Wie genau können Mütter die Mathematik- und Sprachleistungen ihrer Kinder einschätzen? Ein Vergleich zwischen Müttereinschätzung und Testleistungen bei Kindern im Alter von 6 – 10 Jahren

Es wurde geprüft, wie genau Mütter die Mathematik- und Sprachleistungen ihrer 6- bis 10-jährigen Kinder (N = 382) einzuschätzen vermögen. Die mütterliche Einschätzung wurde verglichen mit der Testleistung in den Intelligence and Development Scales (IDS). Die Einschätzungen der Mütter korrelierten substantiell positiv mit den Testleistungen der Kinder. Mütter überschätzten die Leistungen der Kinder. Die Mütter schätzten die Mathematikleistungen von Jungen höher ein als jene von Mädchen, wogegen sie die Deutschleistungen von Mädchen höher einschätzten als jene von Jungen. Gemessen an den Testleistungen wurden Mädchen und Jungen von den Müttern gleich häufig über-, unter- und genau eingeschätzt. Die vorliegenden Resultate bestätigen die Überschätzung seitens der Eltern, welche in der Literatur zu allgemeinen Entwicklungsbereichen häufig berichtet und wiederholt repliziert wurde. Mit dieser Untersuchung kann dieses Wissen auf die schulischen Leistungsfächer erweitert werden.

Kategorien: Komorbiditäten, Teilleistungsstörungen, Diagnostik

The accuracy of maternal reports regarding their children’s mathematical and language abilities. A comparison of maternal estimates and actual test scores of children between 6 and 10 years of age

In this study maternal estimations of child achievement in mathematics and language were compared to the children’s achievement in a standardized mathematics and language test using the Intelligence and Development Scales (IDS 5 – 10, N = 382 children 6 to 10 years of age). A significant positive correlation was observed between mothers’ estimations and actual test achievement. Mothers generally overestimated their children’s achievement. Boys were estimated to score higher in mathematics compared to girls, and girls were estimated to score higher in language compared to boys. Mothers overestimated, underestimated, or correctly estimated the achievement of girls and boys equally often. The present results confirm maternal overestimation of child abilities, which has often been found and replicated with respect to general development. The present study extended this finding to the field of scholastic achievement.

Kategorien: Comorbidities, Learning disorders, Diagnosis

Typ:Originalarbeit
Autor:Marie-Claire Frischknecht, Giselle Reimann, Janine Gut, Thomas Ledermann, Alexander Grob
Quelle:Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 46 (2), 2014, 67-78
Jahr:2014
Keywords (deutsch):Diagnostische Kompetenz, Akkuratheit von Elternurteilen, Elterneinschätzung, Entwicklungsdiagnostik, Leistungseinschätzung Mathematik und Sprache
Keywords (englisch):diagnostic competence, accuracy of parent judgment, parental assessment, parental beliefs, developmental assessment, conceptions of abilities, gender differences
DOI:10.1026/0049-8637/a000101