Alles eine Frage der Aufmerksamkeit? Übersicht zu Effekten der computergestützten Modifikation von Aufmerksamkeitsverzerrungen auf Ängstlichkeit und Angststörungen

Aufmerksamkeitsverzerrungen in der Verarbeitung bedrohlicher Reize sind bei Angststörungen seit Langem bekannt. In jüngster Zeit wurden computergestützte Trainings entwickelt, die gezielt versuchen, diese pathologische Aufmerksamkeitslenkung zu modifizieren. Das vorliegende Review systematisiert bisherige Befunde zu Effekten solcher Aufmerksamkeitstrainings auf Angstsymptome im Erwachsenenalter. Die meist an nicht-klinischen Stichproben gewonnenen Erkenntnisse zeigen konsistent, dass bereits ein einmaliges Aufmerksamkeitstraining zu Veränderungen von Aufmerksamkeitsprozessen in die angestrebte Richtung führen kann. Weniger eindeutig ist die Befundlage zur Beeinflussung selbstberichteter und beobachteter Angstreaktionen durch derartige Trainings. Evidenz für positive Wirkungen liegt vor allem für Trait-Ängstlichkeit, soziale Ängste und pathologisches Sorgen vor, wobei die beiden letztgenannten Symptombereiche auch in klinischen Stichproben erfolgreich reduziert werden konnten. Die bisherigen Befunde erlauben jedoch kaum Aussagen über Moderatoren der Trainingswirksamkeit. Es liegen einzelne Hinweise vor, dass Ausmaß und Art der Ängste sowie die Darbietungsdauer der präsentierten Reize für eine Veränderung von Aufmerksamkeitsverzerrungen relevant sein könnten. Insgesamt lassen die vorliegenden Studien ein Potential von Aufmerksamkeitstrainings in der Modifikation klinischer und subklinischer Ängste erkennen, insbesondere da sie schnell und einfach anwendbar sind. Inwieweit die Trainings tatsächlich als eigenständige Interventionen in der Therapie der Angststörungen eingesetzt werden können, muss jedoch in weiteren Studien untersucht werden.

Kategorien: Komorbiditäten, Angststörungen, Therapie

A Matter of Attention? A Systematic Review of the Effects of Computer-Delivered Modification of Attentional Bias on Anxiety

Attentional biases toward threat cues are a well-known phenomenon in anxiety disorders. Recently, computer-delivered trainings have been developed to modify these patterns of attention. This review summarizes the current literature concerning the efficacy of such attention trainings targeting anxiety in adults. The findings, which have primarily been studied in nonclinical participants, have consistently shown that even a single-session attention training can achieve the desired redirection of attention. Less clear are effects of these trainings on both observed and self-reported anxiety symptoms. Evidence of positive effects has been shown for trait anxiety, social anxiety and pathologic worry, of which the latter two could also be reduced in clinical samples. Moderators of training response have yet to be studied extensively, although there is first evidence that the level and content of anxiety as well as the length of stimuli presentation might be relevant factors. In summary, the present findings indicate the potential of attention training to modify clinical and subclinical anxiety particularly considering their short duration and feasibility. Future studies need to examine to what extent attention training can be used as a discrete intervention in the treatment of anxiety disorders.

Kategorien: Comorbidities, Anxiety disorders, Therapy

Typ:Originalarbeit
Autor:M. von Auer, K. Neubauer, E. Murray, F. Petermann, A. L. Gerlach & S. Helbig-Lang
Quelle:Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 59 (3), 2011, 213–225
Jahr:2011
Keywords (deutsch):Aufmerksamkeitsverzerrungen, Aufmerksamkeitstraining, dot probe, Angststörungen
Keywords (englisch):attentional bias, attention modification, dot probe, anxiety disorders
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