Genomweite Analysen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung identifizieren 27 Risikoloci, präzisieren die genetische Architektur und weisen auf die Beteiligung mehrerer kognitiver Domänen hin
Ditte Demontis, G Bragi Walters, Georgios Athanasiadis, Raymond Walters, Karen Therrien, Trine Tollerup Nielsen, Leila Farajzadeh, Georgios Voloudakis, Jaroslav Bendl, Biau Zeng, Wen Zhang, Jakob Grove, Thomas D Als, Jinjie Duan, F Kyle Satterstrom, Jonas Bybjerg-Grauholm, Marie Bækved-Hansen, Olafur O Gudmundsson, Sigurdur H Magnusson, Gisli Baldursson, Katrin Davidsdottir, Gyda S Haraldsdottir, Esben Agerbo, Gabriel E Hoffman, Søren Dalsgaard, Joanna Martin, Marta Ribasés, Dorret I Boomsma, Maria Soler Artigas, Nina Roth Mota, Daniel Howrigan, Sarah E Medland, Tetyana Zayats, Veera M Rajagopal, ADHD Working Group of the Psychiatric Genomics Consortium, iPSYCH-Broad Consortium, Merete Nordentoft, Ole Mors, David M Hougaard, Preben Bo Mortensen, Mark J Daly, Stephen V Faraone, Hreinn Stefansson, Panos Roussos, Barbara Franke, Thomas Werge, Benjamin M Neale, Kari Stefansson, Anders D Børglum (2023)
Nature Genetics 55(2), 198-208
Zusammenfassung
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige neurologische Entwicklungsstörung mit einer bedeutenden genetischen Komponente. Hier berichten wir über eine Metaanalyse genomweiter Assoziationsstudien zu ADHS mit 38.691 Personen mit ADHS und 186.843 Kontrollpersonen. Wir identifizierten 27 genomweit signifikante Loci und hoben 76 potenzielle Risikogene hervor, die unter Genen angereichert sind, die insbesondere in der frühen Hirnentwicklung exprimiert werden. Insgesamt war das genetische ADHS-Risiko mit mehreren hirnspezifischen neuronalen Subtypen und dopaminergen Neuronen des Mittelhirns assoziiert. In Exomsequenzierungsdaten von 17.896 Personen fanden wir bei ADHS eine erhöhte Last seltener proteinverkürzender Varianten in einer Gruppe von Risikogenen, die mit wahrscheinlich kausalen häufigen Varianten angereichert war; dies deutet möglicherweise darauf hin, dass SORCS3 sowohl durch häufige als auch durch seltene Varianten an ADHS beteiligt ist. Eine bivariate Gaußsche Mischmodellierung ergab, dass 84–98 % der ADHS-beeinflussenden Varianten mit anderen psychiatrischen Störungen geteilt werden. Darüber hinaus war das durch häufige Varianten bedingte ADHS-Risiko mit Beeinträchtigungen komplexer kognitiver Leistungen wie verbalem Schlussfolgern sowie mit verschiedenen exekutiven Funktionen einschließlich der Aufmerksamkeit assoziiert.
Kategorien: ADHS Allgemein
Schlagwörter: ADHS, Genetik, Neurobiologie, Exekutive Funktionen, Aufmerksamkeit
