Erforschung der Stimulanzienbehandlung bei ADHS: Erzählungen junger Jugendlicher und ihrer Eltern
Alice Charach, Emanuela Yeung, Tiziana Volpe, Tara Goodale, Susan dosReis (2014)
BMC Psychiatry 14, 110
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Die Erfahrungen junger Jugendlicher und ihrer Eltern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und deren Behandlung wurden untersucht, um Überzeugungen und Einstellungen zum Einsatz von Stimulanzien sowie deren Einfluss auf Behandlungsentscheidungen zu erforschen. METHODEN: Mithilfe von ausführlichen qualitativen Interviews schilderten zwölf Jugendliche mit ADHS im Alter von 12 bis 15 Jahren und ihre Eltern ihre Erfahrungen mit ADHS und deren Behandlung. In 24 Interviews (je zwölf mit Jugendlichen und Eltern) wurden detaillierte Beschreibungen von Überzeugungen zu ADHS, Einstellungen zum Einsatz von Stimulanzien und den Umständen der Behandlungsentscheidungen erfasst. Die wörtlichen Transkripte wurden von einem Forschungsteam iterativ nach einem interpretativen interaktionistischen Ansatz analysiert. ERGEBNISSE: Die Jugendlichen nannten drei Themen zur Beschreibung von ADHS: 1) Persönlichkeitsmerkmal, 2) körperliche Beschwerden oder Störungen und 3) kleinere Probleme oder Sorgen. Bezüglich der Medikamenteneinnahme beschrieben Jugendliche 1) Vorteile, 2) Veränderungen des Selbstbildes, 3) Nebenwirkungen und 4) den Wunsch, die Einnahme zu beenden. Die Ansichten der Eltern waren einheitlicher als die der Jugendlichen; sie beschrieben ADHS als eine behandlungsbedürftige Störung. Die meisten Eltern berichteten von Vorteilen durch die Einnahme von Stimulanzien. Zu den zentralen Themen gehörten 1) Medikamente als letzte Option, 2) die Förderung des Potenzials des Kindes und 3) Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen. Familien schilderten, wie die Verantwortung für Behandlungsentscheidungen im Laufe der Zeit von den Eltern auf die Jugendlichen übertragen wird. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Junge Jugendliche können andere Ansichten zu ADHS und andere Einstellungen zur Medikamenteneinnahme haben als ihre Eltern. Diese Ansichten und Einstellungen beeinflussen die Therapietreue. Die Einbeziehung der Perspektive junger Jugendlicher in klinische Entscheidungen könnte die Kontinuität der Behandlung von Jugendlichen mit ADHS potenziell verbessern.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Stimulanzien, Hyperaktivität, Geschlecht
