Zur Präpulsinhibition des akustischen Startles und dem Einfluss von Methylphenidat bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Neben den zahlreichen Symptomen ist eine interessante Beobachtung bei der AD(H)S, dass sie häufig mit einer monosymptomatischen Enuresis assoziiert ist (Ornitz et al. 1992). Die Pathophysiologie der monosymptomatischen Enuresis ist ebenso wie die der AD(H)S bis heute noch nicht vollständig verstanden (Sumner et al. 2006).

Studien an Kindern mit Enuresis konnten eine reduzierte Reflexhemmung (Präpulsinhibition (PPI)) in Startle-Versuchen nachweisen, die durch eine gleichzeitig vorliegende AD(H)S noch stärker ausgeprägt, jedoch bei AD(H)S ohne Enuresis nicht nachweisbar war (Ornitz et al. 1999). Die Messung der PPI der akustischen Startle-Reaktion ist eine anerkannte Methode, um die Mechanismen des so genannten „sensorimotor Gatings“ nachzuweisen (Feifel et al. 2009). Beim „sensorimotor Gating“ handelt es sich um eine zentrale Reflexkontrolle auf Hirnstammebene, die bedeutungslose Informationen von bedeutsamen unterscheidet und diese herausfiltert und somit unterdrückt. Auf diese Weise werden nur wichtige Informationen im Gehirn verarbeitet (Schwabe et al. 2009). So wird beispielsweise die akustische Information über ein vorbei fliegendes Flugzeug keinen Einfluss auf laufende Tätigkeiten, wie zum Beispiel Fahrrad fahren, haben. Bei Kindern mit AD(H)S erscheint genau diese Funktion defizitär, da diese Kinder scheinbar nicht zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Informationen unterscheiden können. Ein Kind mit AD(H)S könnte so zum Beispiel durch das Flugzeug derart abgelenkt werden, dass es sich nicht mehr auf das Fahrradfahren konzentrieren kann.

Die PPI ist Teil eines Reifungsprozesses, der bei verschiedenen Erkrankungen verzögert verläuft (Feifel et al. 2009). Bei Kindern mit Enuresis zeigte sich durch eine dDAVP-Therapie (1-Desamino-8-D-Arginin-Vasopressin) eine Verbesserung der PPI (Schulz-Juergensen et al. 2007). Einzelne Patienten zeigen neben einer Enuresis auch eine AD(H)S dessen Symptome sich interessanterweise ebenfalls unter der dDAVP-Therapie bessern (S. Schulz-Juergensen, pers. Mitteilung). Auch umgekehrt wurde durch Behandlung einer AD(H)S eine Verringerung der Symptomatik einer monosymptomatischen Enuresis beobachtet (Shatkin 2004). Es liegt die Vermutung nahe, dass es Gemeinsamkeiten in der Pathogenese der AD(H)S und der monosymptomatischen Enuresis gibt. Das führt zur Frage, ob nicht auch bei Kindern mit AD(H)S oder zumindest einem Teil von ihnen die medikamentöse Therapie mit Methylphenidat eine Verbesserung der PPI zeigt und auf diese Weise ein besseres Verständnis der Wirkmechanismen dieses Medikaments erlangt werden kann. In dieser Dissertation soll daher die Hypothese geprüft werden, ob bei Kindern mit AD(H)S oder auch nur bei einem Teil dieses Kollektivs die Methylphenidat-Therapie einen Einfluss auf die PPI hat. Eine Bestätigung dieser Hypothese hätte Konsequenzen für das Verständnis dieser Störung und ihrer Therapie.

Kategorien: Therapie, Medikamente, Komorbiditäten

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Kategorien: Therapy, Drugs, Comorbidities

Typ:Dissertation
Autor:A. Thiemann
Quelle:http://macau.uni-kiel.de/receive/dissertation_diss_00013100
Jahr:2013
Keywords (deutsch):Methylphenidat, ADHS, Startle, PPI, Enuresis
Keywords (englisch):---
DOI:---