Genetische Überlappung zwischen evozierter frontozentraler Theta-Band-Phasenvariabilität, Reaktionszeitvariabilität und Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in einer Zwillingsstudie
Grainne McLoughlin, Jason Palmer, Fruhling Rijsdijk, Scott Makeig (2014)
Biological psychiatry 75(3), 238-247
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind die elektrophysiologische und hämodynamische Aktivität während Aufgaben, die kognitive Kontrolle erfordern, verändert. Frontale Theta-Oszillationen in der Mittellinie sind ein kortikales Korrelat der kognitiven Kontrolle und beeinflussen Verhaltensweisen wie Reaktionszeiten. Die Reaktionszeitvariabilität (RTV) ist bei ADHS konstant erhöht und weist bekanntermaßen genetische Gemeinsamkeiten mit der Störung auf. Der ätiologische Zusammenhang zwischen dem kognitiven Kontrollsystem, der RTV und ADHS ist unbekannt. In einer Stichprobe von Zwillingen mit ADHS und passenden Kontrollpersonen quantifizierten wir die Stärke der phänotypischen, genetischen und umweltbedingten Zusammenhänge zwischen ereigniskorrelierten Theta-Oszillationen in der Mittellinie, der RTV und ADHS. METHODEN: Unsere Stichprobe umfasste 134 Teilnehmer im Alter von 12 bis 15 Jahren: 67 Zwillingspaare (34 eineiige; 33 zweieiige) mit übereinstimmender oder nicht übereinstimmender ADHS-Symptomatik, die im Alter von 8, 10 und 12 Jahren untersucht wurde. Hauptzielgrößen waren die frontale Mittellinien-Theta-Aktivität, abgeleitet aus kanal- und quellenzerlegten EEG-Daten, und die Verhaltensleistung in einer Antwortwahlaufgabe mit Pfeil-Flanker-Reizen, die bekanntermaßen Theta-Aktivität hervorruft. ERGEBNISSE: Die Variabilität der ereigniskorrelierten Theta-Phase im frontalen Mittellinienkortex korreliert stark mit RTV und ADHS, sowohl phänotypisch als auch genetisch. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Dies ist der erste Befund, der den genetischen Zusammenhang zwischen dem frontalen Mittellinien-System der kognitiven Kontrolle und ADHS bestätigt und der erste, der einen genetisch bedingten neurophysiologischen Marker für RTV bei ADHS identifiziert. Die Variabilität im Timing des Theta-Signals bei ADHS könnte Teil eines dysfunktionalen Gehirnnetzwerks sein, das die Regulierung aufgabenrelevanter Reaktionen bei dieser Störung beeinträchtigt.
Kategorien: ADHS bei Kindern
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Hyperaktivität, Genetik, EEG, Geschlecht, Neuropsychologie
