Unterschiedliche Frontallappenmorphologie bei Mädchen und Jungen mit ADHS

Benjamin Dirlikov, Keri Shiels Rosch, Deana Crocetti, Martha Denckla, E. Mahone, Stewart Mostofsky (2015)

NeuroImage. Clinical 7, 222-229

Zusammenfassung

ZIEL: Diese Studie untersuchte, ob sich die Morphologie des Frontallappens bei Jungen und Mädchen mit ADHS (8–12 Jahre) im Vergleich zu typisch entwickelten (TD) Gleichaltrigen unterscheidet. METHODE: Die Teilnehmer umfassten 226 Kinder im Alter von 8–12 Jahren, darunter 93 Kinder mit ADHS (29 Mädchen) und 133 TD-Kinder (42 Mädchen), von denen 3T-MPRAGE-MRT-Scans angefertigt wurden. Mithilfe eines vollautomatischen Frontallappenatlas wurden funktionell unterschiedliche frontale Subregionen generiert, deren Oberfläche (SA) und kortikale Dicke (CT) jeweils bestimmt wurden. Die Analysen konzentrierten sich auf allgemeine diagnostische Unterschiede sowie auf die Untersuchung des Einflusses der Diagnose innerhalb der Geschlechter. ERGEBNISSE: Mädchen mit ADHS, nicht aber Jungen, zeigten eine insgesamt reduzierte Oberfläche des präfrontalen Kortex (PFC). Die Lokalisierung ergab, dass Mädchen weitverbreitete Reduktionen im bilateralen dorsolateralen präfrontalen Kortex (PFC), im linken inferioren lateralen PFC, im rechten medialen PFC, im rechten orbitofrontalen Kortex und im linken anterioren Cingulum aufwiesen; Jungen zeigten hingegen reduzierte Oberflächenaktivität (SA) nur im rechten anterioren Cingulum und im linken medialen PFC. Im Gegensatz dazu wiesen Jungen, nicht aber Mädchen, mit ADHS insgesamt reduzierte Oberflächenaktivität im prämotorischen Kortex (PMC) auf. Weitere Lokalisierungen zeigten, dass bei Jungen prämotorische Reduktionen in bilateralen lateralen PMC-Regionen beobachtet wurden, bei Mädchen hingegen im bilateralen supplementären motorischen Komplex. Entsprechend den Unterschieden zwischen den Diagnosegruppen korrelierten die Oberflächenaktivität im PMC und PFC invers mit dem Schweregrad der Symptome bei Mädchen und Jungen mit ADHS. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese Ergebnisse verdeutlichen geschlechtsspezifische Unterschiede in der kortikalen Morphologie funktioneller Untereinheiten des Frontallappens und liefern weitere Belege für Zusammenhänge zwischen Oberflächenaktivität und Symptomstärke bei Kindern mit ADHS.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Diagnostik, Hyperaktivität, MRT, Geschlecht

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