Prosoziales Verhalten und negative Emotionalität vermitteln den Zusammenhang zwischen dem Serotonintransporter-Genotyp und ADHS sowie ODD im Kindesalter.
Whitney Brammer, Steve Lee (2013)
Journal of clinical child and adolescent psychology : the official journal for the Society of Clinical Child and Adolescent Psychology, American Psychological Association, Division 53 42(6), 809-819
Zusammenfassung
Obwohl es Hinweise darauf gibt, dass der Promotorpolymorphismus des Serotonintransporter-Gens (5-HTTLPR) mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und oppositionellem Trotzverhalten (ODD) assoziiert ist, sind die zugrundeliegenden Mechanismen weitgehend unbekannt. Angesichts ihrer theoretischen und biologischen Plausibilität untersuchten wir, ob individuelle Unterschiede in zentralen Temperamentsdimensionen (d. h. Prosozialität, negative Emotionalität, Wagemut) mögliche Wirkungswege von 5-HTTLPR zu ADHS und ODD darstellen. Anhand einer gut charakterisierten Stichprobe von 194 sechs- bis neunjährigen Kindern mit und ohne ADHS nutzten wir multiple Mediationsverfahren mit Bootstrapping, um Prosozialität, negative Emotionalität und Wagemut als unabhängige Mediatoren von 5-HTTLPR in Abhängigkeit von den separaten Eltern- und Lehrerbeurteilungen von ADHS und ODD zu evaluieren. Unter Berücksichtigung von ODD mediierten Prosozialität und negative Emotionalität signifikant den Zusammenhang zwischen 5-HTTLPR und der von den Eltern berichteten ADHS. Ebenso vermittelten Prosozialität und negative Emotionalität, nach Berücksichtigung von ADHS, jeweils auf einzigartige Weise den Zusammenhang zwischen 5-HTTLPR und der von den Eltern berichteten oppositionellen Trotzstörung (ODD). Bei der von Lehrkräften berichteten ADHS vermittelte Prosozialität signifikant den Zusammenhang zwischen 5-HTTLPR (nach Berücksichtigung von ODD), während negative Emotionalität, nach Berücksichtigung von ODD, die Vorhersage von ODD anhand von 5-HTTLPR signifikant vermittelte. Konkret war die Anzahl der langen 5-HTTLPR-Allele invers mit Prosozialität und positiv mit negativer Emotionalität assoziiert; Prosozialität war invers und negative Emotionalität positiv mit ADHS und ODD assoziiert. Wir betrachten die Rolle des Temperaments in genetisch sensitiven Studiendesigns sowie seinen potenziellen Wert für die Entwicklung und Durchführung effektiver Interventionen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Störung des Sozialverhaltens, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Hyperaktivität, Störung des Sozialverhaltens, Genetik, Geschlecht, Emotionen, Schule
