Der relative Beitrag häufiger und seltener genetischer Varianten zu ADHS
J. Martin, M. O'Donovan, A. Thapar, K. Langley, N. Williams (2015)
Translational psychiatry 5(2), e506
Zusammenfassung
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist stark erblich bedingt. Genomweite molekulare Studien zeigen eine erhöhte Belastung durch große, seltene Kopienzahlvarianten (CNVs) bei Kindern mit ADHS im Vergleich zu Kontrollgruppen. Jüngste Analysen polygener Risikoscores haben zudem gezeigt, dass häufige Varianten bei ADHS-Patienten im Vergleich zu Kontrollpersonen gehäuft auftreten. Der Zusammenhang zwischen diesen häufigen und seltenen Varianten ist bisher nicht erforscht. In dieser Studie untersuchten wir, ob sich Kinder mit ADHS und einer großen (>500 kb), seltenen (<1 % Häufigkeit) CNV (N=60) hinsichtlich ihrer polygenen Risikoscores für ADHS von Kindern mit ADHS ohne solche CNVs (N=421) unterscheiden. Wir verglichen außerdem die polygenen Risikoscores für ADHS bei Kindern mit und ohne CNVs mit denen einer Kontrollgruppe (N=4670; davon N=397 mit CNVs). Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit ADHS und großen, seltenen CNVs niedrigere polygene Scores aufweisen als Kinder ohne solche CNVs (Odds Ratio (OR) = 0,73, p = 0,023). Obwohl ADHS-Kinder ohne CNVs höhere Scores als die Kontrollgruppe erzielten (OR = 1,18, p = 0,0031), war dieser Unterschied bei ADHS-Kindern mit CNVs nicht zu beobachten (OR = 0,86, p = 0,27). Diese Ergebnisse stützen ein polygenes Schwellenwertmodell für ADHS, an dem sowohl häufige als auch seltene Varianten beteiligt sind.
Kategorien: ADHS bei Kindern
Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Hyperaktivität, Genetik, Geschlecht
