Gleichzeitige pharmakologische Therapie mit Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen in der EU mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Vanja Sikirica, Moshe Fridman, Amanda Bruno, Paul Hodgkins, M. Erder (2013)
Drugs in R&D 13(4), 271-280
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Vorläufige Daten deuten auf einen Anstieg der Prävalenz von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Europa hin. Daher ist ein besseres Verständnis des Einsatzes von Psychopharmaka in dieser Patientengruppe erforderlich, insbesondere bei Patienten mit ADHS ohne komorbide psychiatrische Erkrankung. METHODEN: Die Krankenakten von Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren mit einer oder mehreren ADHS-Diagnosen zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 30. Juni 2007 sowie deren ADHS-Medikation wurden von Ärzten aus sechs europäischen Ländern ausgewertet. Patienten mit Epilepsie in der Anamnese oder einer Tourette-Syndrom-Diagnose wurden ausgeschlossen. ERGEBNISSE: In einer Stichprobe von 569 Kindern und Jugendlichen (Durchschnittsalter 12,1 Jahre) nahmen 80 (14,1 %) zusätzlich zu ihrer zugelassenen ADHS-Medikation weitere Psychopharmaka ein. Die Anzahl vorbestehender Komorbiditäten, eine hohe Beeinträchtigung durch das Symptom Wut sowie das Land (Frankreich, Italien, Niederlande und Spanien im Vergleich zum Referenzland Deutschland) korrelierten signifikant mit der Anwendung von Psychopharmaka (im Vergleich zu Deutschland zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen Großbritannien und Deutschland). Insbesondere in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien war die Psychopharmaka-Anwendung am höchsten. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese Ergebnisse legen nahe, dass bei Kindern und Jugendlichen, die Psychopharmaka erhalten, der Anwendung von Psychopharmaka, die nicht zur Behandlung von ADHS indiziert sind, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Dies unterstreicht den Bedarf an weiterer Forschung, um die Auswirkungen der Psychopharmaka-Anwendung bei ADHS-Patienten zu untersuchen und alternative, individualisierte und indizierte Behandlungsstrategien für diese Patientengruppe zu entwickeln.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, Prävalenz, Geschlecht
