Fünffacher Anstieg der nationalen Prävalenzraten von Medikamenten gegen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und anderen psychiatrischen Störungen: eine dänische registerbasierte Studie
Soren Dalsgaard, Helena Nielsen, Marianne Simonsen (2013)
Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology 23(7), 432-439
Zusammenfassung
ZIELSETZUNG: Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz und zeitliche Entwicklung der Verschreibungen von Methylphenidat, Dexamphetamin und Atomoxetin bei Kindern und Jugendlichen in drei Diagnosegruppen zu untersuchen: 1) Autismus-Spektrum-Störung (ASS), 2) Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und 3) andere psychiatrische Erkrankungen. METHODEN: Daten aus sechs verschiedenen nationalen Registern wurden zusammengeführt, um eine Kohorte aller in Dänemark zwischen 1990 und 2001 geborenen Kinder und Jugendlichen (n = 852.711) zu identifizieren. Soziodemografische Kovariaten der Kohortenmitglieder und ihrer Eltern sowie die lebenslangen Verschreibungen von Methylphenidat, Dexamphetamin und Atomoxetin wurden aus den Registern extrahiert. Die Verschreibungen wurden zudem nach Dauer (< 6 Monate vs. ≥ 6 Monate) stratifiziert. ERGEBNISSE: 16 % von 9698 Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS, n = 1577), 61 % von 11.553 Kindern und Jugendlichen mit ADHS (n = 7021) und 3 % von 48.468 Kindern und Jugendlichen mit anderen psychiatrischen Störungen (n = 1537) wurden mit einem oder mehreren ADHS-Medikamenten behandelt. Die Verschreibungsraten dieser Medikamente stiegen in allen drei Gruppen signifikant an. Zwischen 2003 und 2010 erhöhten sich die Verschreibungsraten von ADHS-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 13 Jahren mit ASS um das 4,7-Fache (4,4–4,9), mit ADHS um das 6,3-Fache (6,0–6,4) und mit anderen psychiatrischen Störungen um das 5,5-Fache (5,0–5,9). ZUSAMMENFASSUNG: Dies ist die bisher größte Studie zur Stimulanzienbehandlung bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und die erste prospektive Studie, die die zeitliche Veränderung der Prävalenz der Behandlung mit ADHS-Medikamenten in einer bevölkerungsbasierten nationalen Kohorte von Kindern und Jugendlichen mit ASS quantifiziert. Die Prävalenz der Stimulanzienbehandlung bei Jugendlichen mit ASS von 16 % deckt sich mit früheren Studien. Im letzten Jahrzehnt war in Dänemark ein deutlicher und stetiger Anstieg der Verschreibungsraten von Medikamenten zur Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Dieser Anstieg betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche mit ADHS, sondern auch andere neuropsychiatrische Erkrankungen, einschließlich ASS. Die Risiken und Vorteile dieser Praxis bedürfen weiterer Forschung.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Autismus-Spektrum-Störungen, Medikamente
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Methylphenidat, Atomoxetin, Amphetamin, Stimulanzien, Hyperaktivität, Autismus-Spektrum-Störung, Prävalenz, Geschlecht
