Klinefelter-Syndrom und das Risiko für Psychosen, Autismus und ADHS
Martin Cederlof, Agnes Ohlsson Gotby, Henrik Larsson, Eva Serlachius, Marcus Boman, Niklas Langstrom, Mikael Landen, Paul Lichtenstein (2014)
Journal of psychiatric research 48(1), 128-130
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Schizophrenie, bipolare Störung, Autismus-Spektrum-Störungen und ADHS könnten beim Klinefelter-Syndrom überrepräsentiert sein, jedoch lieferten frühere Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse. METHODEN: Wir verglichen eine nationale Stichprobe von 860 Klinefelter-Patienten in Schweden mit 86.000 alters- und geschlechtsgleichen Kontrollpersonen. Um das Risiko für Schizophrenie, bipolare Störung, Autismus-Spektrum-Störung und ADHS bei Klinefelter-Patienten zu bewerten, berechneten wir Odds Ratios und 95%-Konfidenzintervalle mittels bedingter logistischer Regressionen. ERGEBNISSE: Patienten mit Klinefelter-Syndrom wiesen ein fast vierfach erhöhtes Risiko für Schizophrenie (Odds Ratio [OR] = 3,6; 95%-Konfidenzintervall [KI] 2,0–6,7) und bipolare Störung (OR = 3,8; KI 1,8–7,6) sowie ein etwa sechsfach erhöhtes Risiko für Autismus-Spektrum-Störung (OR = 6,2; KI 4,0–9,4) und ADHS (OR = 5,6; KI 4,0–7,8) auf. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Risiko für Psychosen, Autismus und ADHS ist bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom erhöht. Diese Ergebnisse deuten auf einen X-chromosomalen Faktor in der Ätiologie der untersuchten psychiatrischen Erkrankungen hin und könnten auch Auswirkungen auf die Behandlung von Patienten mit Klinefelter-Syndrom haben.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Affektive Störungen, Autismus-Spektrum-Störungen
Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Hyperaktivität, Autismus-Spektrum-Störung, Epidemiologie, Geschlecht
