Emotionsdysregulation und Stimulanzienbehandlung bei ADHS im Erwachsenenalter

Myrto Sklivanioti Greenfield, Yanlu Wang, J. Paul Hamilton, Per Thunberg, Mussie Msghina (2024)

Journal of Psychiatry and Neuroscience 49(4), E242-E251

Zusammenfassung

Hintergrund: Emotionsdysregulation betrifft bis zu zwei Drittel der erwachsenen ADHS-Patienten und gilt zunehmend als Kernsymptom, das klinisch mit stärkerer Funktionsbeeinträchtigung und häufigerer psychiatrischer Komorbidität einhergeht. Die Studie untersuchte Emotionsdysregulation bei ADHS und ihre neuronalen Grundlagen. Methode: Untersucht wurden Emotionsinduktion und Emotionsregulation in einer klinischen Kohorte erwachsener ADHS-Patienten vor und nach einer Stimulanziengabe, verglichen mit nach Alter und Geschlecht gematchten gesunden Kontrollpersonen anhand von Verhaltensmaßen sowie struktureller und funktioneller Bildgebung. Erwartet wurde eine abweichende Emotionsverarbeitung, die sich möglicherweise durch Stimulanzien normalisieren lässt. Ergebnisse: Auf Verhaltensebene zeigte die ADHS-Gruppe eine verminderte Fähigkeit zu Emotionsinduktion und -regulation. Die Bildgebung ergab abweichende Aktivierungs- und Deaktivierungsmuster während der Emotionsregulation, ein geringeres Volumen der grauen Substanz in limbischen und paralimbischen Regionen und ein größeres Volumen in visuellen und zerebellären Regionen. Die beobachteten Defizite wurden durch die Stimulanzienbehandlung nicht normalisiert. Schlussfolgerung: Erwachsene mit ADHS können eine beeinträchtigte Emotionsinduktion und -regulation aufweisen, die sich durch Stimulanzien nicht aufhebt. Das ist klinisch relevant für die Frage, welche Aspekte der Emotionsdysregulation behandlungsbedürftig sind und was die klassische ADHS-Pharmakotherapie leisten kann.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente

Schlagwörter: Emotionsregulation, Pharmakotherapie, Methylphenidat, ADHS im Erwachsenenalter, Bildgebung, MRT

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