Farbsehen bei ADHS: Teil 1 – Überprüfung der retinalen dopaminergen Hypothese

Soyeon Kim, Mohamed Al-Haj, Samantha Chen, Stuart Fuller, Umesh Jain, Marisa Carrasco, Rosemary Tannock (2014)

Behavioral and brain functions : BBF 10, 38

Zusammenfassung

ZIELE: Die Studie untersuchte die retinale dopaminerge Hypothese, die eine beeinträchtigte Blauwahrnehmung bei ADHS aufgrund einer verminderten Funktion des zentralen Nervensystems und des retinalen Dopamins postuliert, auf das die Zapfen der Netzhaut besonders empfindlich reagieren. Zudem wurden vermeintliche Geschlechtsunterschiede in der Rotwahrnehmung untersucht. METHODEN: 30 junge Erwachsene mit ADHS und 30 gesunde junge Erwachsene gleichen Alters und Geschlechts absolvierten eine psychophysische Aufgabe zur Messung der Farbsättigung und des Kontrastunterscheidungsvermögens für Blau und Rot. Zusätzlich wurden Tests zur Sehfunktion durchgeführt, darunter der Visual Activities Questionnaire (VAQ) und der Farnsworth-Munsell-100-Farbtontest (FMT). ERGEBNISSE: Frauen mit ADHS konnten die Farbsättigung von Blau und Rot weniger genau unterscheiden als die Kontrollgruppe, wiesen aber keine Unterschiede in der Kontrastempfindlichkeit auf. Weibliche Kontrollprobandinnen konnten die Farbsättigung von Rot besser unterscheiden als männliche, innerhalb der ADHS-Gruppe zeigten sich jedoch keine Geschlechtsunterschiede. SCHLUSSFOLGERUNG: Die schwächere Unterscheidung von Rot- und Blausättigung bei Frauen mit ADHS lässt sich möglicherweise teilweise auf einen Dopaminmangel in der Netzhaut zurückführen, da die Farbwahrnehmung (Blau-Gelb und Rot-Grün) auf Informationen der S-Zapfen (Kurzwellen-Zapfensystem) im frühen visuellen System basiert. Die überlegene Rotwahrnehmung bei Frauen könnte auf geschlechtsspezifische funktionelle Spezialisierungen in Jäger- und Sammlergesellschaften zurückzuführen sein. Das Fehlen dieses Geschlechtsdimorphismus in der Rotwahrnehmung bei Frauen mit ADHS bedarf weiterer Untersuchungen.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Hyperaktivität, Geschlecht, Neuropsychologie

This publication in English

Nach oben scrollen