Zu den zeitlichen Charakteristika der Leistungsvariabilität bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Bernd Feige, Monica Biscaldi, Christopher W N Saville, Christian Kluckert, Stephan Bender, Ulrich Ebner-Priemer, Klaus Hennighausen, Reinhold Rauh, Christian Fleischhaker, Christoph Klein (2013)

PloS one 8(10), e69674

Zusammenfassung

Eine erhöhte intraindividuelle Variabilität der Reaktionszeiten (ISV-RT) ist einer der konsistentesten Befunde bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Obwohl die Natur dieses Phänomens noch unklar ist, wird vermutet, dass es auf Störungen durch das Default Mode Network (DMN) zurückzuführen ist. Bisher wurde ISV-RT operational definiert, entweder als Frequenzspektrum der zugrunde liegenden Reaktionszeitreihe oder als Streuungsmaß der Reaktionszeitverteilung. In dieser Studie verwenden wir ein neuartiges Analysemodell für Reaktionszeiten, um diese bisher unverbundenen Aspekte der ISV-RT zu verknüpfen, indem wir die Sensitivität verschiedener Streuungsmaße gegenüber dem Frequenzgehalt der zugrunde liegenden Reaktionszeitreihe bestimmen. N = 27 Patienten mit ADHS und N = 26 gesunde Kontrollpersonen bearbeiteten mehrere visuelle N-back-Aufgaben. Verschiedene Streuungsmaße der Reaktionszeiten wurden wiederholt modelliert, nachdem einzelne Frequenzbänder der zugrunde liegenden Reaktionszeitreihe entweder extrahiert oder mittels Frequenzbereichsfilterung unterdrückt worden waren. Wir stellten fest, dass die intraindividuelle Standardabweichung der Reaktionszeit (RT) das für menschliche RT-Daten typische „1/f-Rauschen“ beibehält. Darüber hinaus und vor allem fanden wir heraus, dass der ex-Gaußsche Parameter τ nahezu ausschließlich auf Frequenzen unter 0,025 Hz in der zugrunde liegenden RT-Zeitreihe reagiert und dass die besonders langsamen RTs, die τ bedingen, regelmäßig als Teil einer quasi-periodischen, ultralangsamen RT-Fluktuation auftreten. Insgesamt sind unsere Ergebnisse mit der Annahme vereinbar, dass die ISV-RT durch einen endogenen, langsam fluktuierenden Prozess moduliert wird, der möglicherweise eine Störung des Default Mode Network (DMN) widerspiegelt.

Kategorien: ADHS bei Kindern

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Hyperaktivität, EEG, Geschlecht

This publication in English

Nach oben scrollen