfältigen national repräsentativen Stichprobe (n = 2140; 1070 männlich, 1070 weiblich; 54,8 % weiß, nicht-hispanisch) im Alter von 5 bis 17 Jahren (M = 11,53; SD = 3,54) zu untersuchen. Die Kombination aus Symptom- und Beeinträchtigungsbeurteilungen ergab die Prävalenzrate, die am besten mit früheren epidemiologischen Befunden übereinstimmte. Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und sonderpädagogischer Status der Schülerinnen und Schüler waren signifikante Prädiktoren für die Anzahl der Symptome und das Ausmaß symptombezogener Beeinträchtigungen. Bei der Identifikation von Schülerinnen und Schülern mit ADHS ist es von entscheidender Bedeutung, Symptome und symptombezogene Beeinträchtigungen gleichzeitig zu berücksichtigen. Merkmale von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften können die Beurteilungen und Identifikationsergebnisse beeinflussen. (PsycINFO Database Record (c) 2014 APA, alle Rechte vorbehalten)

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Entwicklung eines problemfokussierten Verhaltens-Screeninginstruments mit Verknüpfung zu evidenzbasierter Intervention

Diese Studie untersucht Faktorenstruktur, Reliabilität und Validität eines neuen schulbasierten Screening-Instruments für schulische und störende Verhaltensprobleme, wie sie häufig bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auftreten. Teilnehmende waren 39 Klassenlehrkräfte aus zwei öffentlichen Schulbezirken im Nordosten der USA. Lehrerbeurteilungen wurden für 390 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen Kindergarten bis 6 erhoben. Eine explorative Faktorenanalyse stützt eine Zwei-Faktoren-Struktur (oppositionell/störend sowie schulische Produktivität/Desorganisation). Die Daten des Screening-Instruments zeigen eine günstige interne Konsistenz, zeitliche Stabilität und konvergente Validität. Das neue Instrument soll klassenbezogene Interventionen für mit ADHS verbundene Problemverhaltensweisen erleichtern, indem es gefährdete Schülerinnen und Schüler identifiziert und konkrete Zielverhaltensweisen für Interventionen mit täglichen Verhaltensberichtskarten bestimmt.

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Emotionale Labilität: Der diskriminative Wert bei der Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter

Ziel: Ziel dieser Studie ist es, den diskriminativen Wert emotionaler Labilität (EL) bei der Diagnose von Erwachsenen mit ADHS zu beurteilen.

Methoden: Eine Gruppe von Erwachsenen, die die DSM-IV-Diagnosekriterien für ADHS erfüllten (n = 589), eine klinische Kontrollgruppe (n = 138) und eine Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung (n = 98) wurden hinsichtlich ihrer EL-Werte verglichen. Zur Auswahl der Probanden wurden SCID-I, SCID-II und CAADID eingesetzt. Zur Beurteilung der EL wurde die spezifische EL-Subskala der Conners Adult ADHD Rating Scale (CAARS) verwendet.

Ergebnisse: Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen EL, ADHS und Komorbidität wurde eine Kovarianzanalyse durchgeführt. Sowohl der Gruppenfaktor (ADHS-, klinische oder Bevölkerungsgruppe) als auch der Komorbiditätsfaktor (Vorliegen oder Fehlen anderer psychiatrischer Störungen als ADHS) zeigten einen signifikanten Einfluss auf die Intensität der EL (Gruppe: F = 81,78, p = 0,000; Komorbidität: F = 25,48, p = 0,000). Für die Interaktion Gruppe × Komorbidität fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede (F = 1,006, p = 0,366). EL zeigte bei der Unterscheidung zwischen ADHS-Patienten und Personen mit anderen psychiatrischen Störungen eine Sensitivität von 87,1 % und eine Spezifität von 46,6 %.

Schlussfolgerung: EL steht spezifisch mit ADHS in Zusammenhang, und dieser Zusammenhang lässt sich nicht durch das Vorliegen anderer psychiatrischer Störungen erklären. Komorbide Störungen sind lediglich mit einer höheren Intensität der EL verbunden.

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Elterntrainingsinterventionen bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

HINTERGRUND:

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die durch ein hohes Ausmaß an Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet ist, das vor dem siebten Lebensjahr auftritt, in verschiedenen Situationen beobachtet wird, nicht dem Entwicklungsstand des Kindes entspricht und soziale oder schulische Beeinträchtigungen verursacht. Elterntrainingsprogramme sind psychosoziale Interventionen, bei denen Eltern Techniken erlernen, mit denen sie das herausfordernde Verhalten ihrer Kinder bewältigen können.

ZIELE:

Zu bestimmen, ob Elterntrainingsinterventionen bei Kindern im Alter von fünf bis achtzehn Jahren mit einer ADHS-Diagnose im Vergleich zu Kontrollen ohne Elterntrainingsintervention wirksam sind, ADHS-Symptome und damit verbundene Probleme zu reduzieren.

SUCHMETHODEN:

Wir durchsuchten folgende elektronische Datenbanken für alle verfügbaren Jahre bis September 2010: CENTRAL (2010, Ausgabe 3), MEDLINE (1950 bis 10. September 2010), EMBASE (1980 bis Woche 36 des Jahres 2010), CINAHL (1937 bis 13. September 2010), PsycINFO (1806 bis Woche 1 im September 2010), Dissertation Abstracts International (14. September 2010) und das metaRegister of Controlled Trials (14. September 2010). Wir kontaktierten Fachleute auf diesem Gebiet und baten um Angaben zu unveröffentlichten oder laufenden Forschungsarbeiten.

AUSWAHLKRITERIEN:

Randomisierte (einschließlich quasi-randomisierter) Studien, die Elterntraining mit keiner Behandlung, einer Warteliste oder üblicher Behandlung (ergänzend oder anderweitig) verglichen. Wir schlossen Studien ein, wenn ADHS der Hauptfokus der Studie war, die Teilnehmer älter als fünf Jahre waren und eine klinische Diagnose von ADHS oder hyperkinetischer Störung hatten, die von einem Spezialisten anhand operationalisierter Diagnosekriterien nach DSM-III/DSM-IV oder ICD-10 gestellt worden war. Wir schlossen nur Studien ein, die mindestens ein kindbezogenes Outcome berichteten.

DATENERHEBUNG UND ANALYSE:

Vier Autoren waren am Screening der Abstracts beteiligt, und mindestens zwei Autoren prüften jedes Abstract unabhängig voneinander. Insgesamt sichteten wir 12.691 Studien und bewerteten fünf als einschlussfähig. Wir extrahierten Daten und bewerteten das Verzerrungsrisiko der fünf eingeschlossenen Studien. Die Möglichkeiten für Metaanalysen waren begrenzt; die meisten von uns berichteten Daten basieren auf Einzelstudien.

HAUPTERGEBNISSE:

Wir fanden fünf Studien mit insgesamt 284 Teilnehmern, die die Einschlusskriterien erfüllten; alle verglichen Elterntraining de facto mit üblicher Behandlung (TAU). Eine Studie umfasste als zweiten Kontrollarm eine nichtdirektive Elternunterstützungsgruppe. Vier Studien zielten auf Verhaltensprobleme der Kinder ab, eine untersuchte Veränderungen elterlicher Erziehungsfertigkeiten. Von den vier Studien zum kindlichen Verhalten konzentrierten sich zwei auf das Verhalten zu Hause und zwei auf das Verhalten in der Schule. Die beiden Studien zum Verhalten zu Hause lieferten unterschiedliche Ergebnisse: Eine fand keinen Unterschied zwischen Elterntraining und üblicher Behandlung, die andere berichtete statistisch signifikante Ergebnisse zugunsten des Elterntrainings gegenüber der Kontrolle. Auch die beiden Studien zum Verhalten in der Schule kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Eine fand keinen Unterschied zwischen den Gruppen, die andere berichtete positive Ergebnisse für Elterntraining, wenn ADHS nicht komorbid mit einer Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten war. In dieser letztgenannten Studie waren die Outcomes bei Mädchen und bei medikamentös behandelten Kindern besser. Das Verzerrungsrisiko bewerteten wir in den meisten Studien bestenfalls als unklar und häufig als hoch. Angaben zu Randomisierung und Verdeckung der Gruppenzuteilung fehlten in allen Studienberichten. Eine Verblindung der Teilnehmer oder des Personals war bei dieser Intervention zwangsläufig unmöglich; ebenso war eine Verblindung der Outcome-Beurteiler, bei denen es sich meist um die Eltern handelte, die die Intervention durchgeführt hatten, nicht möglich. Eine Metaanalyse konnten wir nur für zwei Outcomes durchführen: „externalisierendes“ Verhalten des Kindes (ein Maß für Regelverstöße, oppositionelles Verhalten oder Aggression) und „internalisierendes“ Verhalten des Kindes (beispielsweise Rückzug und Angst). Die Metaanalyse von drei Studien (n = 190) mit Daten zu externalisierendem Verhalten ergab Ergebnisse knapp unterhalb statistischer Signifikanz (SMD -0,32; 95%-KI -0,83 bis 0,18, I(2) = 60 %). Eine Metaanalyse von zwei Studien (n = 142) zu internalisierendem Verhalten ergab signifikante Ergebnisse zugunsten der Elterntrainingsgruppen (SMD -0,48; 95%-KI -0,84 bis -0,13, I(2) = 9 %). Daten aus einer dritten Studie, die wahrscheinlich zu diesem Outcome beigetragen hätte, fehlten, und wir haben gewisse Bedenken hinsichtlich eines Bias durch selektive Outcome-Berichterstattung. Die Ergebnisse der Einzelstudien zu kindlichen Verhaltensoutcomes waren gemischt. Positive Ergebnisse in einem Inventar kindlicher Verhaltensprobleme wurden für eine kleine Studie (n = 24) berichtet, mit der Einschränkung, dass die Ergebnisse nur positiv waren, wenn das Elterntraining einzeln und nicht in Gruppen durchgeführt wurde. In einer weiteren Studie (n = 62) wurden für die Interventionsgruppe positive Effekte auf einem Maß sozialer Kompetenzen berichtet, nachdem die Ergebnisse für demografische und Ausgangsdaten adjustiert worden waren. Die Studie (n = 48), die Veränderungen elterlicher Erziehungsfertigkeiten untersuchte, verglich Elterntraining mit einer nichtdirektiven Elternunterstützungsgruppe. Für die Elterntrainingsgruppe wurden statistisch signifikante Verbesserungen berichtet. Zwei Studien (n = 142) lieferten Daten zu elterlichen Stressindizes, die für eine Metaanalyse geeignet waren. Die Ergebnisse waren für den Bereich „Kind“ signifikant (MD -10,52; 95%-KI -20,55 bis -0,48), nicht jedoch für den Bereich „Eltern“ (MD -7,54; 95%-KI -24,38 bis 9,30). Die Ergebnisse zu diesem Outcome aus einer kleinen Studie (n = 24) deuteten auf einen langfristigen Nutzen für Mütter hin, die die Intervention individuell erhielten; Väter profitierten dagegen von einer kurzfristigen Gruppenbehandlung. Eine vierte Studie berichtete Veränderungsdaten für gruppeninterne Maße elterlichen Stresses und fand signifikante Vorteile nur in einem der beiden aktiven Elterntrainingsarme (P ≤ 0,01). Keine Studie berichtete Daten zu schulischer Leistung, unerwünschten Ereignissen oder dem Verständnis der Eltern von ADHS.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DER AUTOREN:

Elterntraining kann sich positiv auf das Verhalten von Kindern mit ADHS auswirken. Es kann außerdem elterlichen Stress reduzieren und das Vertrauen der Eltern in ihre Erziehungskompetenz stärken. Die geringe methodische Qualität der eingeschlossenen Studien erhöht jedoch das Verzerrungsrisiko der Ergebnisse. Die Daten zu ADHS-spezifischem Verhalten sind uneindeutig. Für viele wichtige Outcomes, darunter schulische Leistungen und unerwünschte Effekte, fehlen Daten. Die Evidenz dieser Übersicht ist nicht stark genug, um eine Grundlage für Leitlinien der klinischen Praxis zu bilden. Zukünftige Forschung sollte eine bessere Berichterstattung der Studienverfahren und Ergebnisse sicherstellen.

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