Visuelle Verarbeitung biologischer Bewegung bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: eine ereigniskorrelierte Potenzialstudie
Anne Kroger, Katharina Hof, Christoph Krick, Michael Siniatchkin, Tomasz Jarczok, Christine Freitag, Stephan Bender (2014)
PloS one 9(2), e88585
Zusammenfassung
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) geht häufig mit Problemen im Sozialverhalten einher, die mitunter Ähnlichkeiten mit Symptomen von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) aufweisen. Die neuronalen Mechanismen ASS-ähnlicher Defizite bei ADHS wurden jedoch bisher kaum untersucht. Die Verarbeitung biologischer Bewegung – in jüngster Zeit als Marker sozialer Kognition diskutiert – zeigte in mehreren Studien eine Störung bei ASS. Daher untersuchten wir in der vorliegenden Studie, ob die Verarbeitung biologischer Bewegung auch bei ADHS beeinträchtigt ist. Mittels 64-Kanal-EEG und raumzeitlicher Quellenanalyse erfassten wir ereigniskorrelierte Potenziale (EKP) im Zusammenhang mit der Verarbeitung menschlicher Bewegung bei 21 Kindern und Jugendlichen mit ADHS und 21 alters- und geschlechtsgleichen, typisch entwickelten Kontrollpersonen. Auf Verhaltensebene konnten alle Probanden zwischen menschlicher und verzerrter Bewegung unterscheiden. Die N200-Amplitude war jedoch sowohl bei verzerrter als auch bei biologischer Bewegung bei den Probanden mit ADHS verringert. Nach einer raumzeitlichen Dipolanalyse zeigte sich eine bewegungsspezifische Aktivierung in okzipito-temporalen Regionen, wobei die Aktivierung bei ADHS-Patienten reduziert und diffuser war. Diese Ergebnisse deuten auf neuronal bedingte Veränderungen in der Verarbeitung biologischer Bewegung bei ADHS hin.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Autismus-Spektrum-Störungen
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Hyperaktivität, Autismus-Spektrum-Störung, EEG
