Trauma-Erfahrungen und sexueller Missbrauch bei ADHS
Petra Retz-Junginger, Angela Arweiler, Wolfgang Retz (2015)
Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 63(1), 47-52
Zusammenfassung
Ziel der vorgestellten Untersuchung ist die qualitative und quantitative Erhebung kindlicher Traumatisierungen, insbesondere sexuellem Missbrauch bei ADHS-Patienten. Es wurden 125 Personen mit kindlicher ADHS und 195 Kontrollpersonen hinsichtlich traumatisierender Erfahrungen einschließlich sexuellen Missbrauchs mittels standardisierter Fragebögen retrospektiv befragt. Personen mit kindlicher ADHS berichteten durchschnittlich häufiger oder stärker ausgeprägt emotionalen Missbrauch, körperliche Misshandlung, sexuellen Missbrauch, emotionale Vernachlässigung und körperliche Vernachlässigung. Im Vergleich zur Kontrollgruppe berichteten Personen mit kindlicher ADHS häufiger sexuelle Übergriffe mit und ohne Körperkontakt in der Kindheit. Personen mit kindlicher ADHS, die einen sexuellen Missbrauch in der Kindheit beschreiben, schilderten retrospektiv eine stärker ausgeprägte ängstlich-depressive Symptomatik als ADHS-Betroffene ohne Missbrauchserlebnis. Viele erwachsene ADHS-Patienten beschreiben Traumatisierungen. Aufgrund des retrospektiven Ansatzes der vorliegenden Untersuchung kann hieraus allerdings nicht sicher geschlossen werden, dass ADHS einen Risikofaktor für Traumatisierungen einschließlich sexuellen Missbrauchs darstellt. Diesem Thema sollte bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS mehr Aufmerksamkeit geschenkt und Präventionsmaßnahmen entwickelt werden.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Affektive Störungen
Schlagwörter: ADHS, Depression, Emotionen
