Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und Suizidalität in einer behandlungsnaiven Stichprobe von Kindern und Jugendlichen

Judit Balazs, Monika Miklosi, Agnes Kereszteny, Gyongyver Dallos, Julia Gadoros (2014)

Journal of Affective Disorders 152-154, 282-287

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Suizidalität. METHODEN: Mithilfe eines strukturierten Interviews (Mini International Neuropsychiatric Interview Kid) untersuchten die Autoren 418 therapienaive Kinder und Jugendliche (im Alter von 3 bis 18 Jahren). Suizidalität wurde im M.I.N.I. Kid als das Vorliegen aktueller Suizidgedanken und/oder Suizidversuche definiert. ERGEBNISSE: 211 Kinder und Jugendliche erfüllten die DSM-IV-Kriterien für ADHS, weitere 105 zeigten Symptome von ADHS unterhalb der diagnostischen Schwelle. Multiple Mediationsanalysen ergaben ein moderiertes Mediationsmodell, in dem der Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und aktueller Suizidalität vollständig durch die Symptome komorbider Erkrankungen mediiert wurde, wobei das Alter einen moderierenden Einfluss hatte. Bei Kindern unter 12 Jahren erwiesen sich Symptome spezifischer Angststörungen als signifikante Mediatoren, während bei Jugendlichen Symptome einer Major Depression und Dysthymie sowie Symptome von Substanzmissbrauch/Abhängigkeit als signifikante Mediatoren identifiziert wurden. EINSCHRÄNKUNGEN: Da es sich um eine Querschnittsstudie handelte, konnten keine Kausalzusammenhänge zwischen den untersuchten Faktoren nachgewiesen werden. Da die Studienpopulation zudem eine behandlungsnaive klinische Stichprobe umfasste, ist anzunehmen, dass Jugendliche, die und/oder deren Familien in diesem Alter erstmals Hilfe suchen, eher zu den weniger schwer betroffenen Jugendlichen gehören. SCHLUSSFOLGERUNGEN: ADHS-Symptome sind bei behandlungsnaiven Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Die Mechanismen dieses Zusammenhangs lassen sich nur unter Berücksichtigung entwicklungsbedingter Faktoren verstehen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Kliniker bei Patienten mit ADHS routinemäßig auf Suizidalität und komorbide Symptome screenen sollten.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Affektive Störungen, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, Depression, Angst, Sucht, Geschlecht, Schule

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