Atopisches Ekzem im Säuglingsalter und nachfolgende Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – eine prospektive Geburtskohortenstudie

Jon Genuneit, Stefanie Braig, Stephanie Brandt, Martin Wabitsch, Ines Florath, Hermann Brenner, Dietrich Rothenbacher (2014)

Pediatric allergy and immunology : official publication of the European Society of Pediatric Allergy and Immunology 25(1), 51-56

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Eine Komorbidität zwischen atopischem Ekzem (AE) im Kindesalter und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wurde beobachtet, die zeitlichen Zusammenhänge sind jedoch weiterhin unklar. METHODEN: Wir analysierten Daten einer bevölkerungsbasierten, prospektiven Geburtskohortenstudie mit 770 Kindern, die 2000/2001 in die Studie aufgenommen und bis zum Alter von 11 Jahren nachbeobachtet wurden. Informationen zum Diagnosealter von AE, Rhinokonjunktivitis und ADHS wurden mittels Fragebögen erhoben, die an die Eltern und – im Falle von AE – zusätzlich an die behandelnden Ärzte verteilt wurden. Angepasste relative Risiken (aRR) mit 95%-Konfidenzintervallen (95%-KI) wurden mithilfe einer modifizierten Poisson-Regression modelliert. ERGEBNISSE: Ein frühes AE bis zum Alter von 4 Jahren wurde von den Eltern bei 14,8 % der Kinder und von den Ärzten bei 26,0 % berichtet, wobei die Übereinstimmung zwischen diesen Angaben nur mäßig war (Kappa = 0,36). Basierend auf den Angaben der Eltern war der Zusammenhang zwischen frühem atopischem Ekzem (AE) und frühem ADHS stark (aRR: 5,17; 95 %-KI: 2,18–12,28), nicht jedoch für spätes ADHS [aRR: 0,50 (0,13–2,02)]. Der Zusammenhang zwischen spätem AE und spätem ADHS [aRR: 3,03 (0,75–12,29)] war statistisch nicht signifikant. Dieses Muster war unabhängig vom Vorliegen einer Rhinokonjunktivitis. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die beobachtete Komorbidität zwischen AE und ADHS könnte auf eine Anfälligkeit für die Entwicklung von ADHS-Symptomen als Reaktion auf AE-Symptome oder durch einen gemeinsamen zugrunde liegenden Mechanismus hindeuten. Diese Anfälligkeit scheint mit der Zeit seit Beginn des AE abzunehmen und könnte im frühen Kindesalter stärker ausgeprägt sein. Diese zeitlichen Zusammenhänge sollten in zukünftigen Studien zu den Mechanismen, die beide Erkrankungen verbinden, sowie in klinischen Bemühungen zur Früherkennung und Prävention von ADHS-Symptomen bei Kindern mit AE berücksichtigt werden.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Erwachsene, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, Geschlecht, Schule

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