Kreativität bei der vorwiegend unaufmerksamen und der kombinierten Erscheinungsform von ADHS bei Erwachsenen

Olivier Girard-Joyal, Bruno Gauthier (2022)

Journal of Attention Disorders 26(9), 1187-1198

Zusammenfassung

Ziel: ADHS und die damit verbundenen Inhibitionsdefizite könnten Kreativität fördern. Die bisherigen Forschungsergebnisse sind jedoch widersprüchlich, möglicherweise aufgrund der Heterogenität der ADHS. Um diese Heterogenität zu berücksichtigen, wurden Kreativität und Inhibition bei der vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsform (ADHS-I) und der kombinierten Erscheinungsform (ADHS-C) untersucht. Methode: Die Teilnehmenden waren Frauen und Männer im Alter von 18 bis 51 Jahren mit diagnostizierter ADHS-I (n = 21), ADHS-C (n = 19) oder ohne ADHS (n = 43). Zur Erfassung der Kreativität wurden die selbstbeurteilte Kaufman Domains of Creativity Scale und der fremdbeurteilte figurale Torrance Test of Creative Thinking (TTCT) verwendet; die Inhibition wurde mit einer Stroop-Aufgabe und die ADHS-Symptome mit den Conners’ Adult ADHD Rating Scales gemessen. Ergebnisse: Die ADHS-C-Gruppe berichtete eine höhere selbsteingeschätzte Kreativität als die übrigen Gruppen und fertigte im figuralen TTCT mehr originelle Zeichnungen mit abstrakteren Titeln an als die Kontrollgruppe. Schlussfolgerung: Die Teilnehmenden mit ADHS-C waren am kreativsten. Dieses Ergebnis hing stärker mit einem höheren Ausmaß der ADHS-Symptome als mit einer schwächeren Inhibition zusammen.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen

Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Subtypen, Exekutive Funktionen, Unaufmerksamkeit

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