Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung vorhersagen? Evidenzbasierte Medizin
Abdulbari Bener, Madeeha Kamal (2014)
Global journal of health science 6(2), 47-57
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist die häufigste Verhaltensstörung bei Kindern. Jüngste Studien berichten über einen Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-D-Spiegel und dem Auftreten von ADHS. ZIEL: Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu untersuchen. Außerdem sollte der Einfluss und die Rolle von Vitamin D auf die Entwicklung von ADHS bei Kindern erforscht werden. STUDIENDESIGN: Es handelt sich um eine Fall-Kontroll-Studie, die von Juni 2011 bis Mai 2013 in den Schulgesundheits- und Primärversorgungszentren in Katar mit Kindern unter 18 Jahren durchgeführt wurde. METHODEN UND STUDIENTEILNEHMER: Die Studie umfasste 1.331 Fälle und 1.331 Kontrollpersonen. Das Datenerhebungsinstrument beinhaltete soziodemografische und klinische Daten, ärztliche Diagnosen, Familienanamnese, BMI sowie Serumkonzentrationen von 25(OH)-Vitamin D, Kalzium, Albumin, Bilirubin, Magnesium, Cholesterin, Harnstoff, Triglyceriden und Phosphor. Es wurden deskriptive und univariate statistische Analysen durchgeführt. ERGEBNISSE: Von den insgesamt 3470 befragten Kindern erklärten sich 1331 Kinder mit ADHS und 1331 gesunde Kinder zur Studienteilnahme bereit. Das mittlere Alter (± Standardabweichung, in Jahren) betrug bei den Kindern mit ADHS 10,63 ± 3,4 Jahre und bei den Kontrollkindern 10,77 ± 3,4 Jahre. Übergewicht (7,7 % vs. 9,4 %) und Adipositas (4,6 % vs. 7,7 %) traten bei den Kindern mit ADHS signifikant seltener auf als bei den Kontrollkindern (p = 0,001). Ein Vitamin-D-Mangel war bei den Kindern mit ADHS deutlich häufiger als bei den gesunden Kindern. Der mittlere Vitamin-D-Wert lag bei den Kindern mit ADHS deutlich unter dem Normwert. Zwischen den mittleren Vitamin-D-Werten der Kinder mit ADHS (16,6 ± 7,8 ng/ml, Median 16 ng/ml) und den Kontrollkindern (23,5 ± 9,9 ng/ml) bestand ein signifikanter Unterschied (p < 0,001). Die multivariate logistische Regressionsanalyse ergab, dass Haushaltseinkommen, ein schlechtes Verhältnis der Eltern, der Beruf der Mutter, Blutsverwandtschaft, der BMI (in Perzentilen), geringe Sonnenexposition, körperliche Aktivität, ein niedriger Serumkalziumspiegel und ein niedriger Vitamin-D-Spiegel nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und anderen Variablen als Hauptrisikofaktoren für ADHS gelten. FAZIT: Die Studie zeigte, dass Vitamin-D-Mangel bei Kindern mit ADHS häufiger auftritt als bei gesunden Kindern. Die Vitamin-D-Supplementierung von Säuglingen könnte eine sichere und wirksame Strategie zur Reduzierung des ADHS-Risikos darstellen. Weitere genomische und andere Tests sowie relevante Studien sind jedoch erforderlich.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, Genetik, Geschlecht, Schule
