Häufige Veränderungen der weißen Substanzmikrostruktur bei motorischen und Aufmerksamkeitsstörungen im Kindesalter

Lisa Langevin, Frank MacMaster, Susan Crawford, Catherine Lebel, Deborah Dewey (2014)

The Journal of Pediatrics 164(5), 1157-1164.e1

Zusammenfassung

ZIEL: Charakterisierung von Veränderungen der weißen Substanz bei Kindern mit isolierter oder gleichzeitiger Entwicklungsbedingter Koordinationsstörung und/oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Vergleich zu typisch entwickelten Kontrollpersonen sowie Untersuchung, ob Gruppenunterschiede in motorischen und Aufmerksamkeitsaufgaben durch Unterschiede in den DTI-Messungen (Diffusions-Tensor-Bildgebung) erklärt werden können. STUDIENDESIGN: In einer Kohorte von Kindern (n = 85) mit Entwicklungsbedingter Koordinationsstörung, ADHS oder einer Kombination aus beidem untersuchten wir drei wichtige Faserbahnen der weißen Substanz, die an Aufmerksamkeits- und motorischen Prozessen beteiligt sind. Mittels DTI wurden Corpus callosum, Fasciculus longitudinalis superior und Cingulum hinsichtlich der Integrität der weißen Substanz analysiert. Unterschiede in der fraktionellen Anisotropie (FA), der mittleren Diffusivität, der radialen Diffusivität und der axialen Diffusivität wurden mittels ANOVA analysiert. Die motorische und aufmerksamkeitsbezogene Funktion wurde mit standardisierten Tests erfasst und mit den DTI-Messungen korreliert. ERGEBNISSE: Bei Kindern mit ADHS wurden Reduktionen der fraktionellen Anisotropie (FA) in den frontalen Regionen des Corpus callosum festgestellt (p = 0,039). Kinder mit Entwicklungsbedingter Koordinationsstörung zeigten ähnliche Reduktionen in Regionen des Corpus callosum unterhalb parietaler Hirnregionen (p = 0,040) sowie im linken Fasciculus longitudinalis superior (p = 0,026). Die Integrität der weißen Substanz war bei Kindern mit komorbider Entwicklungsbedingter Koordinationsstörung und ADHS sowohl in frontalen als auch in parietalen Regionen beeinträchtigt (p = 0,029; 0,046). Die FA korrelierte regionsspezifisch positiv mit den Ergebnissen motorischer und aufmerksamkeitsbezogener Tests. SCHLUSSFOLGERUNG: Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Veränderungen im Corpus callosum motorischen und aufmerksamkeitsbezogenen Funktionsstörungen zugrunde liegen. Diese Veränderungen sind funktionell und regional unterschiedlich und könnten eine neurobiologische Grundlage für motorische und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern darstellen.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, Geschlecht

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