Umgekehrte Fluoxetin-Effekte auf die inhibitorische Hirnaktivierung bei nicht-komorbiden Jungen mit ADHS und Autismus-Spektrum-Störung
Kaylita Chantiluke, Nadia Barrett, Vincent Giampietro, Paramala Santosh, Michael Brammer, Andrew Simmons, Declan Murphy, Katya Rubia (2014)
Psychopharmacology 232(12), 2071-82
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus-Spektrum-Störung (ASS) treten häufig gemeinsam auf und sind mit Leistungs- und Hirnfunktionsstörungen bei der motorischen Reaktionshemmung verbunden. Serotonin-Agonisten modulieren die motorische Reaktionshemmung und zeigten positive Verhaltenseffekte bei beiden Störungen. ZIEL: Wir untersuchten daher mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) die bisher unbekannten gemeinsamen und störungsspezifischen inhibitorischen Hirnfunktionsstörungen bei diesen beiden Störungen sowie die Wirkung einer Einzeldosis des selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmers Fluoxetin. METHODEN: Altersgleiche Jungen mit ADHS (18), ASS (19) und gesunde Kontrollpersonen (25) wurden mittels fMRT während einer Stoppaufgabe zur Messung der motorischen Hemmung verglichen. Die Patienten wurden zweimal gescannt, entweder unter einer akuten Dosis Fluoxetin oder Placebo, in einem doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studiendesign. Wiederholte Messungen innerhalb der Patienten wurden durchgeführt, um die Arzneimittelwirkungen zu beurteilen. Um mögliche Normalisierungseffekte von Hirnfunktionsstörungen zu testen, wurden die Patienten unter jeder Medikamentenbedingung mit den Kontrollpersonen verglichen. ERGEBNISSE: Unter Placebo zeigten Jungen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Vergleich zur Kontrollgruppe eine Überaktivierung im linken und rechten inferioren frontalen Kortex (IFC), während Jungen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine störungsspezifische Unteraktivierung im orbitofrontalen Kortex (OFC) und den Basalganglien aufwiesen. Unter Fluoxetin waren die präfrontalen Dysfunktionen nicht mehr nachweisbar, da Fluoxetin inverse Effekte auf diese Aktivierungen hatte: Fluoxetin reduzierte die IFC- und OFC-Aktivierung bei ASS, erhöhte sie jedoch bei ADHS. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse zeigen, dass Fluoxetin frontale Dysfunktionen bei beiden Störungen durch inverse Effekte normalisiert, indem es die abnorm erhöhte frontale Aktivierung bei ASS reduziert und die abnorm verringerte frontale Aktivierung bei ADHS erhöht. Dies spiegelt möglicherweise inverse Serotonin-Ausgangswerte bei beiden Störungen wider.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Affektive Störungen, Autismus-Spektrum-Störungen
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Komorbidität, Hyperaktivität, Depression, Autismus-Spektrum-Störung, MRT, Geschlecht
