Langwirksame Methylphenidat-Formulierungen in der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: eine systematische Übersicht von direkten Vergleichsstudien

David Coghill, Tobias Banaschewski, Alessandro Zuddas, Antonio Pelaz, Antonella Gagliano, Manfred Doepfner (2013)

BMC Psychiatry 13, 237

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Das Stimulans Methylphenidat (MPH) ist seit vielen Jahren ein Eckpfeiler der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Aufgrund der kurzen Halbwertszeit und der Probleme, die mit der mehrmaligen täglichen Einnahme von MPH-Präparaten mit sofortiger Wirkstofffreisetzung verbunden sind, hat sich eine neue Generation von MPH-Präparaten mit Langzeitwirkung entwickelt. Direkte Vergleichsstudien dieser langwirksamen MPH-Präparate sind wichtig, um ihre vergleichende Pharmakokinetik und Wirksamkeit zu bewerten; bisher wurden jedoch relativ wenige solcher Studien durchgeführt. Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit war es, die verfügbaren Ergebnisse aus Vergleichsstudien langwirksamer MPH-Präparate zu vergleichen und Informationen bereitzustellen, die die Wahl der Behandlung unterstützen können. METHODEN: Im März 2012 wurde eine systematische Literaturrecherche in MEDLINE und PsycINFO mit den MeSH-Begriffen „Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität/medikamentöse Therapie“, „Methylphenidat/therapeutische Anwendung“ und „All Fields: Concerta“, „Ritalin LA“ durchgeführt. OROS und ADHS; Medikinet; Equasym XL und ADHS; langwirksames Methylphenidat; Diffucaps und ADHS; SODAS und Methylphenidat. Es wurden keine Filter angewendet und keine Einschränkungen hinsichtlich Sprache, Publikationsdatum oder Publikationsstatus vorgenommen. Artikel wurden ausgewählt, wenn der Titel einen Vergleich von zwei oder mehr langwirksamen Methylphenidat-Präparaten an Probanden jeden Alters nahelegte; nicht-systematische Übersichtsarbeiten und unveröffentlichte Daten wurden nicht berücksichtigt. ERGEBNISSE: Von 15.295 in der Literatursuche gefundenen und anhand des Titels gesichteten Referenzen wurden 34 Artikel für die Aufnahme in die Analyse identifiziert: neun Artikel aus pharmakokinetischen Studien (neun Studien); neun Artikel aus Laborstudien (sechs Studien); zwei Artikel aus randomisierten kontrollierten Studien (zwei Studien); drei Artikel aus Umstellungsstudien (zwei Studien) und drei Artikel aus einer Beobachtungsstudie. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Neuere Vergleichsstudien liefern wichtige Daten zur vergleichenden Wirksamkeit der verfügbaren Formulierungen. Auf Gruppenebene folgt die Wirksamkeit im Tagesverlauf im Allgemeinen dem pharmakokinetischen Profil der MPH-Formulierung. Keine Formulierung ist einer anderen eindeutig überlegen; eine sorgfältige Berücksichtigung der Patientenbedürfnisse und subtiler Unterschiede zwischen den Formulierungen ist erforderlich, um die Behandlung zu optimieren. Bei Patienten mit unzureichender Symptomkontrolle kann ein Wechsel zu einer langwirksamen MPH-Formulierung von Vorteil sein. Beim Wechsel der Formulierung ist es üblicherweise angebracht, die schnell freisetzende Komponente der Formulierung zu titrieren; eine Einschränkung aktueller Studien besteht darin, dass sie sich auf die Tagesgesamtdosis anstatt auf äquivalente schnell freisetzende Komponenten konzentrieren. Weitere Studien sind notwendig, um Leitlinien für die klinische Praxis zu entwickeln, insbesondere für die Behandlung von Erwachsenen und Vorschulkindern sowie für den Einfluss von Komorbiditäten und des Schweregrads der Symptome auf das Ansprechen auf die Behandlung.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Erwachsene, Komorbidität, Methylphenidat, Stimulanzien, Hyperaktivität, Metaanalyse, Schule

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