Gestörte Essgewohnheiten und damit verbundene Lebensstile bei Männern mit ADHS
Radek Ptacek, Hana Kuzelova, George Stefano, Jiri Raboch, Tereza Sadkova, Michal Goetz, Richard Kream (2014)
Medical science monitor : international medical journal of experimental and clinical research 20, 608-613
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurologische/Verhaltensstörung, die durch Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität und Impulsivität oder eine Kombination dieser Symptome gekennzeichnet ist. Kinder mit ADHS neigen zu unregelmäßigen und/oder impulsiven Essgewohnheiten, was häufig zu einer Beeinträchtigung des körperlichen Zustands führt. Ziel der vorliegenden Studie war die statistische Auswertung der elterlichen Einschätzungen von Essverhaltensmustern und damit verbundenen Lebensstilfaktoren bei 100 Jungen mit ADHS im Vergleich zu einer altersentsprechenden Kontrollgruppe. MATERIAL UND METHODEN: Die Studienpopulation umfasste 100 Jungen im Alter von 6 bis 10 Jahren mit der Diagnose ADHS vom gemischten Typ gemäß DSM-IV-Kriterien sowie 100 altersentsprechende gesunde männliche Kontrollpersonen. Essverhaltensmuster und damit verbundene Lebensstilfaktoren wurden mittels strukturierter Elterninterviews anhand einer nominalen Bewertungsskala erfasst. ERGEBNISSE: Die Ergebnisse der Interviews zeigten statistisch signifikante Unterschiede im Essverhalten der Jungen mit ADHS im Vergleich zur Kontrollgruppe. Auffällig war, dass Probanden mit ADHS eine deutlich geringere Einhaltung traditioneller Essenszeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) aufwiesen, was mit einer signifikant höheren Häufigkeit (>5/Tag) unregelmäßiger Mahlzeiten einherging. In dieser ADHS-Kohorte waren gestörte Essgewohnheiten mit einem geringeren Nährwert der aufgenommenen Nahrung (ausgedrückt durch einen niedrigeren Obst- und Gemüseanteil) und einem erhöhten Konsum zuckerhaltiger Getränke verbunden. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Gestörte Essgewohnheiten, ein metabolisch ungünstiger Ernährungsstatus und verminderte körperliche Aktivität bei Jungen mit ADHS stehen im Zusammenhang mit Wachstums- und Entwicklungsstörungen sowie dem Auftreten von Stoffwechselerkrankungen im Erwachsenenalter.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, ADHS bei Kindern, Kinder, Erwachsene, Diagnostik, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Geschlecht
