Risikoverhalten bei Glücksspielaufgaben bei Personen mit ADHS – eine systematische Literaturübersicht
Yvonne Groen, Geraldina Gaastra, Ben Lewis-Evans, Oliver Tucha (2013)
PloS one 8(9), e74909
Zusammenfassung
ZIELSETZUNG: Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, den Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und risikoreichem Verhalten bei Glücksspielaufgaben zu untersuchen und mögliche alternative Erklärungsfaktoren zu identifizieren. METHODEN: In den Datenbanken PsycINFO, PubMed und Web of Science wurde nach relevanter Literatur gesucht, die Personen mit ADHS mit gesunden Kontrollpersonen (NCs) hinsichtlich ihres risikoreichen Verhaltens bei einer Glücksspielaufgabe vergleicht. Insgesamt wurden 14 Studien mit Kindern/Jugendlichen und 11 Studien mit Erwachsenen in die Übersichtsarbeit eingeschlossen. ERGEBNISSE: Die Hälfte der Studien mit Kindern/Jugendlichen mit ADHS fand Hinweise darauf, dass diese im Vergleich zu NCs ein höheres Risikoverhalten bei Glücksspielaufgaben zeigen. Nur eine Minderheit der Studien mit Erwachsenen mit ADHS berichtete über auffälliges Risikoverhalten. Die Effektstärken reichten in beiden Altersgruppen von klein bis groß, und das Ergebnismuster unterschied sich nicht zwischen Studien, die eine implizite oder explizite Glücksspielaufgabe verwendeten. Zwei Studien zeigten, dass komorbide oppositionelle Trotzstörung (ODD) und Störung des Sozialverhaltens (CD) das Risikoverhalten bei ADHS erhöhten. Es fanden sich begrenzte und/oder widersprüchliche Hinweise darauf, dass komorbide internalisierende Störungen (IDs), der ADHS-Subtyp, die Einnahme von Methylphenidat und verschiedene Formen der Belohnung die Ergebnisse beeinflussen. FAZIT: Die Evidenz für ein erhöhtes Risikoverhalten von Personen mit ADHS in Glücksspielaufgaben ist uneinheitlich, jedoch stärker bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS als bei Erwachsenen mit ADHS. Dies könnte auf entwicklungsbedingte Veränderungen der Belohnungs- und/oder Bestrafungssensitivität oder auf einen Publikationsbias zugunsten positiver Ergebnisse bei Kindern und Jugendlichen hindeuten. Die Literatur legt nahe, dass eine komorbide oppositionelle Trotzstörung (ODD) bzw. ein Verhaltenssyndrom (CD) bei ADHS einen Risikofaktor für erhöhtes Risikoverhalten darstellt. Komorbide IDs, der ADHS-Subtyp, die Einnahme von Methylphenidat und die Form der erhaltenen Belohnung können das Risikoverhalten in Glücksspielaufgaben beeinflussen; diese Faktoren bedürfen jedoch weiterer Untersuchungen. Abschließend werden die Implikationen der Ergebnisse für ADHS-Modelle und die ökologische Validität von Glücksspielaufgaben diskutiert.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente, Störung des Sozialverhaltens
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Komorbidität, Methylphenidat, Hyperaktivität, Störung des Sozialverhaltens, Geschlecht
