Emotionsdysregulation als transnosografische psychopathologische Dimension im Erwachsenenalter: Eine systematische Übersicht
Claudia Carmassi, Lorenzo Conti, Davide Gravina, Benedetta Nardi, Liliana Dell'Osso (2022)
Frontiers in Psychiatry 13, 900277
Zusammenfassung
Einleitung: Emotionsdysregulation bezeichnet unangemessene emotionale Reaktionen auf umweltbezogene oder kognitive Reize. In den letzten Jahren richtete sich vermehrt Aufmerksamkeit auf ihre Definition und Erfassung über psychische Störungen hinweg, da ihre nachteilige Rolle für neurologische Entwicklungsstörungen wie für Erkrankungen im Erwachsenenalter und für die Schwere der klinischen Ausprägung immer deutlicher wurde. Ziel war es, die wissenschaftliche Evidenz zur Emotionsdysregulation bei erwachsenen psychiatrischen Patienten zusammenzutragen und das Konzept als transnosografische Einheit zu klären. Methode: Suche in PubMed, Scopus und Web of Science nach PRISMA-Vorgaben; eingeschlossen wurden 29 Studien. Alle erfassten Symptome der Emotionsdysregulation mit einem validierten Instrument bei klinisch diagnostizierten Erwachsenen (über 18 Jahre) sowie gesunden Kontrollpersonen. Ergebnisse: Die Befunde sprechen für Emotionsdysregulation als transdiagnostischen Faktor über mehrere Störungen hinweg, darunter bipolare Störung, ADHS, Autismus-Spektrum-Störung und Persönlichkeitsstörungen. Eine klarere Definition könnte helfen, klinische Verläufe zu verstehen und Diagnostik wie Behandlung zu verbessern.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Komorbiditäten
Schlagwörter: Emotionsregulation, Komorbidität, Erwachsene, Autismus-Spektrum-Störung, Persönlichkeitsstörungen, Affektive Störungen
