ADHS und riskantes Sexualverhalten bei Jugendlichen: Verhaltensprobleme und Substanzkonsum als Mediatoren des Risikos
Dustin Sarver, Michael McCart, Ashli Sheidow, Elizabeth Letourneau (2014)
Journal of child psychology and psychiatry, and allied disciplines 55(12), 1345-1353
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Jüngste Studien haben einen Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und einem erhöhten Risiko für riskantes Sexualverhalten (RSB) bei Erwachsenen festgestellt. Die vorliegende Studie untersuchte, ob ADHS-Symptome mit RSB bei Jugendlichen assoziiert sind, und analysierte komorbide Verhaltensstörungen und problematischen Substanzkonsum als mögliche Mediatoren dieses Zusammenhangs. METHODEN: ADHS-Symptome, Verhaltensstörungen (Symptome einer oppositionellen Trotzstörung/Verhaltensstörung), problematischer Alkoholkonsum (Symptome einer Alkoholabhängigkeit, Häufigkeit des Alkoholkonsums), problematischer Cannabiskonsum (Symptome einer Cannabisabhängigkeit, Häufigkeit des Cannabiskonsums) und RSB wurden in einer ethnisch diversen Querschnittsstichprobe von Jugendlichen (N = 115; Durchschnittsalter = 14,9 Jahre) aus dem Jugendstrafrechtssystem erfasst. ERGEBNISSE: Mithilfe von Bootstrap-Mediationsmodellen konnte ein anfänglicher Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und RSB nachgewiesen werden, der vollständig durch problematischen Alkohol- und Cannabiskonsum, nicht aber durch Verhaltensstörungen erklärt werden konnte. Eine nachfolgende Mediationsanalyse mit mehreren Gruppen zeigte, dass der Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und riskantem Sexualverhalten nur bei Jugendlichen mit klinisch relevanten Verhaltensproblemen auftrat und dass problematischer Cannabiskonsum diesen Zusammenhang vollständig erklärte. Hyperaktive/impulsive, nicht aber unaufmerksame Symptome korrelierten mit riskantem Sexualverhalten, wobei das Muster der indirekten Effekte mit der Analyse mehrerer Gruppen übereinstimmte. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Der Zusammenhang zwischen ADHS und riskantem Sexualverhalten im Jugendalter beschränkt sich auf Jugendliche mit ausgeprägten komorbiden Verhaltensproblemen und spiegelt den Einfluss von komorbiden Cannabis- und in geringerem Maße auch von Alkoholproblemen wider. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser komorbiden Erkrankungen kann wichtig sein, um negative Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit von Jugendlichen mit ADHS zu verhindern.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Störung des Sozialverhaltens, Sucht
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Komorbidität, Hyperaktivität, Impulsivität, Störung des Sozialverhaltens, Sucht, Alkohol, Geschlecht
