Der Zusammenhang zwischen Lese-, Rechtschreib- und Verhaltensschwierigkeiten: Entwicklung vom Kindergarten bis zur vierten Grundschulklasse

Um den Zusammenhang zwischen Lese-Rechtschreibschwierigkeiten und emotionalen sowie Verhaltensproblemen zu klären, wurde eine Längsschnittstudie vom Kindergarten bis zum Ende der vierten Gnmdschulklasse durchgeführt (n = 219). In jährlichem Abstand wurde der Leistungsstand im Lesen und Rechtschreiben erfasst und eine Befragung zum Sozialverhalten durchgeführt. Zudem wurden Verhaltenseinschätzungen seitens der Kindergärtnerin, Lehrerin, Eltern und Mitschüler erhoben. Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten zeigten bereits im Kindergarten häufiger auffälliges Verhalten, Kinder mit LRS-Schwierigkeiten in der Schule waren durch Defizite in den Vorläuferfertigkeiten gekennzeichnet. Von Anfang an bestand ein mäßiger Zusammenhang zwischen den Bereichen, der etwa in gleicher Größe über die Jahre erhalten blieb. Beijährlicher 'Iestung und Verhaltensbeurteilung nahm die Stabilität sowohl der Verhaltens - als auch der Lese- Rechtschreibprobleme über die Jahre zu. Beim Vergleich der Binschätzungen der Kindergärtnerin und der Klassenlehrerin bzw. eines Verhaltensratings der anderen Kinder wurde deutlich, dass die sozialen Anpassungsschwierigkeiten der Schüler mit Leserechtschreibschwierigkeiten in der vierten Klasse im Vergleich zum Kindergarten deutlich zugenommen hatten. Dies betraf allerdings nicht die Binschätzung von Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörung und auch nicht jene von aggressivem und störendem Verhalten, sondern zurückgezogenes Verhalten und Viktimisierung durch Mitschüler.

Kategorien: Komorbiditäten, Teilleistungsstörungen, Störung des Sozialverhaltens

Relationship between reading, spelling and behavior disorders: A longitudinal study from kindergarten to the fourth grade of elementary school

To clarify of the relationships between reading and spelling problems and emotional and behavior disorders, the development ofsocial adjustment was studied during the acquisition ofreading and spelling skills in the elementary grades (n = 219). At yearly intervals the achievement level in reading and spelling was ascertained and ratings of the social behavior by the kindergarten and school teachers, the parents, and the peers in the kindergarten group or the classroom were collected. The behavior and reading/spelling problems in school were preceded by similar problems in kindergarten. From the beginning there was a moderate association between the two areas which persisted overthe years at aboutthe same level. The stability ofthe problems increased overthe years in both areas. When the ratings ofthe kindergarten and the school teachers and ofthe other children are compared, it is evident that the social adjustment problems ofchildren with reading and spelling problems in the 4th grade had increased considerably since the kindergarten. This concemed not so much the rating ofhyperactivity and attentional problems and also not the rating of aggressive behavior and conduct disorder, but rather withdrawn behavior and victimization by fellow students.

Kategorien: Comorbidities, Learning disorders, Conduct disorder

Typ:Originalarbeit
Autor:B. Gasteiger-Klicpera, C. Klicpera & A. Schabmann
Quelle:Kindheit und Entwicklung 15 (1), 55-67
Jahr:2006
Keywords (deutsch):Lesestörung, Rechtschreibstörung, Komorbidität, psychische Störung, Längsschnittstudie
Keywords (englisch):reading disorder, spelling disorder, comorbidity, mental disorder, longitudinal study
DOI:10.1026/0942-5403.15.1.55