Genetische und umweltbedingte Einflüsse auf den Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und Alkoholabhängigkeit im Erwachsenenalter: Eine große bevölkerungsbasierte Zwillingsstudie

Andrea Capusan, Preben Bendtsen, Ina Marteinsdottir, Ralf Kuja-Halkola, Henrik Larsson (2015)

American journal of medical genetics. Part B, Neuropsychiatric genetics : the official publication of the International Society of Psychiatric Genetics 168(6), 414-422

Zusammenfassung

Frühere Studien deuten darauf hin, dass Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) häufig mit Alkoholabhängigkeit einhergeht. Unklar ist jedoch, inwieweit gemeinsame genetische Risikofaktoren diese Assoziation erklären. Ziel dieser Studie ist es, die relative Bedeutung genetischer, gemeinsamer und nicht-gemeinsamer Umweltfaktoren für die Überschneidung von ADHS und Alkoholabhängigkeit bei Erwachsenen zu untersuchen. Knapp 18.000 erwachsene Zwillinge im Alter von 20 bis 45 Jahren aus über 12.000 Zwillingspaaren (5.420 vollständige Paare) des bevölkerungsrepräsentativen schwedischen Zwillingsregisters wurden in die Studie eingeschlossen. Die Symptome von ADHS und Alkoholabhängigkeit wurden mittels Selbsteinschätzung erfasst. Mithilfe der Zwillingsanalyse wurde der Einfluss additiver genetischer (A), gemeinsamer (C) und nicht-gemeinsamer Umweltfaktoren (E) bestimmt. Es zeigte sich eine signifikante Assoziation zwischen ADHS und Alkoholabhängigkeit (Odds Ratio 3,58; 95%-Konfidenzintervall 2,85–4,49). Die Zwillingsanalyse ergab, dass gemeinsame genetische Risikofaktoren 64 % der Überschneidung von ADHS und Alkoholabhängigkeit erklären. Nicht-geteilte Umweltfaktoren erklärten die verbleibenden 36 %, während der Beitrag geteilter Umweltfaktoren minimal war. Wir fanden keine Hinweise auf statistisch signifikante Geschlechtsunterschiede in der Überlappung zwischen ADHS und Alkoholabhängigkeit. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Überlappung zwischen ADHS und Alkoholabhängigkeit im Erwachsenenalter größtenteils durch geteilte genetische Risikofaktoren erklärt wird. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Verständnis der zugrunde liegenden Risikofaktoren für Alkoholabhängigkeit bei Patienten mit ADHS und legt nahe, dass Menschen mit ADHS und ihre Familienangehörigen wichtige Zielgruppen für Prävention und Behandlung von Alkoholabhängigkeit darstellen. © 2015 Wiley Periodicals, Inc.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Sucht, Therapie

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Hyperaktivität, Alkohol, Genetik, Geschlecht

This publication in English

Nach oben scrollen