Auswirkungen des Rückwärtsgehens auf die Aufmerksamkeit: mögliche Anwendung bei ADHS

Davide Viggiano, Michele Travaglio, Giovanna Cacciola, Alfonso Di Costanzo (2015)

Translational medicine @ UniSa 11, 48-54

Zusammenfassung

Der Mensch benötigt, wie in Dual-Task-Experimenten gezeigt wurde, aufmerksame Anstrengung. Eine aufmerksame Aufgabe kann das Gangbild verändern, und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) geht mit Gangveränderungen einher. In dieser Studie untersuchten wir die Zusammenhänge zwischen Rückwärtsgehen und Aufmerksamkeitsleistungen bei Kindern mit ADHS (n=13) und gesunden, alters-, größen- und gewichtsentsprechenden Kontrollpersonen (n=17). Wir evaluierten das Aufmerksamkeits-/Impulsivitätsprofil mithilfe einer Go/No-Go-Aufgabe und die Gangparameter (Schrittlänge, Kadenz und Froude-Zahl) beim Vorwärts- und Rückwärtsgehen. Um den kausalen Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit und Gangparametern zu untersuchen, trainierten wir die Kinder im Rückwärtsgehen. Das Trainingsprogramm umfasste drei 10-minütige Rückwärtsgeh-Einheiten pro Woche über zwei Monate. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante negative Korrelation zwischen der Froude-Zahl beim Rückwärtsgehen und der Reaktionszeit im Go/No-Go-Test. Darüber hinaus steigerten die Kinder der Kontrollgruppe nach dem Rückwärtsgehen-Training ihre Kadenz um 9,3 % und ihre Froude-Zahl um 17 % beim Rückwärtsgehen. Im Gegensatz dazu veränderten Kinder mit ADHS ihre Gehparameter nach dem Training nicht und zeigten eine signifikante Reduktion ihrer Fehleranzahl im Go/No-Go-Test (-49 %) im Vergleich zum Ergebnis vor dem Training. Diese Daten legen nahe, dass ein spezifisches körperliches Training mit aufmerksamkeitsfordernden Aufgaben die Aufmerksamkeitsleistung verbessern kann.

Kategorien: ADHS bei Kindern

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Hyperaktivität, Impulsivität

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