Prädiktoren für symptomatische Veränderungen und Adhärenz bei internetbasierter kognitiver Verhaltenstherapie für soziale Angststörungen in der psychiatrischen Routineversorgung
Samir El Alaoui, Brjann Ljotsson, Erik Hedman, Viktor Kaldo, Evelyn Andersson, Christian Ruck, Gerhard Andersson, Nils Lindefors (2015)
PloS one 10(4), e0124258
Zusammenfassung
ZIELSETZUNG: Ein zentrales Ziel der Gesundheitsversorgung ist die Verbesserung der Behandlungsergebnisse. Obwohl mehrere Studien die Wirksamkeit der therapeutisch angeleiteten internetbasierten kognitiven Verhaltenstherapie (ICBT) bei sozialer Angststörung (SAD) belegt haben, spricht ein signifikanter Anteil der Patienten nicht auf die Behandlung an. Ziel dieser Studie war es daher, individuelle Merkmale und behandlungsbezogene Faktoren zu identifizieren, die Klinikern helfen können, Behandlungsergebnisse und die Therapietreue von Personen mit SAD vorherzusagen. METHODE: Die Stichprobe umfasste Längsschnittdaten von 764 erwachsenen Personen, die über einen Zeitraum von vier Jahren in einer psychiatrischen Klinik des öffentlichen Dienstes wegen SAD behandelt wurden. Wöchentlich wurden die Selbsteinschätzungen auf der Liebowitz Social Anxiety Scale (LSAS-SR) erfasst. Symptomatische Veränderungen während der Behandlung und die Therapietreue wurden mittels Mehrebenenanalyse untersucht. Folgende Bereiche prognostischer Variablen wurden analysiert: (a) soziodemografische Variablen; (b) klinische Merkmale; (c) familiäre Vorbelastung mit psychischen Erkrankungen; und (d) behandlungsbezogene Faktoren. ERGEBNISSE: Höhere Glaubwürdigkeit und Therapietreue sagten eine schnellere Besserung während der Behandlung voraus, während ein höheres allgemeines Funktionsniveau eine langsamere Besserung bedingte. Die Glaubwürdigkeit der Behandlung war der stärkste Prädiktor für eine höhere Therapietreue. Eine familiäre Vorbelastung mit SAD-ähnlichen Symptomen war ebenfalls mit einer höheren Therapietreue assoziiert, wohingegen ADHS-ähnliche Symptome, männliches Geschlecht und eine familiäre Vorbelastung mit leichter Depression eine geringere Therapietreue vorhersagten. Auch die pro Behandlungsmodul aufgewendete Therapeutenzeit korrelierte negativ mit der Therapietreue. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse einer großen klinischen Stichprobe deuten darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der internetbasierten kognitiven Verhaltenstherapie (ICBT) der stärkste prognostische Faktor ist, der individuelle Unterschiede sowohl in der Therapietreue als auch in der symptomatischen Besserung erklärt. Ein frühzeitiges Screening auf ADHS-ähnliche Symptome kann Klinikern helfen, Patienten zu identifizieren, die möglicherweise zusätzliche Unterstützung oder eine angepasste Behandlung benötigen. Therapeutische Verhaltensweisen, die die Therapietreue fördern, können für den Behandlungserfolg wichtig sein, obwohl weitere Forschung erforderlich ist, um zu bestimmen, welche Art von Unterstützung am vorteilhaftesten wäre.
Kategorien: Angststörungen, Psychotherapie, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Erwachsene, Diagnostik, Verhaltenstherapie, Hyperaktivität, Depression, Angst, Geschlecht
